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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Wenn man es genau nimmt, sind Fußballprofis eigentlich arme Schweine. Sie quälen sich durch eine anstrengende Vorbereitung, trainieren auch in der Saison täglich mindestens zwei Mal und müssen am Ende doch oft einsehen, dass es immer noch Gegner gibt, die es einfach irgendwie besser drauf haben. Es kann nicht jeder ein Lionel Messi sein und spätestens bei den Mannschaften, für die es nicht ums europäische Geschäft geht, ist nur den wenigsten der Berufsfußballer das Talent derart in die Wiege gelegt, dass sie sich auch nach einer längeren Trainingspause noch voll und ganz auf ihren Instinkt verlassen können.
Wie gut hat man es da als Fußballfan. Über vier Wochen fußballlose Zeit und trotzdem: Kaum spielt der Club wieder, ist man auch ohne Training schnell wieder von Null auf Hundert. Das Herz rast, der Schweiß rennt, die Fingernägel leiden. Jeder Fehlpass auf dem grünen Rasen: Ein kleiner Herzinfarkt. Jeder gehaltener Schuss: Ein Bad im Adrenalin. Das Tor durch Hegeler: Eine Überschwemmung der Glückshormone.
Der Club hat seine Fans am Samstag gleich zu Beginn der Saison durch das volle Programm geschickt. Erst die vergebenen Torchancen, der Pfostenknaller und die aufkommende Befürchtung, dass sich die mangelnde Chancenauswertung im Rest des Spiels noch rächen wird. Dann der Treffer! Es geht doch! Jetzt müssen die Gladbacher schon zwei Tore erzielen. Dann immerhin eine Viertelstunde die Hoffnung, die Clubabwehr könne dicht halten. Nach 30 Minuten die Erkenntis: Ach, nee, man ist ja beim Club – irgendsoein dummes Ding fangen die sich schon noch. Tja, und dann: Die letzte Viertelstunde wieder. Der Auswärtspunkt so dicht vor Augen, die durchaus vorhandene Möglichkeit, eine Auftaktniederlage zu verhindern.
Noch zehn Minuten… Gladbach wirft noch einmal alles nach vorne. Noch fünf Minuten… Schäfer streckt sich und lenkt den Ball um den Pfosten. Noch eine Minute… Hau ihn einfach raus, Andi. Dann endlich: Schlusspfiff… Sie haben es tatsächlich geschafft. Das erste von 34 Endspielen nicht verloren. Schweißgebadet, mit hochrotem Kopf kehrt man langsam in den Normalzustand zurück. Der Puls beruhigt sich, der Blutdruck sinkt so langsam wieder. Man fühlt sich, als habe man gerade einen 1000-Meter-Lauf hinter sich – und das ohne jedes Training vorher. Ob das so gesund ist?
Immerhin kann man sich als Fußballfan in der Woche ausruhen, kann auf Arbeit eine ruhige Kugel schieben, während die armen Fußballprofis jeden Tag genau das üben müssen, was dann am kommenden Samstag sowieso wieder schief geht. Ja, Fußballprofis sind eigentlich richtig arme Schweine.