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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, 3. Spieltag
[Montag, 17.08.2015] 1. FC Nürnberg – 1860 München 2:2 (0:1)

Es soll ja durchaus Menschen geben, die gerne Löwen jagen. Als Beispiel sei hier ein US-amerikanischer Zahnarzt genannt, der in den letzten Wochen die Schlagzeilen beherrschte. Die Mannschaft des 1. FC Nürnberg – so viel kann man nach dem Spiel am Montag sagen – gehört definitiv nicht zu den Löwenjägern. Und die Schlagzeilen um den Aufstieg in die Bundesliga wird der FCN auch in dieser Saison nicht beherrschen.
Nach dem zweiten Heimspiel der noch jungen Saison herrscht Ernüchterung. Gegen eine Mannschaft, die es zuvor in beiden Saisonspielen nicht geschafft hatte, auch nur ein Tor zu erzielen, zeigte sich der gastgebende 1. FC Nürnberg mal wieder als der willkommene Aufbaugegner. Von Spielkultur, Taktik und Zweikampfverhalten war bei den Gastgebern nichts zu sehen. Die Gäste aus München bestimmten das Geschehen auf dem grünen Rasen und wäre die Chancenauswertung der Blau-Weißen nicht derart desaströs gewesen, der Glubb hätte schon zur Pause gut und gerne mit drei Treffern hinten liegen können. So kam, was kommen musste, sehr spät, doch letztlich noch vor dem Pausenpfiff: die Sechziger gingen mit 1:0 in Führung.
Will man dem Spiel am Montagabend etwas Positives abgewinnen, dann mit Sicherheit die erste Hälfte des zweiten Spielabschnitts. Die Pausenpredigt von René Weiler hatte offensichtlich gewirkt, denn zumindest der Kampf stimmte beim Club in den ersten Minuten der zweiten Hälfte. Dass Kampf allein jedoch oft auch nicht hilft, dachte man dann in der 53. Minute zu sehen, als die Löwen zum zweiten Mal jubelten. Der Jubel war zum Glück nur von kurzer Dauer, denn Schiedsrichter Robert Kampka aus Mainz verweigerte dem Treffer richtigerweise aufgrund einer Abseitsstellung die Anerkennung. Und wie es im Leben dann eben oft so geht – eben noch die Vorentscheidung befürchtet, durfte man als Clubfan schon beim Gegenangriff jubeln. Guido Burgstaller hatte die Lederkugel zum 1:1 in der 54. Minute im Münchener Tor versenkt.
Es kam schließlich noch besser: In der 63. Minute setzte sich Miso Brecko auf der rechten Angriffsseite entscheidend durch, flankte den Ball scharf nach innen, wo Niklas Stark die Kugel nur noch über die Linie zu drücken brauchte. Das Spiel war gedreht, die Löwen in der Folge zunächst deutlich von der Rolle – im Grunde also ein Spiel, das man nach Hause schaukeln sollte. Zumindest, wenn man Ansprüche nach oben anmelden möchte. Diese Ansprüche kann der 1. FC Nürnberg in der momentanen Verfassung vergessen. Nach zehn Minuten Erholung reichte letztlich ein einziger halbwegs konzentriert vorgetragener Angriff der Gäste, um die FCN-Hintermannschaft auseinanderzupflücken und den erneuten Ausgleich zu erzielen. Daniel Adlung traf in der 74. Minute.
Mit etwas Glück und Spucke hätte auch das 3:2 für die Münchener noch fallen können, denn in der Schlussviertelstunde präsentierte sich der 1. FC Nürnberg wieder von der verunsicherten Seite. Nichts funktionierte mehr, wie es sollte und am Ende half dann auch drei Mal das Aluminium, um zumindest einen Punkt im Frankenland zu halten.
Vier Punkte nach drei Spielen – das ist dürftig. Zumindest dieses zweite Heimspiel hätte gewonnen werden müssen, will man nicht wie in der letzten Saison irgendwo im Niemandsland der zweiten Liga verschwinden. Dies ist jedoch im Moment genau der Fall und da hilft es auch nichts, wenn sich ein Wolfgang Wolf nach dem Spiel vor die Fernsehkameras stellt und den verärgerten Sportdirektor spielt. Wer in der Verantwortung steht, sollte zunächst einmal selbst seinen Job ordentlich tun und erkennen, wer einem Verein weiterhelfen kann und wer nicht. Die Meinungen darüber, inwieweit ein Geertjan Verbeek dem Club weitergeholfen hat und hätte, mögen auseinander gehen. Fakt ist, der Niederländer steht mit dem VfL Bochum nach drei Siegen in drei Spielen an der Tabellenspitze der zweiten Liga und ist am kommenden Sonntag Gastgeber des Clubs. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird gegen die Mannschaft unseres Ex-Trainers nicht viel zu holen sein…