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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 32. Spieltag
[Samstag, 21.04.2012] 1.FC Nürnberg – Hamburger SV 1:1 (0:0)

Im vorletzten Heimspiel der Saison hat der Club gegen den Hamburger SV nun also auch rein rechnerisch den Klassenerhalt in trockene Tücher gebracht. Durch das unter dem Strich verdiente 1:1 gegen den Dino der Liga sind es nun bei noch zwei ausstehenden Spielen weiterhin neun Punkte Vorsprung auf den 1.Fc Köln und damit auf den Relegationsplatz. Es können nun also noch so viele Baumänner kommen und Chancen versieben, am Ende der Saison steht für die Mannschaft von Dieter Hecking mindestens Platz 15 im Gesamtklassement.
An dieser Stelle also noch einmal herzlichste Glückwünsche an jeden Einzelnen und jede Einzelne, die dazu beigetragen haben, dass der FCN auch in der zweiten kompletten Hecking-Saison den Nicht-Abstieg bereits vor dem letzten Spieltag feiern kann. Zwar bleibt der Wermutstropfen, dass nach dem verpassten Sieg gegen biedere Hamburger und dem Unentschieden von Hannover 96 am Sonntag gegen Freiburg nun bei sechs Punkten Rückstand und dem schlechteren Torverhältnis auch der siebte Platz und damit die Qualifikation zum Europapokal leider nur noch theoretisch möglich ist. Doch mal ganz im Ernst: Interessiert das wirklich?
Die Saison 2011/2012 wird als wahre Achterbahnfahrt im Gedächtnis bleiben – und wie immer bei einem solchen Auf und Ab, ist man am Ende eben einfach froh, heile angekommen zu sein. Gestartet ist der Club in die Saison ähnlich, wie er die letzte Saison aufgehört hat. Nach sechs Spieltagen hatte man durch Siege gegen Augsburg und in Köln und bei der Hertha, sowie einem Unentschieden gegen Werder Bremen bereits zehn Punkte auf der Habenseite und stand im DFL-Ranking zu diesem Zeitpunkt sogar drei Punkte vor dem amtierenden Deutschen Meitster aus Dortmund. Erste Europapokal- Gesänge tauchten in der Kurve auf und verstummten letztlich schneller wieder, als man die Niederlagen der nächsten Wochen zählen konnte.
Nach an einem 0:4 bei Schalke 04 war die Mannschaft dann am 13. Spieltag bis auf den Relegationsplatz durchgereicht worden und fand sich nach der 0:2-Heimpleite gegen Hoffenheim auch nach 16 Spieltagen dort wieder. Höchste Abstiegsnot also im Frankenland und fast konnte man auf den Gedanken kommen, dass die Mannschaft sich in diesem Moment endlich daran erinnerte, was in Nürnberg gerne mal passiert, wenn ein Trainer mit einer Niederlagenserie in die Winterpause geht (-> Michael Oenning). Also riss man sich in Leverkusen ordentlich zusammen, gewann 3:0, um dann nur wenige Tage danach…. war da was?
Nun, die Mannschaft schien auch über Weihnachten und Neujahr nicht vergessen zu haben, was da so kurz vor Heiligabend gewesen ist und startete durchaus ansehnlich in die zweite Saisonhälfte. Zwar dauerte es nach dem Auftaktsieg im Heimspiel gegen die Berliner Hertha drei Wochen, ehe man sich mit drei Siegen in Folge gegen Köln, Bremen und Mönchengladbach nach dem 24. Spieltag plötzlich mit 31 Punkten wieder auf Platz neun der Tabelle und damit durchaus wieder in Reichweite der Europapokalplätze wiederfand, doch wie das bei einer Achterbahnfahrt nun mal so ist: Auf die drei Siege folgten prompt auch wieder vier Niederlagen. Wie schon beim 0:0 gegen Augsburg, das die Siegesserie gegen Köln, Bremen und Mönchengladbach einläutete, musste an dieser Stelle letztlich wieder ein Unentschieden die dann entscheidenden Punkte der nächsten Spieltage einläuten. War man nach dem torlosen Remis in Augsburg jedoch fast der Meinung, der Club könne für den Rest der Saison nicht ein einziges Spiel mehr gewinnen, hatte das forsche Auftreten des Clubs in der ersten Halbzeit in Freiburg durchaus für Hoffnung auf Big Points genährt. Eine Hoffnung, die durch zwei Gegentore schnell wieder zerstört wurde und zur realistischen Einschätzung führte, dass die Sache mit dem Nicht-Abstieg nun doch noch eine ganz knappe Sache werden würde. Zwei Siege und ein Unentschieden später steht man nun also doch unverhofft frühe an dem Punkt, an dem dieses Wochenende der endgültige Klassenerhalt gefeiert werden konnte.
Der HSV war auf dem Weg zum Nicht-Abstieg an diesem Samstag Nachmittag nur ein kleiner Stolperstein. Hatte man die Worte von Dieter Hecking, man wolle auch in den letzten drei Spielen noch alles geben, durchaus als Durchhalteparolen missverstehen können, war am Ende der 90 Minuten im Max-Morlock-Stadion klar, dass man an diesem Samstag nur von einer Mannschaft wirklich enttäuscht sein konnte: Vom großen HSV!
Bei aller Liebe – aber wie eine Mannschaft, die für den Klassenerhalt noch den ein oder anderen Punkt benötigt, ist der größere FC St.Pauli in Nürnberg nie aufgetreten. Statt dessen wirkte das Team von Torsten Fink ängstlich, nervös und in den falschen Momenten gar pomadig. Eine einzige Chance hatten die Gäste in der ersten Halbzeit, als Philipp Wollscheid in der 13. Minute eine Kopfballabwehr verunglückte und der Südkoreaner Heung-Min Son aus acht Metern das Tor nicht traf. Ansonsten glich das Fußballspiel vor 45.873 Zuschauern eher einem müden Schön-Wetter-Kick. Der Club beherrschte zwar größtenteils das Geschehen auf dem grünen Rasen, ließ nach vorne jedoch auch meist die nötige Konsequenz vermissen. Und so fiel das 0:1 im wahrsten Sinne des Wortes in der 59. Minute aus dem Nichts: Marcell Jansen brachte die Lederkugel ins Nürnberger Abwehrzentrum, dort herrschte für einen Moment ein unübersichtliches Durcheinander, welches Son zur glücklichen HSV-Führung nutzte.
Das wollte der Club dann jedoch nicht wirklich auf sich sitzen lassen und so musste eben Daniel Didavi noch einmal ran und in der 64. Minute seinen fünften Treffer in den letzten vier Spielen erzielen. Nach einer Flanke von Timmy Simons unterlief Jeffrey Bruma die Hereingabe und gab Didavi am langen Pfosten so die Möglichkeit, zum Ausgleich einzunetzen.
Bei diesem 1:1 blieb es dann auch, weil der FCN zufrieden war und dem Hamburger SV nichts mehr einfiel. Nächstes Wochenende geht es für den Club zum Kampf um die Goldene Ananas in die Provinz zur TSG Hoffenheim.