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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 9. Spieltag
[Freitag, 03.10.2014] VfL Bochum – 1. FC Nürnberg 1:1 (1:0)

Der Patient lebt, mag auch auf dem Weg der Besserung sein, doch wann er wieder völlig gesund ist, kann man beim momentanen Stand der Dinge beim besten Willen noch nicht sagen. So oder so ähnlich würde ein Arzt die momentane Situation wahrscheinlich beschreiben. Zum ersten Mal in dieser Saison gibt es bei einem Clubspiel eine Punkteteilung. Das mag man als Rückschritt gegenüber dem Heimsieg gegen Kaiserslautern sehen, doch erstens hat der Club am Freitag auswärts in Bochum gespielt, zweitens scheint ein 1:1 das Standardergebnis im Ruhrstadion zu sein (es war das fünfte 1:1 für den VfL im fünften Heimspiel) und drittens muss man es auch mal so sehen, dass der Club im insgesamt zehnten Saisonspiel das erste Mal nach einem Rückstand am Ende nicht auch verloren hat.
Es war also am Freitag so etwas wie der Sieg des kleinen Mannes – den Rückschritt vermieden, den Fortschritt jedoch ebenfalls in Grenzen gehalten. Es wird also noch dauern, ehe die „Europapokal“-Gesänge wieder zu hören sind.
Beide Mannschaften waren am Feiertagsfreitag mit unterschiedlichen Vorzeichen in die Partie gegangen. Während der Club mit der Empfehlung von drei hart umkämpften Punkten gegen den FCK in das Spiel ging, hatte die Mannschaft von Peter Neururer eine 0:5-Schlappe in Heidenheim zu verarbeiten. So unterschiedlich die Vorzeichen jedoch waren, so ausgeglichen präsentierten sich beide Teams von Beginn an auf dem grünen Rasen. Der FCN, der mit derselben Startformation begann wie gegen Kaiserslautern, stand hoch, ging aggressiv in die Zweikämpfe und ließ den Gastgeber nicht recht zur Entfaltung kommen. Yusuke Tasaka hatte in der 6. Minute zwar die erste Torchance des Spiels für den VfL Bochum, doch aus spitzem Winkel ging der Schuss des Japaners nur ans Außennetz.
In der 23. Minute musste FCN-Trainer Valerien Ismaël das erste Mal wechseln. Ondrej Celustka ging angeschlagen vom Feld, für ihn kam Jan Polak, der ins Mittelfeld rückte, während Robert Koch sich in die Verteidigung zurückfallen ließ. Mit der Umverteilung kam das Spiel des FCN etwas besser in Schwung. Zunächst tauchte Niclas Füllkrug nach feinem Doppelpass mit Jakub Sylvestr in der 31. Minute frei im Strafraum auf, zögerte beim Abschluss jedoch zu lang und dann war es Sylvestr selbst, der nach gefährlicher Hereingabe von Daniel Candeias in der 35. Minute völlig frei vor dem Bochumer Tor auftauchte, aus Rücklage jedoch über den Kasten zielte.
Als man sich dann gerade darauf eingestellt hatte torlos in die Kabinen zu gehen, war die Nürnberger Hintermannschaft mit den Gedanken offensichtlich schon genau dort in den Katakomben. Nach einem Freistoß von halbrechts flog die Hereingabe über den gesamten Nürnberger Strafraum und alle schauten zu – wie der Ball schließlich auf halblinker Position genau auf dem Schuh von Michael Gregoritsch landete. Der Österreicher hämmerte den Ball in der 44. Minute zum 1:0 in die Maschen. Hatte Club-Keeper Patrick Rakovsky seine Mannschafte nur drei Minuten zuvor noch vor einem Rückstand bewahrt als er gegen den allein auf ihn zustürmenden Danny Latza die Nerven behielt, schien der Youngster im Tor in dieser Situation nicht ganz chancelos – wenn man auch sagen muss, dass Gregoritsch den Ball wahrscheinlich nie zuvor und wahrscheinlich auch nie wieder so treffen wird, wie in dieser Situation.
Nach der Pause merkte man dann vor allem eins: Der Glubb will den Ausgleich. Und er bekam ihn auch. Allesandro Schöpf schickte Sylvestr in der 56. Minute steil und dieses Mal behielt der Slowake die Nerven und schob den Ball zum 1:1 ins rechte untere Toreck ein.
Nun waren es dann die Bochumer, die sich mit dem Unentschieden nicht zufrieden gaben und ihrerseits auf einen weiteren Treffer drängten. Valerien Ismaël machte den Laden jedoch dicht, wechselte in der 76. Minute Even Hovland für Sylvestr ein und hatte bei ein paar Chancen der Hausherren das Glück auf seiner Seite. Mehr als ein 1:1 scheinen die Bochumer im eigenen Stadion nicht zu können.
Dem Glubb darf man indes bescheinigen, dass die Qualität in Ansätzen mit den Teams auf dem vorderen Zweitliga-Mittelfeld mitzuhalten offensichtlich doch da ist. Das ist jetzt verklausuliert formuliert, aber mit voller Absicht. So richtig weiß man beim FCN Anfang Oktober 2014 nicht, wo man nun steht. Und das wird nun leider auch über die Länderspielpause so bleiben. Ein weiterer Schritt der Erkenntnis folgt dann am Freitag, den 17. Oktober um 20.30 Uhr, wenn irgendsoeine Limonaden-Truppe aus Leipzig in Nürnberg gastiert.