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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 8. Spieltag
[Montag, 29.09.2014] 1. FC Nürnberg – 1. FC Kaiserslautern 3:2 (2:0)

Nun also wieder alles gut beim Club? Durch ein hart umkämpftes und am Ende doch noch einmal knappes 3:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern haben sich sowohl Mannschaft als auch die Verantwortlichen zumindest wieder ein wenig Luft zum Durchatmen verschafft. Dies zeigte auch die Mitgliederversammlung am Dienstag, die zwar bis spät in die Nacht dauerte, am Ende jedoch einen faden Beigeschmack in Richtung „Viel Lärm um Nichts“ hinterließ.
Dennoch wird vor allem in sportlicher Hinsicht nun niemand so vermessen sein und behaupten, die Trendwende sei geschafft. Was der Dreier im Montagsspiel wert ist, wird sich erst in den kommenden Wochen nach den Spielen in Bochum und Darmstadt, sowie dazwischen zu Hause gegen Leipzig zeigen.
Bei allem Krach im Gebälk, der die Tage vor dem Spiel die Schlagzeilen der Sportpresse beherrschte, macht zunächst einmal vor allem die Körpersprache der Spieler Mut, dass die Kurve beim 1. FC Nürnberg in den nächsten Wochen und Monaten wieder nach oben zeigen könnte. Dies begann mit dem Kreis, in dem sich die Mannschaft vor dem Spiel selbst Mut machte und endete nicht zuletzt bei einem Alessandro Schöpf, der sich in dieser Saison nicht selten selbst im Weg gestanden hatte, gegen Kaiserslautern jedoch zeigte, dass er es im Ernstfall auch mit drei Gegenspielern aufnehmen kann.
Viel ist diskutiert worden in den letzten Tagen, jeder einzelne Clubfan hatte seine eigene Meinung und die Kritik an der sportlichen Führung wuchs von Tag zu Tag. Die Maßnahme Raphael Schäfer zum dritten Keeper zu degradieren und ihn aus dem Kader zu streichen, sorgte mit Sicherheit nicht für eine Beruhigung der Gemüter. Stand heute kann man jedoch sagen: Glückwunsch, Herr Ismaël, alles richtig gemacht. Zumal aus – wie es so schön heißt – für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen im Vorfeld des Spiels zu erfahren war, dass die Demission Schäfers längst überfällig gewesen sei. Der Keeper habe seine Absetzung als Kapitän nie verwunden, habe Dienst nur noch nach Vorschrift abgeliefert und seine Rolle als Korsettstange des verjüngten Kaders zu keiner Zeit angenommen. So sehr der Rausschmiss vor dem Montagsspiel auch irritierte und so sehr Raphael Schäfer auch als Bauernopfer erscheinen mochte, fragte man bei Leuten nach, die nah an der Mannschaft sind, war die Antwort stets, dass der Keeper nach seiner Verletzung erst gar nicht hätte ins Team zurückkehren dürfen. Insofern muss man vielleicht dann auch sagen: Glückwunsch, Herr Ismael, alles richtig gemacht – nur leider viel zu spät.
Bleibt also zu hoffen, dass auch ein Martin Bader aus den Fehlern lernt, die er auf der Jahreshauptversammlung zugegeben hat. Auf die Jugend bauen ist schön und gut und hat beim 1. FC Nürnberg schon des Öfteren gut funktioniert. Martin Bader muss nun beweisen, dass er auch langfristig Kapital aus der Ausbildung junger Spieler schlagen kann und er in nicht allzu ferner Zukunft einen Weg findet, talentierte Fußballer an den 1. FC Nürnberg zu binden. Die Argumente dazu hat er längst auf seiner Seite, zeigt die Vergangenheit doch, dass Spieler, die beim Club groß aufgetrumpft haben, bei ihren neuen Vereinen nicht selten auf der Band gelandet sind und heute bei Vereinen spielen, mit denen sich der FCN noch vor zwei Jahren auf Augenhöhe sah. Philipp Wollscheid beim FSV Mainz 05 und Julian Schieber bei der Hertha sind da nur zwei von vielen Beispielen.
Die Aufforderung an den Sportvorstand muss also bleiben, den 1. FC Nürnberg so schnell wie möglich wieder ins Fußball-Oberhaus zu führen und den Anschluss, den man in den beiden letzten Jahren verloren hat, wieder herzustellen. Dies geht natürlich nur, wenn sich das Spiel gegen Kaiserslautern nicht als Strohfeuer entpuppt und auf den Sieg nun wieder drei sang- und klanglose Niederlagen folgen. Zeit zum Durchatmen hat der Dreier gegen Kaiserslautern gebracht – nicht mehr und nicht weniger. Jetzt heißt es langen Atem zu beweisen – langen und vor allem erfolgreichen Atem.
Die Turbulenzen der letzten Wochen scheinen Martin Bader und alle anderen Verantwortlichen zunächst überstanden zu haben. Das der zeitliche Abstand der Einschläge verkürzt sich mit ihrer Häufigkeit und wenn am Ende dann doch noch das Ende der Ära Bader steht, könnte man beim Club dann irgendwann mit der Erkenntnis aufwachen: Glückwunsch, alles richtig gemacht – nur leider viel spät.
Ach ja, und Fußball gespielt wurde am Montag ja auch noch. Das erste kollektive Aufatmen unter den Clubfans erfolgte nach zehn Minuten, als es noch immer 0:0 stand. In einem Jubelschrei entlud sich dieses Aufatmen schließlich nach 24 Minuten. Daniel Candeias hatte nach mustergültiger Vorarbeit von Alessandro Schöpf zum 1:0 getroffen. Danach übte sich der Club zunächst in recht verhaltenem Fußballspiel, legte aber rechtzeitig vor dem Seitenwechsel noch einmal nach. Schöpf traf in der 41. Minute zum 2:0 – und legte kurz nach der Pause in der 51. Minute sogar noch zum 3:0 nach. Als Kaiserslautern durch Tore von Alexander Ring in der 62. Minute und Chris Löwe in der 71. Minute noch auf 2:3 herankam, begann im Max-Morlock-Stadion das große Zittern. Doch vielleicht ist es ja gerade die Tatsache, dass der Club an diesem Abend trotz weicher Knie den knappen Vorsprung über die Zeit rettete, der Anlass zur Hoffnung gibt, dass die Kurve in den nächsten Wochen wieder nach oben zeigt.