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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Nun, was soll man nach einem Abend wie gegen Rostock noch großartig schreiben? Der Club ist auf dem Weg nach oben, sammelt im Moment fleißig Punkte und war mit der ersten Halbzeit des Hansa-Spiels schon nahe am richtig guten Fussball. Michael Oenning scheint es in der Tat gelungen, aus dem Bielefelder Trümmerhaufen seines ehemaligen Chefs eine Mannschaft zu formen. Eine Mannschaft, in der sich jung und alt die Hand geben, in der sich selbst Spieler wie Marek Mintal ohne große Aufregung mal für zwei Spiele auf die Bank setzen, um dann im entscheidenen Moment die alten Phantomqualitäten wieder hervor zu holen. Eine Mannschaft, die sich auch durch dumme Mißgeschicke wie den späten Ausgleich in Osnabrück, nicht aus der Bahn werfen lässt. Eine Mannschaft, die nach Monaten des Leidens endlich ihr Potenzial mal wieder abruft.
Keine Angst, der heutige Kommentar wird nun sicherlich zu keiner verfrühten Weihnachtslobhudelei, denn bei aller Zufriedenheit mit dem gestrigen Spiel fragt sich DER DISORDER natürlich auch, gegen wen der Sieg da eingefahren wurde. Denn auch in Rostock war die Euphorie nach dem historischen 9:0-Sieg am achten Spieltag groß. Man war in der Tabelle auf dem Weg nach oben, schien sich nach Anlaufschwierigkeiten im harten Fahrwasser der zweiten Liga nun jedoch endlich gefangen zu haben. Schließlich schüttelt man einen 9:0-Sieg nicht einfach so aus dem Ärmel.
Doch als hätte er damals bereits geahnt, was folgen sollte, sagte Frank Pagelsdorf, der damals noch Trainer der Hansa-Kogge war, nach dem Kantersieg: „Mir wäre neun Mal 1:0 lieber gewesen als ein 9:0.“
Wo die Hansafahrt nach dem Sieg gegen Koblenz hinging, ist bekannt. Und der Trainerwechsel in Rostock hat bisher auch nur eine Erkenntnis gebracht: Die Schuld an der Misere trägt eindeutig die Mannschaft.
Was hat das alles mit dem Club zu tun? Nun, aus heutiger Sicht recht wenig. Der Club hat im krassen Gegensatz zu Hansa Rostock von den letzten neun Spielen nur ein einziges verloren. Und der Club scheint sich im Gegensatz zu Hansa Rostock nun auch als Mannschaft endlich zu finden.
Trotzdem bleibt komischerweise die Skepsis, dass die schönen Zeiten beim Club nicht lange anhalten. Die Betonung liegt hierbei auf komischerweise. Zu den guten Zeiten eines Hans Meyers hätte es beim Club in der allgemeinen Euphorie bei einer Serie von drei Siegen und einem Unentschieden nicht wenige Menschen gegeben, die bereits von der zehnten deutschen Meisterschaft geträumt hätten. Jetzt in der zweiten Liga stehen die Menschen jedoch da und heben warnend den Zeigefinger: Nach so vielen Spielen ohne Niederlage muss diese ja fast zwangsläufig im nächsten Spiel kommen.
Die Zeiten haben sich geändert beim Club. Das Selbstbewusstsein eines Pokalsiegers ist nicht nur bei den Fans einer zweitligatauglichen Skepsis gewichen. Die Narben des Seuchenjahres 2008 sind noch frisch, der Abstieg noch längst nicht verdaut. Dennoch haben die jüngsten Erfolge durchaus geholfen, das Selbstbewusstsein langsam wieder erwachen zu lassen. Ein Sieg bei den Löwen könnte helfen, dass dieses Selbstbewusstsein nicht gleich wieder einschläft und dass man sich als Clubfan trotz des Katastrophenjahres 2008 auf ein gutes 2009 freut.