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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 33. Spieltag
[Samstag, 28.04.2012] TSG Hoffenheim – 1.FC Nürnberg 2:3 (1:2)

„Siehst Du, Dietmar, so wird das gemacht!“ – Lange genug hat es ja gedauert, doch am Ende setzt sich Tradition, Herzblut und Leidenschaft dann doch durch und verweist mutwillige Geldverschwendung auf die Plätze. Zwar hat der Club nun letztlich sieben Anläufe gebraucht, um dem Dorfverein aus dem Kraichgau zu zeigen, wo der Hammer hängt, doch ist der Auswärtssieg vom Samstag eben Teil einer Entwicklung, die zwar Zeit gebraucht hat, auf lange Sicht jedoch nicht aufzuhalten sein wird. Denn während man beim Club ruhig und bedächtig Schritt für Schritt seine Hausaufgaben macht und sowohl Mannschaft als auch Umfeld im Rahmen der Möglichkeiten nach und nach aufbaut, muss man in Hoffenheim mehr und mehr sehen, dass es eben nicht reicht, mal eben eine Arena auf die grüne Wiese zu stellen, so lange die Mannschaft aus zusammengekauften Söldnern besteht. So winkt der TSG nun bereits zum dritten Mal in Folge der elfte Rang im Endklassement und auch, wenn man natürlich ein einziges Fußballspiel nicht als Sinnbild für eine langjährige Entwicklung sehen kann, wird man beim Retortenmodell des Herrn Hopp früher oder später einsehen müssen, dass der Weg irgendwann zurück in die zweite Liga (und eventuell noch weiter nach unten) führen wird. Wer trotz hoher Finanzspritzen des Sponsors über Jahre in der Entwicklung stagniert, wird zum Glück eines Tages wieder von der Bildfläche Bundesliga-Fußball verschwinden. Geld ist eben nicht alles – wie man auch bei Red Bull Leipzig in der vierten Liga inzwischen erkennen muss, wo man den Aufstieg in die dritte Liga nun bereits zum zweiten Mal verpassen wird. Sportlicher Erfolg stellt sich eben nicht dadurch ein, dass man nur noch eine bestimmte Brause trinkt und lässt sich auch nicht wie Software einfach programmieren.
Gute Aussichten also für Fußballfans, für die Herz und Leidenschaft im Vordergrund stehen und die ihren Verein auch dann unterstützen, wenn es sportlich gerade mal nicht so läuft. Gute Aussichten also für Clubfans. Die Mannschaft von Dieter Hecking hat an diesem 33. Spieltag gezeigt, dass Leben in ihr ist, dass sie erfolgshungrig ist und auch dann Spiele noch gewinnen will, wenn es eigentlich um nichts mehr geht. Und siehe da – unverhofft kommt oft: Für den (zwar unwahrscheinlichen) Fall, dass Hannover 96 am nächsten Spieltag zu Hause gegen den feststehenden Absteiger aus Kaiserslautern verliert, ist für den 1.FC Nürnberg sogar die Qualifikation für den Europapokal noch möglich. Dazu müsste dann zwar gleichzeitig Bayer Leverkusen mit mindestens drei Toren Unterschied besiegt werden, doch wer – wie der Club – nun fünf Spiele nicht verloren hat und in der Formtabelle der letzten fünf Partien direkt hinter Meister Borussia Dortmund auf einem sehr guten zweiten Platz steht, der dürfte auch das Unterfangen „Leverkusen schlagen“ mit dem nötigen Selbstbewusstsein angehen.
In Hoffenheim hat man jedenfalls gemerkt, was es ausmachen kann, wenn eine Mannschaft mit Selbstbewusstsein und ohne Druck in eine Partie gehen kann. Schon in der neunten Minute fasste sich Club-Serientorschütze Daniel Didavi einfach mal ein Herz und zog aus der zweiten Reihe ab. Tom Starke im Hoffenheimer Tor konnte den Flatterball nicht festhalten und Tomas Pekhart war zur Stelle, um zum frühen 1:0 für den Club einzuschieben.
