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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 2. Spieltag
[Samstag, 01.09.2012] 1.FC Nürnberg – Bor. Dortmund 1:1 (1:1)

Der 1. FC Nürnberg darf sich auch nach zwei Spieltagen der neuen Saison zur besseren Hälfte der Fußball-Bundesliga zählen. Nach nunmehr 180 absolvierten Spielminuten gehört der Club nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund zu den acht Mannschaften, die sich in der Bundesliga noch als ungeschlagen betiteln dürfen. In einer zunächst zähflüssigen, später dann doch zeitweise hochklassigen Partie konnte die Mannschaft von Dieter Hecking dem amtierenden deutschen Meister erfolgreich Paroli bieten und durfte am Ende verdientermaßen einen Punkt im Frankenland behalten.
Dementsprechend zufrieden zeigte sich der Clubtrainer nach dem Spiel dann auch: „Wir wollten die Dortmunder nerven – und wir haben sie genervt.“ Wie sehr die Dortmunder genervt waren, zeigte sich vor allem in der Reaktion von BVB-Trainer Jürgen Klopp, der in einem Interview direkt nach dem Spiel bewies, wie wenig er gönnen kann. Statt dem Gegner zu einer mehr als ordentlichen Leistung zu gratulieren, grantelte der übermotiviert wirkende Übungsleiter gegen den Schiedsrichter und sah in ihm den Hauptschuldigen für den Dortmunder Punktverlust. Zugegeben, Schiedsrichter Tobias Welz hatte nicht gerade einen Sahnetag erwischt und pfiff zum Teil recht kleinlich und ohne erkennbare Linie; der Grund für das Unentschieden war jedoch in erster Linie ein taktischer Clou seines Gegenübers Dieter Hecking. Dieser änderte nämlich seine Startelf nicht nur dahingehend, dass Robert Mak den durch eine Grippe geschwächten Mike Frantz ersetzte, sondern brachte auch Tomas Pekhart von Anfang an für Sebastian Polter. Den tschechischen Sturmtank stellte Hecking gegen Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels, so dass dieser nicht wie gewohnt am Dortmunder Aufbauspiel teilnehmen konnte. Ein nicht unwesentlicher Faktor, der den Dortmundern im Spiel nach vorne fehlte und so dauerte es bis zur 18. Minute, ehe die Gäste – bezeichnenderweise mit einen Fernschuss – durch Sebastian Kehl ein erstes Ausrufezeichen setzen konnten.
Der Club war zunächst auf die Sicherung der eigenen Defensive konzentriert und so guckten die Gäste nicht schlecht, als es bereits nach den ersten zaghaften Offensivbemühungen der Hausherren in der 31. Minute plötzlich 1:0 stand. Alexander Esswein hatte die erste Ecke für den FCN rausgeholt, Hiroshi Kiyotake schlug den Ball in hohem Bogen auf den langen Pfosten, wo sich Tomas Pekhart im Kopfballduell klar gegen Mats Hummels durchsetzen und den Ball zur Führung einnicken konnte.
Dortmund seinerseits brauchte etwa zehn Minuten, um sich vom Schock des Rückstandes zu erholen, schlug dann jedoch ebenfalls recht zielstrebig zu. Nach einer Flanke von Marcel Schmelzer kam FCN-Keeper Raphael Schäfer am kurzen Pfosten gegen Robert Lewandowski einen Tick zu spät. Ivan Perisic schaltete am schnellsten, setzte seinen Ball aus spitzem Winkel jedoch noch an die Latte. Von dort fiel das Spielgerät jedoch leider direkt vor die Füße von Jakub Blaszczykowski, der keine Mühe hatte, aus kurzer Distanz zum Ausgleich einzuschieben.
Nach der Pause sahen die 50.000 Zuschauer im ausverkauften Max-Morlock-Stadion dann eine Partie auf Augenhöhe – mit Höhepunkten auf beiden Seiten (was für Herrn Klopp an dieser Stelle noch einmal deutlich unterstrichen ist, hatte er doch in dem Interview nach dem Spiel behauptet, nur zwei Torchancen beim Club ausgemacht zu haben). Tomas Pekhart setzte in der 50. und 55. Minute erste Ausrufezeichen und sein slowakischer Mannschaftskamerad Robert Mak machte es ihm in der 61. und 62. Minute nach. Während der erste Schuss jedoch über das Tor strich, wurde Mak eine Minute später von Lukasz Piszczeck knapp vor der Strafraumgrenze derart hart angegangen, dass ein Freistoßpfiff von Schiedsrichter Welz hätte folgen müssen. Erinnern Sie sich, Herr Klopp? Der Pfiff blieb aus.
Dafür musste Javier Pinola nur eine Minute später für den geschlagenen Schäfer auf der eigenen Torlinie retten, als Mats Hummels nach einem Eckball der Dortmunder völlig frei zum Kopfball gekommen war. In der 75. Minute brannte es dann wieder in Richtung Dortmunder Tor, als Mak auf Kiyotake ablegte und der Japaner aus 16 Metern nur knapp verfehlte. In der 80. Minute probierte es der eingewechselte Julian Schieber auf ähnliche Weise, hätte das Tor auch getroffen, fand in Raphael Schäfer jedoch seinen Meister. Fünf Minuten vor Ende hätte dann Robert Mak fast für die Entscheidung zugunsten des Clubs gesorgt, als er sich zum wiederholten Male auf der rechten Angriffsseite durchsetzte und den Ball schließlich aus spitzem Winkel an den Pfosten des Dortmunder Gehäuses klatschen ließ. Nun, Herr Klopp, jetzt dürfen Sie dann das Chancenverhältnis in der zweiten Halbzeit noch einmal genau durchzählen.
Einigt man sich am Ende dann darauf, dass beide Teams an diesem Samstag durchaus auf Augenhöhe gespielt haben, bleibt eigentlich nur die Frage, welches der beiden Teams nicht auf gewohntem Niveau gespielt hat. Mit Sicherheit kann man sagen, dass die Zahnräder beim BVB noch längst nicht so ineinander greifen, wie sie es in der Rückrunde der Vorsaison getan haben. Dennoch bleibt auch festzuhalten, dass sich der FCN an diesem Samstag auf einem Niveau gezeigt hat, welches man noch vor zwei Wochen fast nicht für möglich gehalten hatte. Bleibt zu hoffen, dass es dieses Niveau vom Samstag ist, welches man als Clubfan in der gerade begonnenen Saison des Öfteren zu sehen bekommt. Dann nämlich ist auch bei Borussia Mönchengladbach am Wochenende nach der unsäglichen Länderspielpause durchaus Zählbares möglich und man müsste nicht mehr über die Saison 2004/2005 sprechen, als der Club das letzte Mal mit vier Punkten in die Saison gestartet ist, sondern man könnte von der Saison 2012/2013 sprechen, als der Club auch nach drei Spieltagen noch ungeschlagen war.