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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Was war das denn nun wieder für ein Spiel? Da denkt man, der Club geht mit Selbstbewusstsein in eine Partie, weil er die letzten fünf Spiele nicht verloren hat, und kaum hat man im Bumerang seinen Platz eingenommen, das erste Mal vorsichtig an seinem Bier genippt, schon liegt der Club mit 0:1 hinten. Und es kommt noch schlimmer – lange Gesichter zur Halbzeit: Ohne jede Gegenwehr hat sich die Mannschaft von Dieter Hecking drei Tore einschenken lassen und chancenlos an die letzten Spiele der Vorrunde erinnert.
Die Männer in rot-schwarz liefen in der ersten Halbzeit in Bremen wie Falschgeld über den Platz – als hätten sie die letzten fünf Spiele allesamt hoch verloren. Also dachte man als Clubfan schon ans Torverhältnis, hoffte, dass die Niederlage nicht allzu hoch ausfallen würde. Erinnerungen an das 2:6 in Aachen wurden wach und DER DISORDER machte sich Mut, dass es ja in der zweiten Halbzeit nur noch besser werden könne.
Woran DER DISORDER jedoch nie und nimmer gedacht hätte: Es wurde tatsächlich besser. Im Gegensatz zur Hinrunde, als seine Lieblingsmannschaft solche Spiele nach 45 Minuten bereits hergeschenkt hatte und nur noch auf Schadensbegrenzung aus war, fingen die Männer mit dem FCN-Logo auf der Brust plötzlich an zu rennen, zu kämpfen und Tore zu schießen. Zugegeben, ein frühes Tor nach der Pause hilft in solch einer Situation immer, doch wer hätte zur Halbzeit schon gedacht, dass das Spiel in Bremen noch einmal richtig spannend werden würde?
Dass das Spiel am Ende doch noch verloren wurde, mag man im Adrenalinstoß der spannenden letzten Minuten im Weserstadion als unglücklich bezeichnen. „Schade“, war dann auch die erste, vielgehörte Reaktion auf FCN-Fanseite. Trotzdem darf man in der nüchternen Nachbetrachtung der Partie vom Samstag die Augen nicht davor verschließen, dass die Niederlage in erster Linie vor allem eins war: Hochverdient. Der Club begann das Spiel in einer Manier als sei man längst alle Abstiegssorgen los und als würde es für den Rest der Saison nur noch um die goldene Ananas gehen. Was sollte man am späten Samstag Nachmittag auch anderes sagen? Hannover hatte zu Hause gegen Köln eine deftige Klatsche eingefahren, Hertha war mal wieder über ein torloses Unentschieden nicht hinaus gekommen und der SC Freiburg würde mit Sicherheit am Sonntag in Hoffenheim auch nicht viel holen.
Jener Sonntag hat dann jedoch auch klar gezeigt, wie schnell es gehen kann. Graue Mäuse wie Hoffenheim sind in der Endphase einer Bundesligasaison der größte Unsicherheitsfaktor der Liga. Entweder spielen diese Teams einen Grottenfußball, weil es für sie um nichts mehr geht und jegliche Motivation fehlt, oder aber sie spielen gerade weil es um nichts mehr geht, befreit auf. Hoffenheim und in der Vorwoche der FSV Mainz haben sich gegen Freiburg von der schlechten Seite gezeigt. Kein Siegeswille mehr, kein Konzept mehr in Richtung gegnerisches Tor – wie schön, dass den blauen Craichgauern gegen Freiburg wenigstens der Ausgleich noch gelungen ist.
Nun könnte man natürlich argumentieren, dass doch alles in bester Ordnung sei. Schließlich kommen mit Mainz und Wolfsburg an den nächsten Wochenenden zwei Mannschaften nach Nürnberg, für die es bei genauer Betrachtung der Tabelle um rein gar nichts mehr geht. Doch genau in diesem Gedanken liegt nun die Gefahr. Der Club muss gewinnen, die kommenden Gegner können gewinnen. Und so sehr sich der Club auch darüber freuen kann und darf, dass er in den letzten Wochen genug Vorsprung aufgebaut hat, um auch mal ein Spiel verlieren zu können, ohne gleich wieder auf einen Abstiegsplatz zurück zu fallen, so vorsichtig muss man in Nürnberg auch vor den letzten sechs Wochen dieser Spielzeit sein. Das vermeintlich einfache Restprogramm allein wird jedenfalls nicht helfen, denn schon am kommenden Wochenende werden Freiburg und Bochum im direkten Vergleich dafür sorgen, dass zumindest ein direkter Abstiegskonkurrent wieder punkten wird. Und auch Köln dürfte trotz des Sieges in Hannover noch nicht unbedingt als klarer Sieger gegen die Hertha feststehen. Zu unbeständig waren die Leistungen der Domstädter in den letzten Wochen.
Sicher ist im Moment nur die Unsicherheit und genau die sollte sich der Club in der momentanen Phase der Saison zumindest teilweise bewahren, denn auch Spiele gegen graue Mäuse wie Mainz und Wolfsburg können nur gewonnen werden, wenn man mit voller Konzentration auf das Wesentliche ans Werk geht. Raphael Schäfer brachte es auf den Punkt: „Drei Siege müssen noch her.“ Und vielleicht, so denkt sich DER DISORDER gerade, ist da schon der Begriff „Graue Maus“ der erste Schritt zur Niederlage.