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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 24. Spieltag
[Samstag, 02.03.2013] 1.FC Nürnberg – SC Freiburg 1:1 (1:0)

Manchmal ist es dann doch schon sehr seltsam: Da hat man vor einem Bundesligaspiel ein klares Ziel vor Augen, erreicht dieses Ziel am Ende sogar und ist nach 90 Minuten doch mit dem Erreichten nicht zufrieden. So geschehen am Samstag im Heimspiel gegen den SC Freiburg. Die Vorgabe war klar und deutlich: Die Serie der Heimniederlagen gegen den Angstgegner aus dem Breisgau musste beendet werden. Und sie wurde beendet – zum ersten Mal seit dem gemeinsamen Wiederaufstieg im Jahr 2009 steht der Club nach einem Heimspiel gegen den SC Freiburg nicht gänzlich ohne Punkte da.
Und dennoch: So richtig zufrieden konnte man am Samstag um 17.20 Uhr auf Seiten der Gastgeber auch nicht sein. Mit der Punktausbeute nicht – und schon gar nicht mit dem eigenen Spiel. Die Gäste aus Baden haben dem Club gezeigt, dass sie in ihrer Entwicklung seit dem Aufstieg im Moment ein paar Schritte voraus sind und so blieb auf Seiten des FCN allein der Trost, dass man die Serie von ungeschlagenen Heimspielen auf nunmehr neun Partien verbessern konnte. Und auch die Rückrundenbilanz liest sich zumindest auf der einen Seite bisher noch recht gut, musste man sich im Jahr 2013 doch bisher allein Borussia Dortmund geschlagen geben.
Wie alles im Leben, hat jedoch auch diese Bilanz ihre zwei Seiten und so gut es sich anhört, dass man im laufenden Kalenderjahr bisher erst ein Spiel verloren hat, so bedenklich ist es auf der anderen Seite, dass man eben im Jahr 2013 auch erst ein Spiel als Sieger beenden konnte. Gegen den SC Freiburg haben letztlich zwar nur sieben Minuten zum Sieg gefehlt, doch der Frust über den vergebenen Heimsieg ergab sich nicht so sehr aus der Tatsache, dass man spät im Spiel noch den Ausgleich kassiert hat, sondern eher daher, dass man im Grunde überrascht darüber sein musste, dass der Freiburger Treffer nicht schon viel früher gefallen ist. Trotz Führung im Rücken war es der Mannschaft von Michael Wiesinger und Armin Reutershahn nie wirklich gelungen, das Spiel zu beruhigen und Ball und Gegner zu kontrollieren. Freiburg hatte in allen Belangen die bessere Mannschaft auf dem Platz – war spielfreudiger, bissiger in den Zweikämpfen, hatte mehr Ballbesitz und zu fast jedem Zeitpunkt des Spiels die besseren Torchancen.
Der Club indes benötigte die Hilfe des Schiedsrichters, um zu einem eigenen Treffer zu kommen. Felix Zwayer zeigte in der 32. Minute auf den Elfmeterpunkt, nachdem Cedric Makiadi das Spielgerät bei einem Abwehrversuch seines Mitspielers Jan Rosenthal im eigenen Strafraum an die Hand gesprungen war. Ein Elfmeter, der bei strenger Auslegung des Regelwerks gegeben werden kann und über den an dieser Stelle auch gar nicht groß weiter diskutiert werden soll. Spitzzüngig könnte man höchstens bemerken, dass sich ein Schiedsrichter eben entscheiden muss, bei wem er eher gewillt ist, den lauten Ruf der ständigen Benachteiligung durch die Unparteiischen verstummen zu lassen, wenn zwei chronisch benachteiligte Mannschaften aufeinander treffen. Herr Zwayer hat dies durchaus paritätisch gemacht, in dem er sich in der ersten Halbzeit eben für den Elfmeterpfiff entschied, in der zweiten Halbzeit dafür offensichtlich darum bemüht war, seine Entscheidung durch zweifelhafte Pfiffe für die Gäste wieder abzumildern.
