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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 20. Spieltag
[Freitag, 03.02.2012] 1.FC Nürnberg – Bor. Dortmund 0:2 (0:0)

Am Ende war es dann irgendwie einfach nur noch Schade! Im Max-Morlock-Stadion zeigte sich am Freitagabend mal wieder, dass man sich als Mannschaft, die gegen den Abstieg kämpft gegen eine Mannschaft, die amtierender Deutscher Fußballmeister ist und auch in dieser Saison wieder berechtigte Ambitionen auf die Salatschüssel hat, keinerlei Unachtsamkeiten erlauben darf. Zwei solcher Unachtsamkeiten führten für den Club schließlich dazu, dass man am Ende des Spiels gegen Borussia Dortmund mal wieder ohne Punkte dastand. Schade war das vor allem, weil das Spiel vor 45.572 Zuschauern bei ein wenig mehr Glück im Abschluss für den 1.FC Nürnberg auch ganz anders hätte ausgehen können. Denn im Gegensatz zum Spiel in Hannover vor Wochenfrist, zeigte die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking dieses Mal von der ersten Sekunde an, dass sie gewillt war, dem Gast aus Dortmund Paroli zu bieten und die zu vergebenden Punkte nicht kampflos herschenken will.
Dementsprechend entwickelte sich in den ersten Minuten des Spiels ein durchaus offener Schlagabtausch, den man nach der Ankündigung von Dieter Hecking, man wolle Beton anrühren, nicht unbedingt erwarten konnte. Dortmund lief sich jedoch immer wieder in der gut stehenden Nürnberger Defensive fest und fand zunächst keinen direkten Zug zum Tor. Anders auf Nürnberger Seite. Die Mannschaft vergab zwischen der zehnten und 20. Minute eigene Torchancen fast im Minutentakt. Zunächst scheiterte Dominik Maroh in der 10. Minute nach zu kurz geratener Abwehr von Mats Hummel letztlich am auf der Linie postierten Lars Bender. Zwei Minuten später war es der Japaner Shinji Kagawa, der einen Kopfball von Timmy Simons auf der Linie klären konnte. In der 18. und 19. Minute hatte dann der wieder in die Startelf gerückte Tomas Pekhart gleich zwei Mal die Nürnberger Führung auf dem Fuß. Zunächst scheiterte der Tscheche jedoch an BVB-Keeper Roman Weidenfeller und brachte es dann nur kurz darauf fertig, den Ball nach einer unübersichtlichen Situation im Dortmunder Strafraum schließlich völlig frei stehend aus drei Metern Torentfernung über das Gehäuse zu bolzen.
Mit zunehmender Spieldauer ließ der Druck der Gastgeber dann nach – was auch daran lag, dass der seltsame Trainer der Biene Majas wie Flip, der Grashüpfer an der Seitenauslinie hin und her sprang und von seiner Mannschaft mehr Konzentration im Spielaufbau forderte. Letzteres ist sein gutes Recht und das Problem für Nürnberg war, dass die Spieler in den quietschgelben Trikots die Vorgaben ihres Trainers mehr und mehr umsetzten. Zwei Großchancen waren die Folge, doch Clubkeeper Raphael „Magneto“ Schäfer hatte einen Sahnetag erwischt und vereitelte die Dortmunder Torbemühungen. Zunächst könnte er in der 22. Minute gegen Robert Lewandowski klären, der nach öffnendem Pass plötzlich allein in Richtung FCN-Tor unterwegs war und in der 26. Minute bekam Kevin Großkotz… äh, Großkreutz den Ball nicht an Schäfer vorbei. Ein Schlenzer von Lewandowski in der 34. Minute, der jedoch mit großer Flugeinlage erneut von Schäfer geklärt werden konnte, war dann die letzte Chance in Durchgang eins.
Die Mannschaften gingen sich aufwärmen und tatsächlich keimte auf Seiten der Clubfans im Berliner Max und Marek so etwas wie die Hoffnung auf, man könne mit einem Lucky Punch das Spiel durchaus für sich entscheiden. Dumm nur, dass die Hoffnung mit dem Wiederanpfiff gerade drei Minuten hielt. Dann schlief Neuzugang Adam Hlousek auf seiner Abwehrseite, ließ Lukasz Piszczek ungehindert gewähren, so dass Sebastian Kehl in der 48. Minute keinerlei Mühe hatte, die Vorlage seines polnischen Mitspielers zur Dortmunder Führung zu verwerten.
Das hatte gesessen und spielte den Gästen natürlich bestens in die Karten. Dementsprechend einfach ist der Rest der Spielverlaufs zu erzählen. Der Club brauchte ein paar Minuten, um sich vom 0:1-Schock zu erholen, fand danach jedoch nie wieder ähnlich gut ins Spiel zurück, wie in den ersten zwanzig Minuten. Dortmund kontrollierte Ball und Gegner aus einer sicheren Defensive und war nach vorne genauso ungefährlich wie nach hinten ungefährdet. Dieter Hecking brachte nach 60 Minuten zwar noch Alexander Esswein für Christian Eigler und Timothy Chandler für Almog Cohen – im Grunde brachten die Auswechselungen jedoch ebenso wenig wie die Hereinnahme von Albert Bunjaku für Dominik Maroh in der 80. Minute.
Im Stile einer Spitzenmannschaft setzte Dortmund dann in der 82. Minute noch den Schlusspunkt hinter das Spiel. Gerade als die gesamte FCN-Welt auf den Beginn der Schlussoffensive wartete, sorgte Lucas Barrios nach einem schnell vorgetragenen Angriff für das entscheidende 2:0. Zwar gab es auch danach noch Unentwegte, die gebetsmühlenartig immer wieder die zwei Manchester-Tore gegen die Bauern im Champions-League-Finale 1999 erwähnten, doch sind wir ehrlich, fehlt dem Club eben einfach die ein oder andere Million, um ein ähnlich gutes Team wie Borussia Dortmund aufstellen zu können. Sprich: So schön ein Sieg gegen die West-Lüdenscheider auch gewesen wäre, wirklich gewinnen muss Dieter Hecking mit seiner Mannschaft gegen andere Mannschaften – z.B. den FC Augsburg am kommenden Sonntag.