Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 16. Spieltag
[Samstag, 15.12.2013] Hannover 96 – 1.FC Nürnberg 3:3 (0:3)

So langsam sollte man dann vielleicht doch einmal in den Geschichtsbüchern des 1.FC Nürnberg blättern und danach suchen, was der Club angestellt haben könnte, dass ihn die Rache der Fußballgötter mit einer solchen Brutalität trifft. Hat DER DISORDER letzte Woche noch geschrieben, dass so langsam alle Floskeln genannt sind, alle Durchhalteparolen aufgebraucht und dass es so langsam sogar etwas langweilig wird, wenn der Club am Ende wieder mit einem Unentschieden da steht, so muss ihn irgendeine höhere Macht gehört und sich gedacht haben: Ok, dem Kerl zeig‘ ich’s! Wenn ihm langweilig ist, soll er lernen, was es heißt, wenn es nicht langweilig ist und am Ende trotzdem nur ein Unentschieden rauskommt. Raphael Schäfer brachte es nach dem Spiel in Hannover auf den Punkt: „Wie viel Toren müssen wir eigentlich noch schießen, damit wir endlich mal gewinnen dürfen?“
Nun, die Antwort auf diese Frage ist relativ einfach: Es würde schon ein Tor reichen, wenn die Bude hinten endlich mal dicht wäre. Dass es am Ende in der HDI-Arena wieder nur zur Punkteteilung kam, dafür konnten die Spieler des 1. FC Nürnberg jedoch selten so wenig wie an diesem Samstag. Es benötigte schon die tatkräftige Mithilfe von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer und seinen Assistenten, um die Gastgeber kurz vor Ende des Spiels wieder in selbiges zurück zu bringen. Eine klare Abseitsposition des Torschützen wurde nicht von den Unparteiischen nicht erkannt und führte so zum Anschlusstreffer durch Mame Biram Diouf in der 87. Minute.
Man mag nun argumentieren, dass der Club ja nach dem Treffer noch immer geführt hat und wer gewinnen will, muss auch eine solche knappe Führung dann einmal über die verbleibenden Minuten rechnen. Alles schön und gut und vielleicht sogar richtig. Dennoch sollten sich die Kritiker mal in die Lage der Mannschaft versetzen. Da lieferst Du eine blitzsaubere erste Halbzeit ab, gehst deutlich in Führung und kannst Dir im Grunde nach den verpufften Angriffsbemühungen der Gastgeber in Halbzeit zwei, einen ruhigen Restnachmittag machen. Und wahrscheinlich hätte der Anschlusstreffer bei normalem Saisonverlauf auch in der Tat nichts weiter als ein Achselzucken bei den Clubspielern bewirkt. Versetzt man sich jedoch einfach mal in die Lage der Spieler und Verantwortlichen und fängt vielleicht bei der eigenen Gefühlslage nach dem 2:3 mal an. Es ist doch nur menschlich, dass die Knie anfangen zu zittern, wenn man den ersten, so sehr herbei gesehnten Saisonsieg so nah vor Augen hat und dieser durch die kollektive Blindheit des Schiedsrichtergespanns wieder gefährdet wird. Jeder Bundesligaspieler findet sich nach so kapitalen Schnitzern im eigenen Spiel am nächsten Wochenende auf der Bank wieder – Schiedsrichter Kinnhöfer wird weiter munter in der Bundesliga pfeifen.
Letztlich gehören immer mindestens 25 Leute zu einem gelungenen Fußballspiel dazu. 22 Spieler und drei Schiedsrichter tun ihr Bestes und doch ist am Ende niemand vor Fehlern sicher. Gäbe es diese Fehler nicht, ein jedes Fußballspiel würde 0:0 enden und kein Mensch würde sich ein solches fehlerfreies Fußballspiel im Stadion ansehen wollen. Am Samstag zwischen Hannover und Nürnberg hat es jede Menge Fehler gegeben… zunächst eine schläfrige Abwehr der Hausherren, die in der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit gleich drei Gegentreffer zuließ und Adam Hlousek in der 30. Minute, Josip Drmic in der 38. Minute und Per Nilsson in der 41. Minute jubeln ließ. Auf der anderen Seite natürlich die Nürnberger Hintermannschaft, die zunächst in der 60. Minute schlief und Leonardo Bittencourt den Treffer zum 1:3 ermöglichte und schließlich eben in der 87. und 92. Minute auch noch Gegentreffer zwei und drei durch Diouf hinnehmen musste. Schade – und auch nicht unbedingt notwendig, wenn sich zu den vielen Fehlern der beiden Mannschaften, auch noch die Fehler der Unparteiischen gesellen. Lieber Herr Kinnhöfer, das Spiel wäre auch ohne Ihr entscheidendes Eingreifen bzw. Nicht-Eingreifen durchaus interessant geworden.
Und ja, auch die Nürnberger Stürmer sind nicht unbedingt unschuldig. Mit ein wenig mehr Treffsicherheit wäre in der 59. Minute durch Daniel Ginszek das 4:1 gefallen. Doch der Schuss klatschte ans Aluminium – ein Geräusch, dass die Clubfans in dieser Saison nur allzu gut kennen. Doch leider sind wir damit schon wieder beim Hätte-Wäre-Wenn – das berühmte, für das man sich am Ende nichts kaufen kann. Es hilft nichts – und daran hat sich in den letzten Wochen nichts geändert – der erste Sieg muss her! Möglichst schnell! Und möglichst so, dass in der Woche darauf gleich der nächste Sieg folgt. Will man dort unten aus der Tabelle raus, müssen Dreier her. Nur mit Unentschieden hält man die Klasse nicht. Und da das im Grunde jedes Fußball spielende Kind schon weiß, ist auch nach diesem aufregenden Spiel in Hannover im Grunde alles gesagt. Zehn Punkte auf der Habenseite mag nach vier Spieltagen durchaus ansehnlich sein – nach 16 Spieltagen ist diese Ausbeute eine Katastrophe.