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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 31. Spieltag
[Samstag, 14.04.2012] 1.FC Kaiserslautern – 1.FC Nürnberg 0:2 (0:1)

Rappelvoll war es am Samstag im Berliner „Max und Marek“ und die Erwartungen der Clubfans waren durchaus vorsichtig optimistisch. Nach dem Sieg in der Woche gegen Schalke 04 sollte das unangefochtene Tabellenschlusslicht aus Kaiserslautern doch irgendwie zu knacken sein und der Klassenerhalt damit unter Dach und Fach gebracht werden. Einzige Sorge der anwesenden Clubberer: Der Gastgeber greift nach dem letzten Strohhalm und die Mannschaft von Dieter Hecking würde sich aus Mitleid – und nicht zum ersten Mal – als Aufbaugegner zur Verfügung stellen.
Jene Sorge erwies sich jedoch schon in den Anfangsminuten des Spiels als unbegründet. Der FCN war eindeutig gekommen, um den Betzenberg zu stürmen und legte von der ersten Minute los, wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Der zuletzt und auch an diesem Samstag überragende Daniel Didavi eröffnete den Reigen der frühen Chancen bereits in der vierten Minute. In der neunten Minute trifft Timothy Chandler nach gutem Pass von Hanno Balitsch nur das Lattenkreuz und in der 12. Minute versuchten es Mike Frantz und Tomas Pekhart jeweils vergeblich aus der Distanz.
Die Gastgeber hingegen präsentierten sich als der erwartet schwache Gegner und wenn die Lauterer dann doch einmal in die Nähe des Nürnberger Tors kamen, vergaben sie den entscheidenden Pass oft kläglich. Richard Sukuta-Pasu vergab die erste gute Chance für Kaiserslautern in der 18. Minute und wirklich gefährlich wurde es für den Club eigentlich nur bei Eckbällen der Pfälzer. Mathias Abel köpfte in der 22. Minute nach einem Eckball nur knapp über das FCN-Gehäuse. Auf der anderen Seite hatte Robert Mak in der 35. Minute nach einem Konter die gute Gelegenheit auf ein Führungstor, agierte im Abschluss jedoch zu hektisch. Also hieß es für alle Clubfans in der 38. Minute noch einmal Luft anhalten, als Konstantinos Fortounis mit seinem Kopfball das Tor vor Raphael Schäfer nur knapp verpasste.
Jubel herrschte im „Max und Marek“ dann kurz vor der Halbzeit, als Daniel Didavi sich in der 42. Minute ein Herz nahm und nach Vorlage von Mike Frantz den Ball aus rund 20 Metern ins Kaiserslauterer Tor hämmerte. Eine Pausenführung, mit der schon fast niemand mehr gerechnet hatte und trotzdem eher wie ein geöffneter Knoten wirkte und nicht wie die glückliche und knappe Führung, die es nun in den zweiten 45 Minuten irgendwie über die Zeit zu retten galt. Die Clubfangemeinde im „Max und Marek“ war jedenfalls trotz der „nur“ 1:0-Führung am Samstag zur Halbzeit wesentlich ruhiger als bei den 2:0- bzw. 3:0-Führungen der letzten beiden Spiele.
Im zweiten Spielabschnitt versuchte Kaiserslautern dann natürlich noch einmal zum Ausgleich zu kommen – indes: Es blieb beim Versuch, weil schlicht das Können auf Seiten der Gastgeber fehlte. Statt dessen hätten sich die Roten Teufel in der 47. Minute fast selbst aus dem Spiel gekickt. Der erst in der Halbzeit eingewechselte Thanos Petsos hätte aus kurzer Distanz ein glasklares Eigentor erzielt, wenn Lautern-Keeper Tobias Sippel nicht mit einem Ausfallschritt gerade noch hätte klären können. In der 65. Minute zeigte dann Raphael Schäfer, dass er durchaus in der Lage ist, auch mal hundertprozentige Chancen der Gegner zu vereiteln. Sandro Wagner lief nach regelwidrigem Einsatz gegen Dominik Maroh allein auf den FCN-Keeper zu, scheiterte jedoch an seinen eigenen Nerven genauso wie am Reflex von Schäfer.
