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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 21. Spieltag
[Sonntag, 16.02.2014] FC Augsburg – 1.FC Nürnberg 0:1 (0:0)

Der Club setzte am Sonntag in Augsburg seine durch das Bayernspiel kurz unterbrochene Siegesserie fort und besiegte den gastgebenden FC Augsburg durch ein Tor von Josip Drmic in der 65. Minute mit 1:0. In einem von Taktik geprägten, kämpferischen Spiel gelang der Mannschaft von Trainer Gertjan Verbeek damit der dritte Sieg im vierten Rückrundenspiel.
In der Tabelle springt der 1. FC Nürnberg auf den 14. Tabellenplatz und hat mit nunmehr 20 Punkten zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und vier Punkte Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz 17, den zur Zeit der Hamburger SV belegt.
So viel zu den nüchternen Fakten des Sonntagsspiels, doch wenn der Club spielt, geht es natürlich auch um viel mehr als nur um eine trockene Bestandsaufnahme. Lässt man das Spiel in Augsburg noch einmal vor seinem inneren Auge ablaufen, drängt sich fast zwangsläufig der Eindruck auf, der Club habe das Spiel im Stil einer Spitzenmannschaft absolviert. Die Männer in rot-schwarz traten keineswegs überragend auf, sondern prägten das Spiel viel mehr durch eine bisher selten gesehene Effizienz – vor allem, was das Ergebnis angeht. Denn dem Club bot sich in einer teilweise zerfahrenen Partie im bayerischen Schwabenland genau eine glasklare Torchance – und die wurde genutzt. Adam Hlousek flankte in der 65. Minute von der linken Seite punktgenau auf den Kopf von Knipser Josip Drmic, der den Ball unhaltbar für FCA-Keeper Alexander Manninger im langen Eck unterbrachte.
Zuvor hatten sich der FCN, der verletzungsbedingt auf fünf Stammkräfte hatte verzichten müssen, und der FC Augsburg mehr oder weniger auf Augenhöhe neutralisiert. Die zuletzt acht Mal ungeschlagenen Gastgeber hatten sich genau wie der Gast aus dem Frankenland zunächst auf eine Sicherung des eigenen Tores konzentriert und so waren Torraumszenen in den ersten 45 Minuten absolute Mangelware. Allein in einer kurzen Drangperiode vor der Halbzeit hatte Raphael Schäfer zwei Mal sein Können zeigen müssen. Zunächst parierte er in der 41. Minute einen Fernschuss von Arkadiusz Milik, nur eine Minute später tauchte er nach einem Freistoß von Tobias Werner rechtzeitig ab.
Nach dem Seitenwechsel übernahm der Club mehr und mehr die Kontrolle auf dem Spielfeld und belohnte sich wie oben beschrieben in der 65. Minute für seine Geduld im Angriffsspiel. Erst nach dem Rückstand wurde der FC Augsburg wieder aktiv – jedoch zu spät. Die Nürnberger Hintermannschaft hatte zwar noch den ein oder anderen Schreckmoment zu überstehen, stand im Großen und Ganzen jedoch sicher. In der 79. Minute half dann noch das Glück des Tüchtigen, als André Hahn mitten im Nürnberger Strafraum frei zum Schuss kam, den Ball aber über das Clubtor hämmerte. In der 90. Minute war dann noch einmal Schäfer zur Stelle und entschärfte einen Freistoß des eingewechselten Erik Thommy, der am Sonntag sein Bundesligadebüt feierte.
FCN-Trainer Verbeek hatte nach dem Spiel kritisch anzumerken, dass seine Mannschaft nach der Führung nicht genug Fußball gespielt habe. Damit hat er mit Sicherheit genauso recht, wie mit der Feststellung, dass seine Männer „gekämpft haben wie noch nie.“ Und wäre in der Hinrunde der Ausgleich mit Sicherheit noch gefallen, so sind es eben diese Spiele wie in Augsburg, die den Unterschied zwischen Hin- und Rückrunde ausmachen.
Der 1.FC Nürnberg scheint die Kurve in der Winterpause gekriegt zu haben. Auch das Debüt des Winterneuzugangs José Campana macht Mut – wenn der Spanier die Bindung zur Mannschaft findet, kann er zu einer echten Verstärkung im Mittelfeld werden.
Was jedoch mindestens ebenso wichtig wie die Erkenntnis ist, dass man in Nürnberg das Fußballspielen nicht verlernt hat, ist die Euphoriebremse, auf die die Verantwortlichen weiter treten. Der Club hat den Anfang eines langen Weges erfolgreich bestritten. Das Ende des Weges ist jedoch noch lange nicht erreicht und gerade das Beispiel des Hamburger SV zeigt, wie schnell es nach einem Zwischenhoch auch wieder auf den Boden der Tatsachen gehen kann. Aus heutiger Sicht fast völlig unverständlich, wie der FCN Anfang Oktober gegen diesen Hamburger SV mit 0:5 untergehen konnte. Damals jedoch schwamm der HSV nach einem Trainerwechsel auf so etwas wie einer kurzzeitigen Erfolgswelle. Wie schnell ein solcher Euphoriepeak vorbei sein kann, zeigt das aktuelle Bild, das der Dino der Liga abgibt.
Und genau dieses Bild zeigt auch, wie wichtig der Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft ist. Beginnt man bei vorrübergehender Erfolgslosigkeit mit der Selbstzerfleischung, wird es für die Spieler immer schwieriger. Die Mannschaft von Gertjan Verbeek ist momentan dabei, den Vertrauensvorschuss der Fans Spiel für Spiel abzubezahlen. Dazu gehört auch, dass am kommenden Wochenende gegen Eintracht Braunschweig nachgelegt wird. Die Spieler wissen, dass sie sich mit drei Punkten gegen das Tabelleschlusslicht selbst ein wenig Luft verschaffen können.
Mit dabei ist dann hoffentlich auch wieder Timo Gebhardt, der in Augsburg die Höchststrafe als Spieler über sich ergehen lassen musste. Nachdem er erst in der 55. Minute für Robert Mak eingewechselt wurde, war das Spiel für ihn in der 81. Minute bereits wieder beendet. Gertjan Verbeek zeigte nach dem Spiel, dass er ein Freund klarer Worte ist und begründete die Auswechselung des Mittelfeldmannes damit, dass dieser sich nicht an taktische Vorgaben gehalten habe und dadurch den Erfolg der Mannschaft in Gefahr gebracht habe. Allerdings zeigte sich der Coach auch gesprächsbereit und suchte eine Teilschuld auch bei sich. „Ich habe ihm nicht deutlich gemacht, was ich auf dieser Position von ihm erwartet habe. Wir werden uns darüber noch unterhalten.“
Und auch Timo Gebhardt zeigte sich nach dem Spiel durchaus einsichtig. Über facebook schrieb er schon kurz nach dem Spiel: „Drei Punkte – alles andere ist jetzt egal…“
Zwar ist der Eintrag inzwischen schon wieder gelöscht und mag vielleicht auch ein wenig übertrieben wirken, denn wenn es Missverständnisse gibt, sollte man diese auch ausräumen. Offensichtlich sind sich Verbeek und Gebhardt jedoch zumindest in einem Punkt einig und das macht Mut: Der Erfolg der Mannschaft geht über jede persönliche Befindlichkeit.