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So eine Sommerpause gehört für die echte Fußballfans zur schlimmsten Zeit des Jahres. Keine Fußballspiele, bei denen man sich abreagieren könnte und auch die Nachrichtenlage aus dem eigenen Verein geschieht oft nur aus zweiter Hand und dann noch von Menschen, die ihr Geld damit verdienen, dass sie Nachrichten verkaufen und schon allein deshalb dazu gezwungen sind, so ziemlich jedes einzelne Gerücht rund um die Tranfers des Sommers laut heraus zu posaunen. Vielleicht ist ja doch der ein oder andere Treffer dabei und das Lob des Chefredakteurs ist einem sicher, war man vor allen anderen mit dem Gerücht an der frischen Luft.

Das Elend einer Sommerpause ist eben, dass es außer vielleicht dem Trainingsauftakt keine wirklich großen Nachrichten rund um den Fußball gibt. Über was soll man sich aufregen, wenn der letzte Grottenkick des eigenen Vereins Wochen her ist, wenn die letzte üble Fehlentscheidung inzwischen so lange her, dass selbst der Schiedsrichter, der sie gefällt hat, inzwischen wieder ruhig schlafen kann? Die einzigen Menschen, die in einer Sommerpause mit Sicherheit nicht ruhig schlafen, sind die Verantwortlichen der Vereine, sowie die diversen Spielerberater, die die kurze spiellose Zeit dazu nutzen müssen, ihre Klienten ins Gespräch zu bringen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.

Ein Spieler, der zumindest bei den Fans des 1. FC Nürnberg niemals in Vergessenheit geraten dürfte, ist Javier Pinola. Der Argentinier war in der Saison 2004/2005 von Atletico Madrid an den Racing Club Buenos Aires ausgeliehen und wechselte zur neuen Saison 2005/2006 von dort an den Valznerweiher. In der heutigen Fußballwelt schier unglaubliche 10 Jahre ist das nun her und in dieser Zeit ist der einmalige argentinische Nationalspieler mit dem Club durch alle Höhen und Tiefen gegangen. 2007 wurde man gemeinsam Pokalsieger, ein Jahr später stand der Abstieg in Liga zwei fest. Javier Pinola blieb trotz guter Angebote anderer Erstligisten und nicht zuletzt aufgrund einer großen Unterschriftensammlung der FCN-Fans in Nürnberg und half mit, den direkten Wiederaufstieg – wenn auch knapp – zu verwirklichen.

Der Abstieg und die Folgen

Nachdem der 1. FC Nürnberg dann schon fast wieder als etabliert in der Bundesliga galt, folgte in der Vorsaison 2014 der erneute Abstieg. Erneut trat der Argentinier im Stile einer treuen Seele als einer der wenigen für den Abstieg verantwortlichen Spieler den Gang in die Zweitklassigkeit an. Während sich Söldner wie Hiroshi Kiyotake, Mike Frantz oder Timothy Chandler in Liga eins ihre Bezüge bei anderen Vereinen sicherten, sollte Pinola beim 1. FC Nürnberg zur Korsettstange für den angestrebten Wiederaufstieg werden. Was folgte, war die Bankrotterklärung eines Vorstandes. Selten klafften Zielvorgabe des Vorstandes und Qualität der Mannschaft derart weit auseinander wie beim FCN-Kader der Saison 2014/2015. Von Aufstieg war jedenfalls in Nürnberg weit und breit nicht die Rede – im Gegenteil: Man war fast die gesamte Saison nur damit beschäftigt, die Wogen wieder einigermaßen zu glätten.

Spätestens jedoch mit den Vorfällen rund um Javier Pinola und seinen Ersatzmann sollten sich Sportvorstand Martin Bader und seine Helfershelfer einmal gründlich mit der Frage nach einem Imageberater beschäftigen. Eine Posse ohne Gleichen und vor allem für Javier Pinola mit Sicherheit eine mehr als herbe Enttäuschung. Da spricht man beim 1. FC Nürnberg stets von der großen Tradition des langjährigen Rekordmeisters und scheut genau diese Tradition mit dem Hintern vom Hof.

Javier Pinola war zunächst eine Verlängerung seines Vertrages angeboten worden – allerdings zu weit eingeschränkten Konditionen. Die Spatzen pfeifen hier rund 40% Einbußen von den Dächern. Eine Summe, die man auch als Fußball-Profi nicht mal eben so wegsteckt. Also bat Javier Pinola den Verein um eine Bedenkzeit und man einigte sich gegenseitig auf einen bestimmten Tag, an dem der Argentinier der Vereinsspitze mitteilen würde, ob er das verminderte Angebot annehmen wolle oder nicht. Dieser bestimmte Tag war Freitag letzter Woche, der 05. Juni 2015. Als der Außenverteidiger an diesem Tag der Vereinsspitze mitteilen wollte, dass letztlich das Herz gesiegt hat und er sich bereit erkläre die Einbußen im Sinne der Sache 1. FC Nürnberg hinzunehmen, eröffneten ihm Martin Bader und seine Vorstandskollegen, dass sie inzwischen in Rumänien einen Ersatz gefunden haben. Einen Wandervogel, den es offensichtlich nie lange irgendwo hält – das komplette Gegenteil also zum treuen Javier, der gesagt bekam, dass es für ihn keinen neuen Vertrag geben würde.

Endgültig zur Posse wurde die Geschichte dann im Laufe dieser Woche: Der rumänische Neuzugang Laszlo Sepsi wollte nun offensichtlich doch nicht nach Nürnberg. In seiner Heimat wurde der Trainer ausgetauscht und so sah der Nationalspieler nun plötzlich doch eine Chance bei seinem alten Team. Von einem Vertrag wollte weder Sepsi noch der Vereinspräsident des abgebenden Verein ASA Targu Mures etwas wissen. Die Verwunderung stand den Clubfans ins Gesicht geschrieben, als Martin Bader dies bestätigte. Einen Vertrag gebe es nicht, jedoch hat der Spieler eine Absichtserklärung unterschrieben. Eine Absichtserklärung…??? Man schickt einen lang- und hochverdienten Clubspieler, der aus Solidarität mit dem Verein auf einen nicht unerheblichen Teil seines Einkommens verzichten würde, in die Walachei, um von genau dort einen anderen Spieler zu holen, der in diesem Sommer wahrscheinlich das erste Mal in seinem Leben überhaupt von einem 1. FC Nürnberg gehört hat? Die Frage sei erlaubt: Was bitte schön soll das denn? Hat Javier Pinola beim 1. FC Nürnberg wirklich so viel verdient, dass ein um 40% verringertes Gehalt noch immer höher ist als das eines rumänischen Nationalspielers? Oder konnte man den Rumänen in seinen Gehaltsforderungen in Sphären anderer rumänischer Gastarbeiter drücken?

Natürlich wird die Führungsspitze des 1. FC Nürnberg genaue Nachfragen stets mit dem Hinweis auf den sportlichen Erfolg beantworten und dass man sich eben von einem 29-Jährigen eben mehr verspreche als von einem 32-Jährigen. Dennoch kratzt man sich am Kopf und fragt sich: Was verspricht man sich beim 1. FC Nürnberg eigentlich von einem Spieler, der ja offensichtlich für nicht viel mehr als 1.000 Euro im Monat aufläuft?