An dieser Stelle also Schwamm drüber und aus Chronistenpflicht der Hinweis, dass Timmy Simons die Aufgabe des Elfmeterverwandelns in der 33. Minute souverän löste. Nach einer guten halben Stunde führte der Club also und die Frage an die Verantwortlichen muss nun heißen: Wieso ist es mit einer Führung im Rücken und acht nicht verlorenen Heimspielen in Folge nicht möglich, selbstbewusster aufzutreten und den Gegner im eigenen Stadion besser in den Griff zu kriegen? Ist Freiburg wirklich die Spitzenmannschaft, die der momentane Tabellenplatz aussagt? Und wenn ja: Warum gelingt es in Freiburg, innerhalb von vier Jahren eine Spitzenmannschaft aufzubauen und in Nürnberg nicht? An den Voraussetzungen bezüglich Umfeld, Stadion, Zuschauerzuspruch und Geld in der Kasse kann es kaum liegen…
Trotzdem war es vor allem dann in Durchgang zwei nur eine Mannschaft, die in Nürnberg Fußball spielte: Nämlich die der Gäste. Max Kruse verpasste den Ausgleich in der 52. und 54. Minute gleich doppelt nur knapp. Zunächst zielte der Mittelfeldmann bei einem Distanzschuss nur knapp über das Tor, dann erwischte er eine Direktabnahme in der Strafraummitte nicht richtig. In der 56. Minute zwang Jonathan Schmid Raphael Schäfer mit einem Freistoß auf den kurzen Pfosten zu einer Faustabwehr. Freiburger Chancen im Zwei-Minuten-Takt also, während sich auf der Gegenseite rein gar nichts tat. Im Gegenteil: Matthias Ginter (66. Minute) mit einer Direktabnahme und Rosenthal (78. Minute) völlig frei vor Schäfer, kündigten nach und nach an, was in der 83. Minute folgen sollte. Julian Schuster setzte sich am Strafraumrand durch und zielte in Richtung rechtes Toreck. Schäfer konnte parieren, war jedoch gegen den Abstauber von Schmid aus spitzem Winkel machtlos.
Die eingewechselten Sebastian Polter und Muhammed Ildiz hatten kurz vor Abpfiff dann zwar noch die besten Clubchancen des gesamten Spiels, letztlich blieb es jedoch bei der vierten Punkteteilung in Folge. Auch in diesem Sinne kann man nun also sagen: Serie ausgebaut. Je nach Betrachtungswinkel heißt dies nun: Seit fünf Spielen nicht verloren (den Sieg gegen Borussia Mönchengladbach mit eingerechnet) – oder eben seit vier Spielen nicht gewonnen. Und so gut das eine klingt, so Besorgnis erregend kann die Sieglos-Serie schnell werden. Verliert man nämlich am Freitag das Auswärtsspiel beim FC Augsburg sind von den noch vor nur zwei Wochen beruhigend wirkenden zehn Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz plötzlich nur noch vier übrig. Da hebe dann mal einer die Hand, der nicht behauptet, dass beim Club spätestens dann die Knie wieder anfangen zu schlottern.
Durch einen Sieg gegen Freiburg hätte man dieses Szenario verhindern können und blickt man auf die Tabelle ist es ja nicht allein der Club, der sich durch immer stärker aufspielende Augsburger inzwischen wieder gefährdet sieht. Dennoch bleibt es dabei: Während man im bayrischen Schwaben die Zeichen der Zeit erkannt hat und Fußball spielt, um zu gewinnen, scheint man beim FCN noch immer die Taktik zu verfolgen, ein Spiel in erster Linie nicht verlieren zu wollen. Doch da wären wir dann wieder am Anfang und den zwei Seiten: Acht Saisonniederlagen nach 24 Spieltagen ist aller Ehren wert – Eintracht Frankfurt steht mit der selben Anzahl auf Platz vier der Tabelle. Auf der anderen Seite haben aber eben alle anderen Mannschaften außer Augsburg, Hoffenheim und F**** mehr als die sechs Siege auf dem Konto, die beim Club momentan zu Buche stehen. Und ganz genau dort liegt das Problem: So schön es ist, nicht zu verlieren und so sehr man sich das ein oder andere Mal auch über den „Sieg des kleinen Mannes“ freuen kann – am Ende müssen echte Siege her, um die Klasse zu halten. Dann steigt auch die Zufriedenheit wieder.