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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Irgendwie ist DER DISORDER heute ein wenig durch den Wind. Wohl doch ein wenig zu sehr gefeiert gestern – oder zu wenig geschlafen. Vielleicht auch Beides. Auf jeden Fall weiß ich jetzt wieder, warum ich Sonntagsspiele nicht mag. Da gewinnt der Club ein spannendes Spiel, lässt die Pulsfrequenz auf 250 ansteigen und kaum ist der Schlusspfiff ertönt, muss man sich fast schon wieder bremsen, weil es am nächsten Morgen auf Arbeit geht…. und man als Berliner Clubfan ja zwischendrin auch noch irgendwie von Nürnberg in die Hauptstadt zurück muss.
Aber egal: Ein bis zwei oder drei Siegesbierchen müssen es dann doch sein, auch wenn man schon beim Schlafengehen ahnt, dass der Montag irgendwie ein gebrauchter Tag wird. Und trotz dicken Kopfes kriege ich dieses leichte Dauergrinsen nicht aus meinem Gesicht. Hertha, wir kommen… und immer wieder auch die Frage: Warum hat die Gastronomie eigentlich noch nie gegen Sonntagsspiele protestiert? Was hätten die Kneipen am Abend nach dem Spiel gegen Leverkusen einnehmen können, wenn die Leute nicht spätestens um Mitternacht von selbst hätten sagen müssen: Ich muss jetzt mal langsam ins Bett, damit ich morgen fit bin.
So ein Spiel wie das gegen Leverkusen erlebt man schließlich gerade als Clubfan nicht oft und wäre der Zwang des Geldverdienens nicht – DER DISORDER hätte gestern mal so richtig die Nacht durchgefeiert. Tut er ja schließlich sonst nie. (Achtung: Ironie!)
Bei aller Freude und bei allem Dauergrinsen darf man jedoch auch nicht vergessen, dass der Leverkusen-Sieg die ganze Sache nicht gerade einfacher macht. Die ganze Sache? Ja, leider. Denn auch, wenn der Jubel im Max-Morlock-Stadion gestern nach dem Spiel natürlich groß und fast schon euphorisch war, darf man nicht vergessen, dass viele Clubfans momentan mit ihrem Verein aufs Kriegsfuss stehen. Wohlgemerkt: Mit ihrem Verein – nicht mit der Mannschaft.
Die letzte Woche nach dem Bochum-Spiel war geprägt von blindem Aktionismus, von Verboten und Untersagungen, von drakonischen Maßnahmen gegen ganze Fangruppen, weil einzelne Leute bei der Bochum-Fahrt ihr Gehirn zu Hause vergessen hatten. Die Vorfälle beim VfL, die Verletzten durch das Abbrennen von Pyrotechnik, waren für eine Woche beherrschendes Gesprächsthema unter Clubfans und sie werden es wohl auch in den nächsten Wochen noch bleiben. Den Clubfans, die in Bochum verletzt wurden, an dieser Stelle die besten Genesungswünsche – auch, wenn sie sich von den vielen Diskussionen sicherlich nichts kaufen können.
Der 1.FC Nürnberg hat auf das Abbrennen der Pyrotechnik in Bochum in letzter Woche in ungewohnter Härte reagiert. Vor allem die Ultras Nürnberg haben eine volle Breitseite an Maßnahmen zu spüren bekommen, die in dieser Heftigkeit sicherlich nicht zu erwarten waren.
DER DISORDER wird sich nun jedoch hüten, Partei für die eine oder die andere Seite zu ergreifen – schon allein, weil er natürlich hier aus Berlin die Einblicke nicht hat, die man zur Beurteilung der Situation mit Sicherheit bräuchte. Trotzdem wurde man durch die Maßnahmen des 1.FC Nürnberg auch als „ganz normaler Fan“ in die Problematik mit reingezogen. Wer in absehbarer Zukunft ein Auswärtsspiel des Clubs im Stadion verfolgen will, wird dem 1.FC Nürnberg seine Personalwausweisnummer aushändigen müssen und da diese Maßnahme auch mich als Person betrifft, sage ich hier in aller Deutlichkeit in Richtung Verein: So nicht, meine Damen und Herren.
Ja, ich veruteile die dumme Aktion irgendwelcher Vollpfosten in Bochum. Ja, auch ich möchte mich im Gästeblock aller Stadien der Republik sicher fühlen. Ja, auch ich fahre vor allem zum Club, weil ich mich für Fussball interessiere und keinerlei Lust verspüre, mir das Spiel von irgendwelchen Chaoten kaputt machen zu lassen. Ja, auch ich bin der Meinung: Wer Scheiße baut, wer andere Menschen verletzt, muss dafür gerade stehen und wahrscheinlich ist ein Stadionverbot für die Idioten, die in Bochum das Feuerzeug angemacht haben, noch eine viel zu milde Strafe. Ja, auch ich finde, dass man dieses Problem endlich in den Griff bekommen muss.
Was ich jedoch nicht verstehe: Was hat die Nummer meines Personalausweises damit zu tun? Was bringt es – lieber FCN – wenn Ihr zwar genau wisst, wer da im Block steht, jedoch anhand Eurer Listen noch lange nicht erkennen könnt, wer wer ist? Was für einen Sinn hat es, wenn Ihr wisst, dass Lieschen Müller in Bremen im FCN-Block steht, Ihr auf Euren Polizeivideos aber trotzdem nicht sagen könnt, wer von die vielen Leuten nun genau Lieschen Müller ist?
Und so schön der Heimsieg gegen Leverkusen nun auch war, letztlich macht er mir die Entscheidung leider nur noch schwerer und mein Herz blutet, wenn ich nun sagen muss: Solange der Club die Forderung nach der Ausweisnummer aufrecht erhält und mir gleichzeitig Niemand von Vereinsseite plausibel erklären kann, wozu diese gebraucht wird, solange wird der Club auf meine Unterstützung in fremden Stadien leider verzichten müssen.