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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 13. Spieltag
[Samstag, 23.11.2013] 1.FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 1:1 (0:1)

Dicht dran oder doch deutlich daneben? Das Spiel des Clubs gegen Dieter H. und seinen VfL Wolfsburg ist in etwa ein Spiegelbild der bisherigen Saison 2013/2014: Am Ende weiß man beim 1. FC Nürnberg nicht so recht, woran man ist. Soll man sich nun über einen Punkt gegen einen ganz gewiss nicht schwachen Gegner aus der Autostadt freuen oder überwiegt am Ende dann doch die Enttäuschung, dass es auch am 13. Spieltag nicht zum ersten Saisonsieg gereicht hat?
Betrachtet man das Spiel als solches, muss man konstatieren, dass ein anderer Ausgang als eine Punkteteilung durchaus in beide Richtungen möglich gewesen wäre. Sowohl der Club als auch der Gast mit seinen 256(!) mitgereisten Fans hatten mehr als eine gute Möglichkeit, das Spiel zu den eigenen Gunsten zu entscheiden. War Wolfsburg über weite Strecken feldüberlegen und ließ beste Chancen fahrlässig ungenutzt, hätte der Club das Spiel am Ende mit ein wenig mehr Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor noch für sich entscheiden und somit den so heiß ersehnten ersten Saisonsieg einfahren können. Doch allein die vielen Konjunktive über den Ausgang dieses Spiels zeigen das Dilemma, das den 1. FC Nürnberg mit größter Wahrscheinlichkeit bis ans Ende dieser Saison verfolgen wird: Das Dilemma des Ergebnissports.
Als geneigter Fan des neunmaligen deutschen Meisters kann man trotz suboptimalem, bisherigen Saisonverlauf aus vielen kleinen Details auch weiterhin Hoffnung schöpfen: Nachdem man zwei Mal gut gespielt und am Ende doch als Verlierer vom Platz gegangen war, zeigte sich am Samstag gegen Wolfsburg, dass man auch bei schlechtem Spiel durchaus in der Lage ist, am Ende zumindest noch den Sieg des kleinen Mannes rauszuholen. Zudem haben wir einen Trainer, dessen Handschrift man bereits nach wenigen Wochen sehen kann – die nur leider der ein oder andere Spieler nach der kurzen Zeit noch nicht vollständig entziffern kann. Und schaut man auf die Tabelle und lässt jetzt einfach mal die Tatsache der Sieglosigkeit beiseite, dann sind auch drei Punkte Rückstand zum rettenden Ufer nach einem guten Drittel der Saison noch längst kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Sieht man noch dazu, wie sehr Fans und Mannschaft momentan darum bemüht sind, zusammenzurücken und demonstrativ eine Einheit zu präsentieren, man möchte fast zu dem Schluss kommen: Ach, das ist momentan eine Ergebniskrise und sobald der Knoten des ersten Sieges geplatzt ist, wird der Ball schon in Richtung richtiges Tor laufen.
Bei aller Hoffnung, die man als Clubfan nur zu gerne aus jedem noch so kleinen Rinnsal schöpft: Auf der anderen Seite bleibt die traurige Erkenntnis, dass Hoffnung allein noch nie die Klasse gehalten hat. Es bleibt also auch nach dem Auftritt gegen Wolfsburg wieder nur das Warten auf das kommende Wochenende, das weitere Warten auf den Befreiungsschlag – auch, wenn es sicherlich leichtere Aufgaben gibt, als ein Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen. Will man als 1. FC Nürnberg in der Liga bleiben, muss es ab sofort jedoch egal sein, wer da als Gegner auf dem Platz steht – am Ende müssen Punkte auf der Habenseite stehen und man braucht noch nicht mal ein allzu ausgeprägtes Langzeitgedächtnis um zu wissen, dass auch in der Pillenstadt durchaus was gehen kann. Schließlich ist es noch nicht einmal zwei Jahre her, dass der Club die Hinrunde der Saison 2011/2012 mit einem 3:0-Auswärtssieg bei Bayer beendete und dadurch eine ebenfalls eher durchwachsende Halbserie noch halbwegs versöhnlich abschloss.
