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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Schon kurz nachdem Losfee Renate Lingor dem Club in der ersten Runde Dynamo Dresden als Pokalgegner zugelost hatte, gingen die Diskussionen in unserem Fanclub los: Sollte man den Katzensprung aus der Hauptstadt nach Sachsen wagen oder sollte man lieber nicht? Die Dynamo-Fans haben nicht den besten Ruf und so war die Frage, die sich jeder Einzelne stellen musste, schnell klar: Was ist mir wichtiger? Die Unterstützung des geliebten FCN oder die eigene Gesundheit? Bewusst und mit Sicherheit ein wenig spitz formuliert, trifft es die Sache im Kern leider auf den Punkt. So weit sind wir also schon gekommen. Man sucht sich seine Auswärtsspiele nicht mehr danach aus, ob man die Fahrt bewältigen kann oder will, sondern danach, ob man Bedenken hat, auch wieder sicher zu Hause anzukommen.
In unserem Fanclub war – wie bereits erwähnt – die Diskussion eröffnet und in der Tat entschieden sich einige Clubfans, sich das Spiel lieber aus sicherer Entfernung in Berlin anzusehen, als die knapp 200 Kilometer in die sächsische Landeshauptstadt zu fahren. Und selbst die, die sich entschlossen hatten, den Weg nach Dresden auf sich zu nehmen, fuhren am Samstag mit einem mulmigen Gefühl in Richtung Pokalspiel.
Der allgemeine Tenor in den beiden Autos, die von Berlin nach Dresden unterwegs waren, war jedoch: Wenn man nicht fährt, haben die Chaoten schon gewonnen. Man wollte also tunlichst darauf achten, nicht mit irgendwelchen gelb-schwarz gekleideten Menschen in Kontakt zu kommen, und freute sich nach langer Sommerpause wieder auf Fußball.
Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass DER DISORDER keineswegs ein Freund von Verallgemeinerungen ist. Wenn hier von Dynamo-Fans die Rede ist oder von gelb-schwarz gekleideten Menschen, ist damit keinesfalls die überwiegende, friedliche und freundliche Mehrheit gemeint. Nur zwei Wochen vor dem Pokalspiel hat das „Siege-statt-Hiebe“-Kickerturnier gezeigt, dann man sich auch als Fan unterschiedlichster Vereine friedlich in sportlichem Wettkampf gegenüber stehen kann, ohne dass gleich die Polizei eingreifen muss.
Ich werde hier also im weiteren Verlauf das Wort Fan in Bezug auf die Chaoten in Dresden vermeiden. Solche Leute sind für mich keine Fans – egal, welche Farben sie tragen. Im Gegenteil: Diese Leute schaden dem Verein, dessen Farben sie tragen mehr, als sie durch laute Schlachtrufe im Stadion jemals wieder wett machen können. Denn wir haben es leider trotz aller Vorsicht am eigenen Leibe erfahren müssen. Einmal aufgrund mangelnder Ortskenntnisse falsch abgebogen und schon muss man um Leib und Leben fürchten. Auf die Einzelheiten des Vorfalls sei hier nun nicht näher eingegangen, doch ich denke alle Clubberer 04 Berlin, die am Samstag in Dresden waren, sind sich einig, dass wir froh sein konnten, dass wir noch im Auto gesessen haben. Nicht auszudenken, wir wären an der bewussten Ampel zu Fuß unterwegs gewesen.
Denn wozu das führen kann, musste dann nach dem Spiel leider ein anderes Fanclub-Mitglied samt weiblicher Begleitung am Dresdener Hauptbahnhof erleben. Um der Beunruhigung, die beim Lesen dieser Zeilen aufkommen kann, den Wind aus den Segeln zu nehmen: Es ist nichts Ernsthaftes passiert. Doch allein das ungute Gefühl und die Angst, dass die Situation jederzeit kippen kann, hat bei einem Fußballspiel nichts zu suchen. Selbst in größerer Gruppe musste man sich letztlich den Weg durch einen Park erklären lassen, um der Begegnung mit Vollidioten aus dem Weg zu gehen. So macht Fußball keinen Spaß mehr.
Die Gründe für die latenten Aggressionen rund um das Rudolf-Harbig-Stadion mögen vielschichtig sein und DER DISORDER wird nun mit Sicherheit nicht damit anfangen, darüber zu philosophieren, was gegen die Gewaltbereitschaft getan werden könnte. Dafür haben andere Menschen studiert und verdienen eine Menge Geld mit der Politik, die sie machen. Was jedoch offensichtlich ist und hier auch in aller Klarheit angesprochen werden soll: Alle bisher ergriffenen Maßnahmen scheinen nicht gewirkt zu haben.
Anders jedenfalls ist das mulmige Gefühl, mit dem man sich am Samstag durch Dresden bewegte, nicht zu erklären. Mag sein, dass es früher noch schlimmer gewesen ist und wenn dem tatsächlich so ist, bin ich für meinen Teil heilfroh darüber, dass ich es bisher vermeiden konnte, mit dem Club nach Elbflorenz zu müssen.
Und dennoch – und auch das sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt – wird sich DER DISORDER auch das nächste Mal wieder dafür entscheiden, den Club auswärts zu begleiten. Denn egal, wo der FCN antreten muss: An dem Tag, an dem ich mich während eines Auswärtsspieles nicht mehr in eine andere Stadt traue, haben die Chaoten gewonnen. An diesem Tag wird der Fußball sterben und mögen wir alle hoffen, dass dieser Tag niemals kommen wird.