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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, 1. Spieltag
[Montag, 27.07.2015] SC Freiburg – 1. FC Nürnberg 6:3 (4:1)

Woran merkt man als Clubfan eigentlich, dass die Saison wieder begonnen hat? Die Antwort auf diese Frage ist im Grunde ganz einfach: Daran, dass man nach spätestens 10 Minuten die Schnauze schon wieder gestrichen voll hat.
Viel entscheidender war nach der ersten Viertelstunde von Freiburg am Montagabend jedoch die Frage nach dem „Wann“: Wann merkt die Mannschaft endlich, dass die Saison begonnen hat? Wann merken die Herren in den weissen Shirts endlich, dass es um die ersten Punkte der Saison geht und nicht um irgendein Trainingsspiel, welches Herr Bader und Herr Wolf am Ende wieder schön reden können.
13 Minuten waren im Breisgau gespielt und der 1. FC Nürnberg der Saison 2015/2016 hatte seinen ersten Offenbarungseid der Spielzeit abgeliefert. Und wer den Hühnerhaufen vor dem armen Thorsten Kirschbaum da so rumlaufen sah, der wusste sehr viele schneller als ihm lieb sein durfte, wo der ruhmreiche Fußballclub Nürnberg zu Beginn dieser Saison steht: Am Abgrund. Und ob man es nun wahr haben wollte oder nicht: Man wusste auch sehr schnell, dass die mehr als bescheidenden Ergebnisse der Vorbereitung exakt dem entsprachen, was diese Mannschaft im Moment ausmacht – und das ist eben beileibe nicht viel.
Die Schatten der letzten Horrorsaison haben die Verantwortlichen schneller eingeholt als dies selbst der krudeste Pessimist hätte vermuten können. Drei Angriffe über den ebenfalls in der Vorbereitung nicht gerade erfolgreichen Nils Petersen und der Club lag in Rekordzeit hinten. Nach 40 Minuten waren es dann schon vier Gegentore, was einem Schnitt von gerade einmal zehn Minuten pro Tor bedeutete. Es konnte einem Angst und Bange werden und auch, wenn die Mannschaft zumindest in der ersten Viertelstunde nach der Pause gezeigt hat, dass sie anscheinend wenigstens kämpfen kann, sehen wir nach 90 Minuten doch den traurigen Tatsachen ins Auge: In der Form von Freiburg reicht es für den 1. FC Nürnberg in der anstehenden Saison nicht einmal zum Klassenerhalt. Wer hinten derart sorglos und unkonzentriert spielt, darf sich nicht wundern, wenn die Gegentore praktisch im Sekundentakt fallen. Unsere Neuzugänge präsentierten sich durchgehend als Totalausfall und wer nun noch immer nicht begriffen hat, dass der Club dringendst einen rechten Außenverteidiger braucht, der sehe sich nur mal die 61. Minute des Spiels in Freiburg an. Wie einen Schüler, der in seinem Leben vielleicht fünf Mal gegen den Ball getreten hat, lässt der Freiburger Maximilian Philipp den Nürnberger Kevin Möhwald stehen und schiebt schließlich völlig unbedrängt zum letztlich entscheidenden 5:3 ein. Es war, als würde Lionel Messi sich mit einem Spieler der D-Jugend messen. Und überhaupt hatte man mitunter das Gefühl, die Gäste aus Franken erstarren vor dem Gegner wie das Kaninchen vor der Schlange.
Halten wir den Ball jedoch kurz einmal flach: Es ist und war mal gerade das erste Spiel der Saison. Es war und wird sein: Die erste von vielen Niederlagen, die in dieser Saison noch folgen werden. Früher hat der Glubb die ganze Saison gebraucht, um seine Fans am Ende der Spielzeit mit einem Abstieg ins tiefe Tal der Tränen zu stoßen. Zu Beginn der Saison 2015/2016 hat er dazu gerade mal 13 Minuten gebraucht. Auch eine Art neuer Rekord – und ich kann nur hoffen, dass Martin Bader und Wolfgang Wolf diesen Rekord bis ans Ende ihrer Tage mit Stolz und Würde tragen werden. Ich für meinen Teil werde jedenfalls immer daran denken, wenn ich nur an sie denke.