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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Niemand hat behauptet, es würde einfach werden in dieser Saison. Aber warum hat eigentlich niemand darauf hingewiesen, wie schwer es werden würde? Spätestens seit Samstag Nachmittag hat die junge Mannschaft vom Club jeden Rest Aufstiegskredit verspielt. Mit einem Auftreten, das keiner noch so unterklassigen Amateurmannschaft gerecht werden würde, haben die Männer von Trainer Michael Oenning endgültig bewiesen, dass sie höchstens in kollektiver Hochform bundesligatauglich sind. Von dieser Hochform indes ist jeder einzelne Spieler momentan meilenweit entfernt.
Die Ultras quittierten die Leistungsverweigerung auf dem grünen Rasen in der zweiten Halbzeit mit einem Supportboykott. Traurig, aber wahr: Nicht einmal das hat die Mannschaft mitbekommen und trottete nach Abpfiff einem lästigen Ritual folgend mit hängenden Köpfen in Richtung Gästekurve. Die Spieler wollten sich für etwas bedanken, das es zurecht gar nicht gegeben hatte: Unterstützung.
Der Club ist mal wieder irgendwo tief unten angekommen und DER DISORDER will an dieser Stelle gar nicht darüber spekulieren, ob uns allen das Heimspiel gegen die Hertha aus Berlin in zwei Wochen zeigen wird, dass es sogar noch tiefer gehen kann. Ein wenig Angst hat er nur vor einem klaren Heimsieg nach der Länderspielpause, der dann im schnelllebigen Fußballgeschäft wieder vorgaukeln könnte, es sei doch eigentlich alles in Ordnung.
Und so hing mein Kopf auch nach fast fünf Stunden Bahnfahrt am Samstag noch irgendwo zwischen Resignation und Frust auf Halbmast, als ich nach meiner Rückkehr aus Leverkusen gegen ein Uhr in der Nacht dummerweise den Computer noch einschaltete und lesen musste, was in der Zwischenzeit im Forum unseres geliebten Fanclubs so vor sich gegangen war. Ich sehe es jetzt noch in roten Leuchtbuchstaben vor meinem inneren Auge blinken: KINDERGARTEN!
Mit keinem anderen Wort lässt sich beschreiben, wie die „Diskussionen“ auf Außenstehende wirken müssen. Statt sich über Fußball zu unterhalten und eventuell auf die einzudreschen, die es verdient haben (jawohl, ich meine die Mannschaft), bekriegen sich unsere Mitglieder untereinander bis das virtuelle Blut spritzt. Jede Objektivität wird über Bord geworfen und persönliche Vorurteile zwischen Menschen ausgelebt, die sich noch nicht einmal persönlich kennen, eigene Animositäten in den Vordergrund gestellt.
Gegenseitiger Respekt unter Fans des selben Vereins sieht definitiv anders aus. Von gegenseitigem Respekt gegenüber Mitgliedern ein- und desselben Fanclubs will ich hier gar nicht sprechen. Schuld ist immer nur der Andere und jeder tut das ja nur, weil der Gegenüber damit angefangen hat. Und dieser Fanclub will am Samstag eine Satzung verabschieden, in der u.a. Toleranz und Offenheit gegenüber Andersdenkenden fest verankert werden soll?
Nun gut, sehen wir, was am Samstag dabei rauskommen wird und eigentlich könnten mir die Streitereien unter unseren Mitglieder ja auch egal sein. Sollen die Leute das doch unter sich aus machen, denn Streit kommt schließlich in den besten Familien vor und irgendwo muss der Frust über eine Niederlagenserie ja hin.
Leider ist es nur so, dass DER DISORDER vor zwei Jahren zum ersten Vorsitzenden des Fanclubs gewählt wurde und sich darüber hinaus mit der eigentlichen Idee (die am Samstag übrigens auch in der Satzung verabschiedet werden soll) der Clubberer 04 Berlin, Brandenburg und Umgebung voll und ganz identifiziert. Dieser Idee liegt vor allem zugrunde, dass die Mitglieder des Fanclubs den 1.FC Nürnberg gemeinsam unterstützen – jeder so, wie er kann, jeder so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und jeder in der Art und Weise und in dem Umfang, wie er es für sich selbst vertreten kann.
