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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 19. Spieltag
[Freitag, 25.01.2013] Bor. Dortmund – 1.FC Nürnberg 3:0 (2:0)

Es gibt so Tage, da fragt man sich allen Ernstes, warum man sich überhaupt für Fußball interessiert. Da kickt David gegen Goliath und trotzdem hat man nie das Gefühl, dass irgendeiner der 22 Akteure die biblische Erzählung kennt und sich auch nur einen Hauch darum kümmert, dass am Ende eigentlich David gewinnen müsste. Da steht auf der einen Seite eine Heimmannschaft, die Spieler in ihren Reihen hat, die allein mehr Transferwert erzielen würden, als das gesamte Auswärtsteam zusammen. Da kommt dann auch noch ein Schiedsrichter hinzu, der offenbar nur darauf wartet, dem Spiel die Richtung zu geben, die vorher ganz Fußball-Deutschland erwartet hat. Kurz und knapp gesagt: So wie am Freitag macht Fußball keinen Spaß – egal, ob man nun für die Borussia hält oder das Herz für den Club schlägt.
Selbst das berühmte „Hätte, wäre, wenn“ mal außen vor gelassen, soll es auch zwei Tage nach dem Spiel nicht wenige Leute geben, die sich fragen, was Schiedsrichter Michael Weiner nach einer guten Viertelstunde gesehen hat, das ihn nach einem Zweikampf von Timo Gebhart und Lukasz Piszczek im Nürnberger Strafraum hat auf den Elfmeterpunkt deuten lassen. Ein Zweikampf, wie er in jedem Spiel zigfach vorkommt! Der darauf folgende Pfiff jedenfalls hat dem Spiel schließlich eine Richtung gegeben, die vorher zwar zu befürchten, jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht unbedingt absehbar war.
Der Reihe nach bedeutet dies, dass die Anfangsformation beim Club von Michael Wiesinger zunächst auf drei Positionen umgestellt worden war. Hiroshi Kiyotake, Markus Feulner und Per Nilsson durften wieder von Beginn an ran, während Alexander Esswein, Robert Mak und Almog Cohen zunächst auf der Bank Platz nahmen. Dort mussten sie dann mit ansehen, wie die Borussia von Anfang an Druck machte, während die eigenen Mitspieler von Beginn an nur darum bemüht waren, ihre Ordnung in der Defensive zu finden. Sebastian Kehl köpfte in der vierten Minute nur knapp am Nürnberger Tor vorbei, Robert Lewandowski verfehlte selbiges nur eine Minute später mit einem Schuss knapp. Frei stehend hatte Lewandowski in der 13. Minute noch einmal die Gelegenheit, doch den Kopfball des Polen konnte Raphael Schäfer ohne Problem fangen.
Die bis dahin größte Chance des Spiels hatte dann jedoch unverhofft der Club. Markus Feulner flankte in der 15. Minute einfach mal aus dem Halbfeld und fand in der Mitte den völlig frei stehenden Tomas Pekhart. Warum der Tscheche seinen Kopfball aus wenigen Metern genau auf BVB-Keeper Roman Weidenfeller zielte, wird sein Geheimnis bleiben. Im Nachschuss hatte Feulner noch einmal die Chance, scheiterte mit seinem fulminanten Kracher jedoch ebenfalls knapp. Da hilft es dann auch wenig, wenn Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach dem Spiel sagt: „Normal muss Nürnberg in Führung gehen, das muss man zugeben.“
Denn im Gegenzug dann die vielleicht nicht Spiel entscheidende, jedoch Spiel vorentscheidende Situation: Zweikampf Gebhart / Piszczek, plötzlich der Pfiff von Herrn Weiner und Jakub Blaszczykowski verwandelt den geschenkten Elfmeter in der 18. Minute zum 1:0. Der Club trauerte also nicht nur der vergebenen Großchance hinterher, sondern haderte auch mal wieder mit dem Gerechtigkeitssinn des Fußballgottes als Mario Götze auf der rechten Angriffsseite den immer langsamer werdenden Antritt von Javier Pinola ausnutze, den Ball in der 21. Minute trocken, scharf und flach nach innen gab, wo Blaszczykowski freistehend – und mindestens genauso trocken – zum zweiten Mal innerhalb von drei Minuten traf. Ein Treffer, der ohne Zweifel nicht gefallen wäre, hätte es nicht kurz zuvor den Rückstand für den Club gegeben. So aber stand es nach etwas mehr als 20 Minuten 2:0 und man darf spekulieren, dass Herr Weiner zufrieden gewesen sein wird, hatte er doch mit dem Rest des nun vorentschiedenen Spiel nur noch wenig Mühe. Die Gastgeber schalteten ein paar Gänge zurück und hatten trotzdem nie wirklich Mühe, eine Club-Mannschaft zu beherrschen, die nie auch nur den Hauch eines Zugriffs auf das Spiel bekam.
Irgendwann war dann jedenfalls Halbzeit – ohne dass noch viel passiert wäre…. und irgendwann war dann eben auch Schluss. Die Hausherren hatten in der zweiten Halbzeit noch einige gute Tormöglichkeiten liegen lassen und wohl offensichtlich Mitleid mit dem Torverhältnis der Franken. Um so ärgerlicher, dass Lewandowski den Ball in der 89. Minute dann doch noch einmal derart ideal traf, dass die Lederkugel gar nicht anders konnte, als zum dritten Mal im Netz des FCN zu zappeln.
Ein Sieg für die Borussia, der sicherlich auch in der Höhe in Ordnung ging. Ein Sieg jedoch auch, der letztlich erst so entstehen konnte, weil mal wieder ein Schiedsrichter Knoten lösend ins Spiel eingegriffen hat. Ein Sieg aber auch, der zustande kam, weil der Club an diesem Freitagabend keine Mittel fand, die heimische Borussia auch nur ansatzweise in Gefahr zu bringen. Ein Spiel also, dass früh entschieden war und danach unspannend daher kam, wie es unspannender kaum geht. Ein Spiel, das zeigte, warum es auf die Frage, warum man sich überhaupt für Fußball interessiert, nur eine Antwort geben kann: Weil all das, was an diesem Freitagabend für großen Frust unter den Clubfans gesorgt hat, nächstes Wochenende im Spiel gegen die andere Borussia aus Mönchengladbach schon wieder ganz anders aussehen kann.