Um in Leverkusen jedoch bestehen zu können, muss man beim Club vor allem eins verhindern: Fernschüsse! War es gegen Freiburg Vladimir Darida und in Mönchengladbach Juan Arango, so sorgte dieses Mal Maximilian Arnold in der 39. Minute für lange Gesichter und einen kurzen Wutausbruch bei Rafael Schäfer. Mit seinem Flatterball aus der zweiten Reihe ließ der Wolfsburger Youngster den Routinier im Nürnberger Tor mal richtig alt aussehen und so langsam dürfte sich doch auch im Nürnberger Mittelfeld rumgesprochen haben, dass es in der Bundesliga in jeder Mannschaft mindestens einen Spieler gibt, der auch aus der zweiten Reihe das Gehäuse trifft, wenn man ihm nur genug Zeit zu zielen gibt.
Der Schuss zum 1:0 war indes nicht die einzige Chance der Wolfsburger im ersten Durchgang. Nach durchaus ansehnlicher Anfangsphase der Nürnberger übernahmen die Gäste mehr und mehr die Kontrolle auf dem grünen Rasen und rauften sich bereits nach 14 Minuten die Haare, als Ivica Olic aus kürzester Distanz mit seinem Kopfball am Fuß von Rafael Schäfer scheiterte. Tief durchatmen hieß es beim Club auch, als Olic in der 27. Minute den Ball nur knapp am langen Eck vorbeisetzte, nachdem sich Emanuel Pogatetz und sein Keeper nicht einig waren, wie sie den Angriff des Kroaten unterbinden sollten. Dem gegenüber stand beim Club lediglich eine gute Chance durch Josip Drmic aus der achten Minute, als der Schweizer seinen Landsmann im Wolfsburger Tor zu einer Glanztat zwang.
Auch in der zweiten Halbzeit waren die Gäste einem Treffer oft näher als der Club. Luiz Gustavo schoss in der 51. Minute knapp vorbei, Diego scheiterte nur drei Minuten später an Schäfer. In der 62. Minute vergab Ivan Perisic und nach 66 Minuten war es erneut Diego, der den Ball am Tor vorbeizog. Einzig Drmic hielt auf der anderen Seite dagegen, verpasste aber in der 63. Minute den Ausgleich.
Anders als in Mönchengladbach bewies Club-Trainer Geertjan Verbeek an diesem Samstag jedoch ein weitaus glücklicheres Händchen mit seinen Spielerwechseln. In der 64. Minute schickte der Holländer Daniel Ginczek für Hiroshi Kiyotake auf den Platz und der Neuzugang bewies eindrücklich, dass er auf dem besten Weg ist, die Form vor seiner Verletzungspause wieder zu erreichen. Der Ex-Paulianer startete in der 72. Minute an der Mittellinie einen Alleingang und war von insgesamt fünf Wolfsburgern nicht zu halten. Aus 13 Metern zog er schließlich aus zentraler Position ab und ließ Diego Benaglio keine Abwehrmöglichkeit. Die mangelnde Chancenauswertung hatte sich für das Team von Dieter H. gerächt und für die restliche Spielzeit war der Club nun in der Tat wieder näher am 2:1 als die Gäste mit den grün-weißen Trikots. Die größte Chance auf den ersten Dreier der Saison vergab der ebenfalls eingewechselte Robert Mak in der 86. Minute, als er aus kürzester Distanz am VfL-Keeper scheiterte. Zum Ende der Nachspielzeit hätte Marvin Plattenhardt dann noch zum großen Held werden können. Schiedsrichter Tobias Welz hatte in aussichtsreicher Position auf Freistoß für den Club entschieden, doch der Schuss von Plattenhardt landete in der 93. Minute direkt in den Armen von Diego Benaglio.
Am Ende hieß es dann also zum achten Mal in dieser Saison: Unentschieden. Nicht Fisch, nicht Fleisch und eben lange Zeit deutlich daneben und am Ende doch noch dicht dran am ersten Dreier der Saison. Was der Punkt letztlich wert ist, wird man wohl erst am Ende der Saison sehen – entweder nach 34 oder auch nach 36 Spielen.