Natürlich bin ich kein Dummkopf und weiß selbst, dass sich bei einer großen Gruppe Reibereien fast zwangsläufig ergeben. Die Gründe dafür sind mit Sicherheit ebenso unterschiedlich, wie die einzelnen Mitglieder selbst. Gerade dann ist es jedoch umso wichtiger, Toleranz zu zeigen und den Anderen so zu akzeptieren, wie er ist.
Und ja, schon klar: Toleranz ist ein großes Wort und bedeutet vielleicht auch, mal den ein oder anderen Schlag über die Strenge zu akzeptieren und/oder zu verzeihen. Dennoch ist es eben leider gerade in einer großen Gruppe notwendig, Grenzen zu ziehen. Zumal es im Forum die Möglichkeit der privaten Nachrichten gibt und man bei aller Meinungsverschiedenheit leicht die Möglichkeit hat, dem Anderen seine Unzufriedenheit mitzuteilen, ohne ihn gleich an den öffentlichen Pranger zu stellen.
Komischerweise funktioniert das mit den privaten Mails von allen Richtungen am Tag danach plötzlich einwandfrei. Von allen Seiten erreichen mich am Sonntag E-Mails, jeder mit seiner Sicht der Dinge, jeder in ruhigem, erklärendem Ton und plötzlich auch durchaus mit Verständnis für die andere Seite.
Liebe Clubberer 04 Berlin, Brandenburg und Umgebung: Ihr habt mich zum ersten Vorsitzenden gewählt, der ich auch gerne bin. Was ich nicht bin: Euer Kindergärtner! Wenn Ihr der Meinung seid, ihr müsst Euch im Forum die Köpfe einschlagen, weil ihr nicht wisst, wohin mit Eurem Frust, dann tut das. Tut das bis zu einem gewissen Punkt mit aller Leidenschaft für oder gegen den FCN. Tut das meinetwegen auch mit einer gewissen Ironie, tut das mit einer gehörigen Portion Sarkasmus. Schimpft auf Gott und die Welt, auf den 2.FC Nürnberg oder auf die Freundin, die es nicht versteht, wenn man jeden Samstag mit schlechter Laune nach Hause kommt. Macht einfach, was Ihr wollt – aber haltet Euch gegen die eigenen Fanclubmitglieder im Zaum.
Denn wenn ich nach einem Frustausflug übers Wochenende nach Hause komme, habe ich keine Lust darauf, mir im Forum den Kleinkrieg einzelner Mitglieder durchzulesen. Und ich habe auch keine Lust darauf, den gesamten Sonntag Nachmittag damit zu verbringen, irgendwelche Mails zu beantworten.
Ich habe es diesen Sonntag noch mit aller Inbrust und Leidenschaft gemacht, weil mir persönlich an jedem einzelnen Mitglied der Clubberer 04 Berlin etwas liegt, weil ich mit fast jedem von Euch schon meine schönen Erlebnisse rund um den Club hatte, weil ich mich mit fast jedem von Euch schon unter den Tisch gesoffen habe, sei es aus Freude oder aus Frust, und weil ich – wie ich oben geschrieben habe – hinter der Idee stehe, die in meinen Augen hinter unserem Fanclub steht. Wenn ich jedoch sehen muss, dass gewisse Abfolgen sich immer wieder wiederholen und ich letztlich mehr damit beschäftigt bin, mich darum zu kümmern, dass sich unsere Mitglieder beim nächsten Treffen nicht die Köpfe einschlagen, statt z.B. Karten für Auswärtsspiele zu bestellen oder sonstige Fanclub-Aktivitäten zu planen, dann verliere ich hier ganz schnell die Lust.