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Geht man heute durch den Berliner Stadtbezirk Mitte – vor allem rund um den Hakeschen Markt und dessen Dunstkreis – kommt man vor lauter touristischer Erschlossenheit nur noch selten auf den Gedanken, dass das gesamte Gebiet rund um die Sophienstrasse früher einmal zum Ostteil der Stadt gehörte. Die blühenden Landschaften, die Einheitskanzler Helmut Kohl damals versprochen hatte – wenn man so will sind sie in Form modernisierter Altbauten mit unerschwinglichen Wohnungsmieten heute Realität geworden.
Eine Ironie des Schicksals also, dass mir der Gedanke an den Ostteil der Stadt dieser Tage genau hier kam? In der Großen Hamburger Straße stand ich in einem Spielzeugladen mit dem kinderfreundlichen Namen Viel Spiel und hatte eben genau diesen Gedanken: Stimmt, hier war ja früher mal Osten.

Ein Einblick in die Fanszene

Grund für den Gedanken war ein Buch, das mir in dem Laden in die Hände gefallen war und das man so nicht unbedingt in einem Geschäft für nachhaltiges Spielzeug erwartet: Ultras Kutten Hooligans versprach der Titel vollmundig und mir huschte ein Lächeln übers Gesicht. Ein Einblick in die oft doch sehr geschlossene Fanszene des Ost-Berliner Fußballs wurde in Aussicht gestellt – blieb am Ende des Buches jedoch leider aus. Das ist umso enttäuschender, sind doch sowohl Fotograf Harald Hauswald als auch Autor Frank Willmann tief in der Szene verwurzelt. Zumindest behauptet dies der Verlag auf dem Buchdeckel.

Keine Distanz

Das Problem der Beiden: Man merkt an einigen Stellen des Buches durchaus, dass sowohl Willmann als auch Hauswald sowohl über tiefe Einblicke als auch über das nötige Fachwissen verfügen. Sie geben dieses jedoch nicht Preis. Statt dessen lassen sie sich zu Polemik hinreißen, stellen – vor allem in Sachen Gewalt unter Fußballfans – Behauptungen auf, ohne diese zu belegen und lassen sich das ein oder andere Mal nostalgisch derart mitreißen, dass jede Distanz zum behandelten Thema verloren geht. Das mag für Insider dann noch interessant sein – für Außenstehende setzt umgehend die Langeweile ein.
Auch geben die insgesamt 87 Fotos auf den 120 Seiten nicht viel her. Man sieht im Grunde immer das Gleiche. Fußballfans, die entweder jubeln, schimpfen, provozieren oder sich mit der Staatsgewalt anlegen. Darunter findet man dann so vielsagende Bildunterschriften wie: Dynamo-Fans 1995 in Zwickau.

Mangelhafte Umsetzung

Insgesamt bietet das Buch also leider nur wenig von dem, was der starke Titel verspricht. Eine gute Idee also, im Detail dann leider in vielen Belangen nur mangelhaft umgesetzt und ohne eigene Kenntnisse in der Szene oft nur schwer bis gar nicht verständlich. Noch dazu muss man anmerken, dass sich der Band ausschließlich um Fans der beiden Vereine BFC Dynamo und 1.FC Union kümmert. Das mag daran liegen, dass andere Vereine im Ostteil der Stadt in Sachen Fanaufkommen keine Rolle spielen. Dann hätte man es doch aber zumindest so erklären können.

Ultras Kutten Hooligans, Harald Hauswald/Frank Willmann, Berlin, 14,90 Euro

Erhältlich bei Viel Spiel, Große Hamburger Straße 28, Berlin-Mitte oder online beim Jaron Verlag

UltrasKuttenHooligans

Ultras Kutten Hooligans
Gute Idee und interessantes Thema
Insgesamt kratzt das Buch nur an der OberflächeDie Fotos wiederholen sich und sind z.T. wenig aussagekräftig
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