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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

DFB-Pokal 2015/2016, 2. Hauptrunde
[Dienstag, 27.10.2015] 1. FC Nürnberg – Fortuna Düsseldorf 5:1 (4:0)

Seien wir ehrlich! Mit Vielem hatte man an diesem Pokal-Dienstag beim zuletzt etwas bieder auftretenden 1. FC Nürnberg rechnen können: Mit einem knappen Sieg, einer knappen Niederlage, durchaus auch nach Verlängerung und vielleicht sogar mit einem nervenaufreibendem Elfmeterschießen. Mit Vielem hätte man rechnen können, auf andere Dinge konnte man hoffen, doch was dann an diesem Dienstag im nur mäßig gefüllten Max-Morlock-Stadion passierte: Nein, damit hatte man nicht rechnen können und auch nein, darauf wagte selbst der optimistischste Clubfan nicht zu hoffen. Gegen Fortuna Düsseldorf zeigte der Club noch praktisch endloser Zeit des Dahindarbens, was in ihm steckt. Er zeigte, dass er doch noch positiv überraschen kann und dass auch bei ihm noch immer Jubelbilder möglich sind, wie obiges.
Die Gäste aus dem Rheinland wussten jedenfalls in der ersten Halbzeit offensichtlich nicht so recht, wie ihnen geschieht. Der 1. FC Nürnberg war wild entschlossen, das Achtelfinale im DFB-Pokal zu erreichen und zeigte dies von der ersten Spielminute. Die mit Neuzugang Alexander Madlung umformierte Düsseldorfer Abwehrreihe bekam vom Anpfiff weg eine Menge zu tun und musste bereits in der siebten Spielminute einmal kräftig durchatmen, als Robert Koch den Fortuna-Innenverteidiger, der zwischenzeitlich vereinslos gewesen war und sich bei den Amateuren von Eintracht Braunschweig halbwegs fit gehalten hatte, anging und der Abpraller vom Schienbein des Clubspielers beinahe im leeren Düsseldorfer Tornetz landete.
Nur drei Minuten später war es dann aber so weit: Tim Leibold startete zu einem beherzten Solo, spielte zum aufgerückten Laszlo Sepsi und dieser weiter zu Guido Burgstaller. Der Österreicher hatte plötzlich nur noch F95-Keeper Lars Unnerstall vor sich und ließ sich die Chance zum 1:0 nicht nehmen.
Als Allessandro Schöpf sieben Minuten später von der rechten Seite flankte und Hanno Behrens seinen Kopfball aufs kurze Eck zog, kam Unnerstall erneut zu späte und konnte nicht verhindern, dass die Lederkugel über die Linie rutschte. Es stand 2:0 nach 17 Minuten und wer wollte es dem FCN verübeln, dass er sich im Anschluss etwas Erholung gönnte, ehe kurz vor dem Seitenwechsel die Zügel noch einmal angezogen wurden. Niclas Füllkrug wurde in der 41. Minute von Schöpf frei gespielt und traf zum 3:0. Nur zwei Minuten später setzte Burgstaller Leibold ein und dieser traf nach einer Finte gegen Madlung zum 4:0.
Die Fortuna war entsprechend bedient und offensichtlich heilfroh, dass es nun in die Kabinen ging. Beim 1. FC Nürnberg war man hingegen fast schon ein wenig traurig, dass das Torverhältnis im Pokal nicht auch in der Liga zählt. Statistikliebende Clubfans blätterten während der Pause indes in den Annalen und suchten nach 4:0-Pausenführungen. Für die, die immer noch blättern und suchen: Die letzte 4:0-Pausenführung in einem Pflichtspiel gab es für den Glubb am 28. August 1991, übrigens ebenfalls ein Flutlichtspiel unter der Woche (an einem Mittwoch) und damals dürften sich sogar die Düsseldorfer über das Ergebnis gefreut haben: Der FCN spielte damals nämlich gegen den 1.FC Köln.
Im Gegensatz zur damaligen Partie, die nach der 4:0-Pausenführung auch 4:0 endete, fielen gegen Fortuna Düsseldorf in der zweiten Halbzeit noch Tore. Die Mannschaft von René Weiler hatte zwar längst in den Ergebnis-Verwalten-Modus geschaltet, doch der eingewechselte Danny Blum ließ es sich dann nur zwei Minuten nachdem er aufs Feld gekommen war, doch nicht nehmen, eine wunderbare Ballstafette, wie sie nur beim Stand von 4:0 gelingt, in der 69. Minute mit dem Kopf zum 5:0 abzuschließen. Das 5:1 durch Demirbay in der 72. Minute sei an dieser Stelle der Vollständigkeit halb ebenfalls erwähnt.
Der 1. FC Nürnberg hat sich durch den Kantersieg nun zum Favorit auf den Pokalsieg im Mai in Berlin gemausert. Zwar spielten auch die Bauern aus München in einem späteren Spiel am selben Abend nicht schlecht, doch fiel die Pausenführung der Mannschaft von Pep Guardiola mit 3:0 in Wolfsburg doch deutlich enttäuschender aus. Auch das Endergebnis von 3:1 zeigt deutliche Schwächen der Münchener im Verwalten eines Ergebnisses. Über die Stationen Unterhaching und Aue wird sich der 1. FC Nürnberg für das Halbfinale im Berliner Olympiastadion gegen die Hertha qualifizieren. Spätestens seit dem Pokalsieg von 2007 ist das altehrwürdige Stadion am Stadtrand von Berlin so etwas wie das zweite Wohnzimmer des Clubs und da man auch gegen die alte Dame in den letzten Begegnungen immer gut ausgesehen hat, wird das Halbfinale zu einer gelungenen Generalprobe für das große Finale. Und in diesem Finale ist dann sowieso egal, wer kommt – wir erinnern uns an 2007, da kann sogar der Deutsche Meister kommen und wird besiegt. Der 1. FC Nürnberg ist auf dem besten Wege nach Europa – es fehlen nur noch vier Siege.