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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 7. Spieltag
[Samstag, 24.09.2011] Bor. Mönchengladbach – 1.FC Nürnberg 1:0 (0:0)

Es gibt sie also leider doch noch: Die Spiele, die man als Clubfan getrost ganz schnell vergessen kann – und sollte! Die unnötige Niederlage bei Borussia Mönchengladbach an diesem Wochenende gehört mit Sicherheit dazu, auch wenn der einzige Treffer des Spiels letztlich glücklich gefallen ist und die heimische Borussia dabei die tatkräftige Unterstützung von Schiedsrichter Knut Kircher benötigte. Hätte sich der Unparteiische in der 75. Minute den Elfmeterpfiff geschenkt – kaum ein Mönchengladbacher hätte sich darüber aufgeregt. Selbst der gefoulte Marco Reus drückte sich nach dem Spiel um eine klare Aussage über den Zweikampf mit Javier Pinola und sagte vor laufenden Fernsehkameras nur lapidar: „Den kann man geben.“
Die erste Club-Niederlage nach zuletzt zwei Siegen und einem Unentschieden jedoch allein an dem von Filip Daems in der 76. Minute verwandelten Elfmeter fest zu machen, wäre letztlich dann doch zu schmeichelhaft für das Team von Trainer Dieter Hecking. So schwer es scheinbar ist, das Team aus Franken zu schlagen (sprich: als Gegner zu einem Torerfolg zu  kommen), so schwer fällt es den Männern in rot-schwarz selbst zu gewinnen (sprich: einen eigenen Treffer zu erzielen). Was der FCN gerade bezüglich eines eigenen Treffers in Mönchengladbach abgeliefert hat, lag irgendwo zwischen harmlos und lächerlich. Die Laufwege in der Club-Offensive stimmen bei weitem noch nicht, von gelungener Abstimmung konnte am Samstag nicht die Rede sein. Und hatte man am letzten Samstag noch versucht, die Abwehr von Werder Bremen durch Flankenläufe zu knacken, obwohl in der Mitte der großgewachsene Tomas Pekhart gelb-rot-gesperrt fehlte, war Pekhart zwar in dieser Woche wieder mit dabei – was indes fehlte, waren die Flankenläufe. Und wenn Timothy Chandler oder Javier Pinola (mit Abstrichen auch Alexander Esswein) dann doch einmal durchzogen und den Ball hoch in Richtung Sturmzentrum schlugen, kamen die Flanken dermaßen ungenau, dass einem der tschechische Sturmtank im Offensivzentrum des Clubs schon fast leid tun konnte. Alles in allem jedenfalls kann man die Angriffsbemühungen des 1.FC Nürnberg an diesem Samstag leider mal wieder unter dem Schlagwort „ideenlos“ abheften. Kreativität im Mittelfeld ist zur Zeit leider Mangelware und wenn dann vorne auch keine Standardsituation hilft, müsste eben vor allem die Abwehr dann so sicher stehen, dass man zumindest ein torloses Unentschieden über die Zeit rettet und dem eigenen Punktekonto wieder einen Zähler mehr zuschreiben kann.
Dass es zu dem torlosen Unentschieden nicht gereicht hat, hatte seinen Grund letztlich in dem oben bereits erwähnten Elfmeter in der 76. Minute. Es war der einzige Ball, an den der glänzend aufgelegte Alexander Stephan nicht mehr entscheidend ran kam. FCN-Keeper Nummer drei hatte zwar auch an dem Schuss von Daems die Finger noch dran, doch dieses eine Mal reichte es nicht. Zuvor hatte Stephan bereits mehrfach gezeigt, dass er eine würdige Vertretung für Raphael Schäfer und Patrick Rakovsky ist. Vor allem bei einem Vorstoß der Gladbacher nur drei Minuten vor dem Strafstoß bewies Stephan seine ganze Klasse. Raul Bobadilla war von Igor de Camargo allein in Richtung Nürnberger Tor geschickt worden. Der Argentinier bekam den Ball im Eins-zu-Eins-Duell jedoch nicht an Stephan vorbei, der Keeper reagierte blitzschnell und konnte den Torschuss in der 73. Minute mit dem rechten Arm entscheidend abfälschen.
Überhaupt war auffällig, wie oft Alexander Stephan an diesem Nachmittag von seinen Vorderleuten im Stich gelassen wurde. Die sonst so sattelfeste Nürnberger Hintermannschaft zeigte immer wieder ungewohnte Lücken und kann sich letztlich bei der miserablen Gladbacher Chancenverwertung bedanken, dass es am Ende nur ein Gegentor geworden ist. Vor allem Marco Reus brachte die Club-Abwehr mit klugen Pässen und schnellen Dribblings immer wieder ins Schwitzen. Im Abschluss zeigte sich der 21-Jährige jedoch ähnlich schwach im Abschluss wie seine Mannschaftskameraden. In der 17. Minute zielte Reus nach Pass von De Camargo links am Nürnberger Tor vorbei und auch in der 34. Minute hat nach einem Reus-Schuss aus gut 16 Metern nicht viel gefehlt. Kurz vor Schluss hätte der Mönchengladbacher Youngster dann sogar noch auf 2:0 erhöhen können. Reus scheitert in der 86. Minute jedoch freistehend an Stephan.
Beim Club muss man sich nach der dritten Saisonniederlage nun fragen, was in Mönchengladbach anders (und damit schlechter) lief als bisher. Dieter Hecking sagte nach dem Spiel: „Das war nach acht Pflichtspielen das erste Mal, dass wir nicht gut gespielt haben. Das muss man dieser jungen Mannschaft auch mal zugestehen.“ Und damit hat der Trainer mit Sicherheit recht. Niemand im Nürnberger Umfeld hat damit gerechnet, dass der Club in dieser Saison 34 erstklassige Spiele abliefert. Niemand hat damit gerechnet, dass man Ende der Saison verlustpunktfrei zum Deutschen Meister gekürt wird. Der FCN steht auch nach dem Spiel zum Vergessen mit 10 Punkten noch immer auf einem einstelligen Tabellenplatz und empfängt mit dem FSV Mainz 05 am nächsten Wochenende ein angeschlagenes Team. Mit dem entsprechenden Engagement gehören die Rheinhessen in der momentanen Form mit Sicherheit zu den schlagbaren Gegner dieser Saison. Und das ist es, was man nach einer Niederlage fordern muss: Wiedergutmachung am nächsten Wochenende, drei Punkte gegen Mainz, um sich dann mit 13 Punkten auf dem Konto fragen zu können: War da letzte Woche in Mönchengladbach überhaupt was?