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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

Der Sonntag hat es mal wieder gezeigt: Derbysiege sind einfach anders. Sie sind schöner, intensiver und machen einfach mehr Spaß. Erst recht, wenn der Derbysieg auf die Art und Weise zustande kommt, wie es eben am letzten Sonntag geschehen ist. Wer gegen die F****** im Stadion war und am Ende nicht auch die eine oder andere kleine Träne verdrückt hat, dem ist – wenn ich das hier mal so sagen darf – nicht mehr zu helfen.
Das 252. Frankenderby bot in vielerlei Hinsicht eigentlich alles, was einen schönen Nachmittag auch zu einem schönen Abend werden lässt. Zwei Teams, die sich mehr oder weniger auf Augenhöhe begegneten und die sich nicht versteckten, sondern den Gegner aus der Nachbarschaft von Anfang bis Ende unmissverständlich klar gemacht haben: Wir wollen das Ding hier heute gewinnen. Zum Glück wollten die Clubberer eben ein bißchen mehr gewinnen und dass Chrisitan Eigler das Siegtor schießt, schreit ja gerade zu nach dem Wort: Ausgerechnet.
Auch den dramaturgischen Verlauf hätte ein Drehbuchautor nicht besser verfassen können. Der Club vergibt schon nach 30 Sekunden die erste Großchance, scheitert danach immer wieder an der eigenen Unfähigkeit und dem fehlenden Glück direkt vor des Gegners Tor und muss schließlich den Rückstand hinnehmen.
Auch in der zweiten Halbzeit ließ der Club beste Möglichkeiten liegen und so war die rot-schwarze Anhängerschaft mit dem Ausgleich zunächst schon hoch zufrieden. Es konnte ja auch keiner ahnen, dass der Fussballgott sich das Sahnestückchen bis zur 87. Minute aufhob.
Am Ende hat auch der F****** Stefan Reisinger das Spiel für seine Mannschaft endscheidend in Richtung Niederlage gedreht. Nach seinem Führungstreffer in der ersten Halbzeit hatte der Mann nichts besseres zu tun, als aufreizend in der Nürnberger Nordkurve zu feiern. Dies ließ nicht nur die FCN-Fans vor Wut schäumen, sondern weckte auch im Gastgeber die entscheidene Portion mehr Kampf.
Michael Oenning scheint nun so langsam, aber sicher seinen Weg zu finden. Von den letzten acht Pflichtaufgaben unter seiner Regie ging nur ein einziges Spiel (0:1 auf St. Pauli) verloren. Bewusst setzt Oenning auf die Jugend, auf die eigentlichen Amateure, während die teuren Ex-Profis von Arminia Bielefeld auf der Bank ihrem geliebten Thomas von Heesen nachtrauern.
In der Winterpause soll ein Schnitt gemacht werden und DER DISORDER hofft inständig, dass sich die verantwortlichen Personen nicht von den kleinen Erfolgen zu Hinrundenende blenden lassen. Denn sicher ist: Die Mannschaft braucht einen Schnitt. Sie braucht Typen wie Dominic Maroh oder Pascal Bieler, die eben nicht nach der ersten Körperberührung heulend zu Boden sinken und ihre frühere Bielefelder Harmonie wieder haben möchten.
In der Tat: Nach zwei Siegen in Folge könnte man leicht schon wieder in Euphorie verfallen. Indes: Sie wäre komplett fehl am Platze. Genausowenig, wie der Club nach der mageren Nullnummer gegen Frankfurt bereits abgestiegen war, genausowenig ist der Club nun schon wieder auf dem ungefährdeten Durchmarsch in die erste Liga.
Fußball ist Tagesgeschäft und keine andere Liga der Welt zeigt dies momentan so ausdrücklich wie das Unterhaus der deutschen Eliteklasse. Trotzdem – oder gerade deswegen – darf für das Spiel in Osnabrück auf Hoffnung gehofft werden.