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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Dass der Clubfan als solcher leidensfähig ist, hat sich nicht erst in den letzten Jahren mehrfach bewiesen. Wo sonst wären nach einem Pokalsiegerabstieg auch in Liga zwei 20.000 Dauerkarten verkauft worden? Wo sonst strömen auch nach einer 2:6-Schlappe am Vorwochenende gegen den Tabellenletzten der zweiten Liga über 27.000 Zuschauer ins Stadion?
Der Clubfan als solcher hat nicht nur in dieser Saison mehrmals Geduld geübt, weiter gehofft und seine Mannschaft unterstützt. Der Clubfan als solcher war noch nicht einmal böse, als es gegen eine ersatzgeschwächte Mainzer Mannschaft am Freitag nur zu zwei Abseitstoren und damit nur zu einem torlosen Remis gereicht hat. Einer solch jungen Mannschaft, die sich gerade im Aufbau befindet, kann man doch keinen Vorwurf machen. Und ein bisschen Pech war schließlich auch dabei und in der letzten Saison hätte man ein Spiel gegen Mainz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch verloren.
Mag sein, mag sein, entgegnet DER DISORDER da, letztes Jahr haben wir allerdings auch noch in der ersten Liga gespielt, die Gegner hießen Hamburger SV, Werder Bremen oder kamen aus der Besatzerhauptstadt.
Dem aufmerksamen Beobachter mag gerade mit den letzten Spielen in Aachen, gegen Wehen-Wiesbaden und Mainz 05 aufgefallen sein, dass im Spiel des geliebten Club vor allem eines fehlt: Ein Torjäger. Ein Mann, der aus einer halben Chance zwei Tore macht, ein Mann, der da steht, wo es wehtut, dem die Schmerzen jedoch egal sind, so lange das Ergebnis stimmt. Ein Mann eben, der gut und gerne mal 10 Millionen Euro an Gehalt einstreicht und bei einem Wechsel mindestens nochmal das Fünffache an Ablöse kostet.
Richtig, so ein Mann ist in der zweiten Liga nicht zu finanzieren, doch dieses Beispiel soll auch nur die eigentliche Misere zeigen, unter der der Club seit dem 27. Mai 2007 leidet: Der Mangel an Realitätssinn.
Da werden torlose Unentschieden schön geredet und 2:6-Klatschen verharmlost. Da wird weiter von Aufstieg geredet und davon, dass sich an der Situation auch nach dem Mainz-Spiel nichts verändert hätte.
Doch, lieber Herr Bader, und doch, lieber Herr Oenning, es hat sich etwas geändert: Es ist wieder ein Spiel weniger bis zum Saisonende. Wieder ein Spiel weniger, um den gleich bleibenden Rückstand aufzuholen.
Der Clubfan als solcher mag ja geduldig sein – er ist jedoch keineswegs dumm (Ausnahmen bestätigen die Regel) und rechnen kann er meist auch. Es hilft doch nichts, wenn wir auch nach dem 34. Spieltag noch gesagt bekommen: An der Situation hat sich nichts geändert.
In diesem Sinne: Gehen wir doch alle mal in uns. Der Club spielt momentan nicht nur von den Ergebnissen her alles andere als aufstiegsfähigen Fußball. Und damit das nicht falsch verstanden wird: DER DISORDER hat die Hoffnung auf den Fahrstuhl in die erste Liga noch längst nicht aufgegeben. Denn DER DISORDER glaubt an die jungen Männer in der Mannschaft und wenn er sieht, dass die elf Leute auf dem Rasen, die das Clubtrikot tragen alles geben und es am Ende doch nicht reicht, dann ist auch dies eine Tatsache, mit der er wird leben können.
Womit er nicht leben kann: Mit ausgelutschten Durchhalteparolen, mit sinnfreien Phrasen, die in der letzten Saison alle schon einmal herhalten mussten.
Also, Herr Bader, Herr Oenning: Ein klein wenig mehr Mut zur Realität. Es ändert sich mit jedem Spieltag etwas an der Situation und zeigt der Club nicht bald eine Reaktion (sprich: Serie) werden wir auch im nächsten Jahr in der zweiten Liga spielen. Und wie gesagt: Wenn dem wirklich so sein sollte, würde DER DISORDER dann gerne wenigstens darauf verzichten, sich anhören zu müssen, unsere Mannschaft sei besser als ihr Tabellenplatz. Ist sie nämlich nicht.