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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 29. Spieltag
[Samstag, 13.04.2013] Bayern München – 1.FC Nürnberg 4:0 (3:0)

Es mag vielleicht ein wenig ungewöhnlich sein, doch DER DISORDER möchte seinen heutigen Wochenendrückblick mit einer Respektbekundung beginnen. Der Respekt gebührt einer fränkischen Sportbekleidungsfirma, deren Name an dieser Stelle nicht genannt werden soll, um gar nicht erst die Chance aufkommen zu lassen, sich mit evtl. aufkommenden Vorwürfe der Schleichwerbung auseinandersetzen zu müssen. Dem fränkischen Sportbekleidungshersteller gebührt tiefstem Respekt, weil er sein Handwerk inzwischen derart perfektioniert hat, dass sowohl Trikots als auch Hosen der zehn Nürnberger Feldspieler am Samstag Nachmittag in der Münchener Allzweckarena blütenweiß aussahen, obwohl doch schon wenige Sekunden nach Anpfiff des ungleichen Duells klar war, dass eben diese zehn Feldspieler die Hosen offensichtlich gestrichen voll hatten. Anders jedenfalls lässt sich der Auftritt der Mannschaft von Michael Wiesinger und Armin Reutershahn kaum erklären – auch, wenn der Beweis in Form einer braunen Verfärbung der blütenweißen Sporthosen aufgrund oben genanntem Perfektionismus des Sportbekleidungsherstellers fehlte.
Man kann es drehen und wenden wie man will: Der 1.FC Nürnberg hat im Spiel gegen eine bessere Münchener B-Elf schlichtweg nicht stattgefunden. Ganze vier Minuten hat es gedauert, da wussten auch die kühnsten Optimisten unter den Clubfans (zu denen sich der Autor dieser Zeilen durchaus auch zählte), dass an diesem Nachmittag in der unsäglichen Schlauchboot-Arena nichts zu holen sein wird. Eckball für die Gastgeber, Abwehr zu kurz, Jerome Boateng steht völlig frei am Elfmeterpunkt und hat weniger Mühe als in einem Trainingsspiel, den Ball per Drehschuss/Seitfallzieher zum 1:0 einzuschießen.
Das 2:0 folgte keine Viertelstunde später durch Mario Gomez. Der Mann, der sonst nur auf der Ersatzbank sitzen darf, war von Boateng steil geschickt worden und traf in der 17. Minute aus zentraler Position zielgenau ins linke Toreck. Endgültig gelutscht war der Drops dann in der 24. Minute, als Claudio Pizarro (ja, der alte Mann darf ab und zu auch noch spielen), Rafinha steil schickte. Der Ex-Schalker, der ebenfalls vor gefühlten Jahrzehnten das letzte Mal in der Startelf der Bauern stand, schloss völlig allein gelassen zum 3:0 ab.
Das mag nun alles sehr schlimm und nach großer Dominanz der Hausherren klingen – in Wirklichkeit war es jedoch noch viel schlimmer, vergaben die ChampionsLeague-Halbfinalisten zwischen den Toren doch noch mehrere hochkarätige Torchancen. Zum Glück für den Club hatten die aufgestellten Ersatzspieler offensichtlich jedoch keine Lust auf ein ähnlich hohes Ergebnis wie zwei Wochen zuvor gegen den Hamburger SV. Die Männer von Jupp Heynckes stellten nach dem 3:0 in den Schonwaschgang und hatten in den folgenden 60 Minuten keinerlei Mühe, den hilflosen Gegner in Schach zu halten.
Als Fan fragt man sich dann schon manchmal, was im Kopf eines Fußballprofis so vor sich geht. Da müsste man sich nach bisher mehr als passabler Rückrunde eigentlich mit breiter Brust auf die etwa 170 Kilometer lange Reise gen Süden machen und am Ende hat man den Eindruck, dass nicht einmal das ängstlichste Kaninchen der Welt so viel Schiss vor der Schlange hat, wie die zehn Clubspieler auf dem grünen Rasen vor dem frisch gebackenen deutschen Meister. Bewusst von zehn Clubspielern ist hier die Rede, da es letztlich allein Raphael Schäfer zu verdanken war, dass das Desaster in der Landeshauptstadt nicht zu einem Weltuntergang wurde. Der Mann zwischen den Pfosten wehrte ab, was abzuwehren war und konnte einem hinter einer Abwehr, die den Namen nicht verdiente, schon fast leid tun.
Chancen für den Club? Ach ja, da war ja noch was… Markus Feulner zog in der 44. Minute mal ab, vergaß jedoch, seinen Schuss zu platzieren, so dass Tom Starke keine Mühe hatte, den Ball zu parieren. Und dann war da noch die 47. Minute, als Mike Frantz im Strafraum von Rafinha gefoult wurde. Timmy Simons trat zum folgerichtigen Elfmeter an, doch irgendwie hatten sämtliche Aktionen der Clubspieler an diesem Samstag einen leichten Beigeschmack von Slapstick und so wunderte es kaum, dass Bauern-Keeper Starke zwar die Hände nicht an den Ball bekam, diesen jedoch im Fallen mit dem Kopf abwehren konnte.
Aus Chronistenpflicht sei an dieser Stelle noch das 4:0 in der 56. Minute erwähnt. Xherdan Shaquiri fand eine der vielen Lücken in der Nürnberger Hintermannschaft und schob aus kurzer Distanz ins rechte Toreck ein.
Am Ende war man sich als Clubfan dann nicht mehr ganz so sicher, ob man einfach nur sauer auf die eigene Mannschaft sein sollte, oder eher froh darum, dass es nach 90 Minuten „nur“ 4:0 für die Gegenseite stand.
Fest steht, dass die „Europapokal“-Gesänge nach der Klatsche in München deutlich leiser geworden sind – obwohl bei genauer Betrachtung der Tabelle nicht einmal Grund dafür bestünde. Unbestritten: Mit einer solchen Leistung wie am Samstag hat der Club in Europa nichts zu suchen – im Gegenteil: Mit derart vollen Hosen hätte man wahrscheinlich schon gegen den Meister aus Luxemburg oder Liechtenstein so seine Probleme. Dennoch sind es auch nach dem 29. Spieltag nur vier Punkte Rückstand auf Platz sechs. Frankfurt, Mönchengladbach, Mainz 05 und Hannover 96 – sie alle haben ihre Spiele an diesem Wochenende verloren und das gegen Gegner, die bei weitem nicht das Kaliber eines FC Bayern München haben. Hannover und Mönchengladbach haben ihre Spiele gegen die Münchener noch vor sich und somit zumindest bei normalem Verlauf der Dinge noch mindestens ein Wochenende, an dem sie keine Punkte verbuchen werden. Und ob Mainz am kommenden Samstag in Dortmund drei Punkte auf der Rechnung haben darf, sei an dieser Stelle einfach mal dahingestellt.
Die Chance auf Europa ist für den Club weiter gegeben – eine Niederlage in München ändert daran nichts. Alles andere als ein Sieg am kommenden Sonntag gegen die Westvorstadt allerdings schon…