Die Entscheidung fiel dann in der 73. Minute, als Daniel Didavi bei einem tollen Sololauf gleich mehrere Lauterer Abwehrspieler wie Slalomstangen stehen ließ und dann noch ein Auge hatte für den in der Sturmmitte völlig frei stehenden Tomas Pekhart. Der Tscheche schob aus kurzer Distanz zum 2:0 ein. Hanno Baltisch hätte in der 83. Minute dann sogar noch auf 3:0 erhöhen können, traf mit seinem Schuss jedoch nur die Querlatte.
Inzwischen hatten die FCK-Fans bereits überdeutlich gezeigt, was sie von ihrer Mannschaft und deren Leistung hielten: In der Westkurve wurde ein großes Transparent mit der Aufschrift „Versager“ entrollt. Und weil Hertha BSC Berlin zur selben Zeit sein Spiel bei Bayer Leverkusen gedreht und aus einem 0:2 ein 3:2 gemacht hatte, war der 1.FC Kaiserslautern zu diesem Zeitpunkt faktisch aus der Bundesliga abgestiegen. Ein 3:3 der Leverkusener ließ dann zwar noch einmal eine rechnerische  Möglichkeit aufkommen, doch wer diesen 1.FC Kaiserslautern an diesem Samstag gesehen hat, der weiß, dass die Mannschaft in der zweiten Liga besser aufgehoben ist. Am kommenden Samstag kommt es dann im Berliner Olympiastadion zum Abstiegsgipfel zwischen der Hertha und den Pfälzern – ein Spiel, dass man als Clubfan noch vor einer Woche mit unruhigem Seitenblick hätte verfolgen müssen, dass uns als Club inzwischen jedoch herzlichst am Allerwertesten vorbeigeht.
Durch den Sieg in Kaiserslautern, das gleichzeitige Unentschieden der Hertha in Leverkusen und die Niederlage des 1.FC Köln am Sonntag im rheinischen Derby bei Borussia Mönchengladbach, müsste nun schon die Wettmafia Hand anlegen, um den Club noch in Liga zwei zu schicken. Auf direktem Weg geht dies bei drei ausstehenden Spielen und einem Vorsprung von zehn Punkten auf Platz 17 sowieso nicht mehr. Bliebe der Relegationsplatz, auf dem nach dem 31. Spieltag der 1.FC Köln steht. Der Vorsprung auf Köln beträgt für den Club nun neun Punkte und 21 Tore – die Rheinstädter müssten ihre restlichen drei Spiele gegen Stuttgart, in Freiburg und gegen Bayern München also alle gewinnen, und das auch nicht zu knapp.
DER DISORDER lehnt sich also an dieser Stelle nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn er der Mannschaft, Dieter Hecking und seinem Trainerteam und allen Anderen, die dazu beigetragen haben, zum Klassenerhalt gratuliert! Saisonziel erreicht – und das bereits im zweiten Jahr in Folge nicht erst am letzten Spieltag. Martin Bader kann also erneut frühzeitig die neue Saison planen und verfolgt man die Berichte aus der Presse, hat er damit auch bereits begonnen. Ab Montag können also die Unterschriften unter die ausgehandelten Verträge gesetzt werden und da will DER DISORDER nicht nur von der Unterschrift eines Timothy Chandler und eines Japaners hören, sondern bitte möglichst schnell auch von der Verpflichtung eines gewissen Daniel Didavi. Der junge Mann ist vom VfB Stuttgart nur ausgeliehen und hatte verletztungsbedingt durchaus seine Startschwierigkeiten in Nürnberg. Von den letzten zehn Clubtoren hat der Youngster jedoch sechs Tore selbst gemacht, die anderen vier vorbereitet und damit bewiesen, wie wichtig er für das Spiel des FCN sein kann. Herr Bader, bitte übernehmen Sie!