Dem Spiel tat das frühe Tor sichtlich gut und so bekamen die Zuschauer bei sommerlichen Temperaturen durchaus mehr zu sehen als einen müden Sommerkick. Der Club beschränkte sich mit der Führung im Rücken aufs Kontern und wartete ansonsten ab, was die Gastgeber so in Richtung Clubtor zu bieten hatten. Bis zur 22. Minute ging das auch gut, doch dann tankte sich Knowledge Musona auf der linken Angriffsseite bis zur Grundlinie durch, Raphael Schäfer konnte trotz spitzem Winkel nicht richtig abwehren und Andreas Beck schob das Spielgerät schließlich zum Ausgleich über die Linie.
Auch nach dem 1:1 wollten die Dorfkicker nachlegen und rissen durchaus auch die ein oder andere Lücke in die Nürnberger Hintermannschaft. Boris Vukcevic in der 27. Minute und Musona nur eine Minute später vergaben jedoch jeweils aus aussichtsreicher Position. Auf der anderen Seite setzte Hanno Balitsch nach einem Eckball seinen Kopfball in der 36. Minute nur knapp über das Hoffenheimer Tor. Zwei Minuten vor der Halbzeit hatte Raphael Schäfer dann die Möglichkeit, sich auszuzeichnen. Sven Schipplock stand plötzlich völlig frei vor dem Nürnberger Tor, doch seinen Schuss aus kürzester Distanz konnte Schäfer klären. Als Hoffenheim dann schließlich mit den Köpfen schon in der Kabine war, setzte der Club noch einmal zum Konter an. Markus Feulner wurde auf der rechten Angriffsseite frei gespielt und gab den Ball scharf nach innen, wo Didavi nur noch in die Hereingabe rutschen musste, um zum 2:1 Halbzeitstand abzuschließen.
Nach der Pause zeigte sich der Club dann solidarisch mit den Gastgebern und begann seinerseits mit dem munteren Chancenauslassen. Der früh für den verletzten Robert Mak eingewechselte Albert Bunjaku vergab in der 46. und 50. Minute gleich zwei hervorragende Möglichkeiten und scheiterte zunächst mit einem nur knapp zu hoch angesetzten Heber und kurz darauf mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe. Hoffenheim hatte zugeschaut und scheiterte in der 58. Minute durch Sahid Salihovic und in der 63. Minute durch Vukcevic am glänzend aufgelegten Schäfer. Der Keeper hielt mit schnellen Reaktionen den knappen Vorsprung fest und da seine Vorderleute wussten, dass irgend so ein Glücksding auf Hoffenheimer Seite auch mal reingehen kann, legten sie auf der anderen Seite nach. Javier Pinola zog in der 71. Minute vom linken Strafraumeck ab. Starke konnte den Flachschuss erneut nicht festhalten, fand beim ersten Versuch von Pekhart, den Nachschuss zu versenken, jedoch in der Torlatte noch einen Verbündeten. Also brauchte Pekhart einen zweiten Versuch und köpfte den Abpraller von der Latte zum 3:1 ins Hoffenheimer Tor. Für den Tschechen war damit der erste Doppelpack in der Bundesliga geschnürt und die Partie war somit zumindest vorentschieden.
Für Hoffenheim hätte es jedoch durchaus noch zu einem Debakel kommen können. Allein Bunjaku hatte das 4:1 gleich mehrfach auf dem Fuß, hatte jedoch wenig Glück beim Abschluss. So setzte er bei seiner besten Gelegenheit in der 81. Minute den Ball sogar an den Pfosten. Wirklich spannend wurde es auf der grünen Wiese nicht mehr – den Hoffenheimern gelang zwar in der 88. Minute durch Edson Braafheid noch der Anschlusstreffer, doch wenn in der Restspielzeit noch ein Tor gefallen wäre, dann auf Nürnberger Seite. In der Nachspielzeit war es erneut Bunjaku, der die Möglichkeit nach einem Konter nicht zu einem vierten Clubtor nutzte.
Am Ende feierte der Club seinen sechsten Auswärtssieg und hat damit in dieser Saison in der Fremde genauso oft gewonnen wie im Max-Morlock-Stadion. Am letzten Spieltag besteht gegen Bayer Leverkusen die Möglichkeit, die Heimbilanz durch einen weiteren Sieg noch aufzuhübschen. Mit nunmehr 24 Punkten hat die Mannschaften von Dieter Hecking in der Rückrunde bei sieben Siegen, drei Unentschieden und sechs Niederlagen sogar eine positive Bilanz.