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DER DISORDER – Der aktuelle Dienstagskommentar

DER DISORDER hat keinen Bock mehr. Und er hat das Recht dazu, dies zu sagen, denn schließlich haben auch die hochbezahlten Profis seines Vereins genau diese Einstellung am Sonntag achtzig Minuten ohne jede Scham öffentlich zur Schau getragen.
Nöö, ich habe keinen Bock, den Deckel zuzumachen, das 2:0 zu erzielen und den Gegner von seiner Heimniederlage zu überzeugen. Mir reicht ein knapper Sieg und auch wenn ich dazu gar nicht fähig bin, will ich jetzt mal versuchen, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Lange achtzig Minuten trugen die Herren in den weißen Areva-Shirts genau diese Einstellung auf die Stirn geschrieben über den Sportplatz Oberwerth.
Die blau-schwarzen Jerseys der Heimmannschaft waren aber auch einfach zu verwirrend. Wahrscheinlich steckte man noch in irgendwelchen Pokalsieger-Europapokal-Träumen fest und es kam und kam einfach Niemand vorbei, der den Kniff in den Oberarm wagte und den Angstfussballern auf dem grünen Rasen erzählte, dass sie an diesem wunderschönen Sonntag-Nachmittag nicht gegen Inter Mailand, sondern gegen die Tus Koblenz spielten. Nicht gegen Inter Mailand mit ihren Ibrahimovics und Figos, gegen die man eine 1:0-Führungsmauertaktik durchaus verstehen könnte… nein, der Club spielte gegen eine Mannschaft, die gerade in ihr drittes Jahr überhaupt im Profifußball gestartet ist. Eine Mannschaft, die genau eine Woche zuvor Geschichte geschrieben hat, weil sie sich in Rostock (!) mit 9:0 abfertigen ließ. Eine Mannschaft, die in der zweiten Minute wahrscheinlich kollektiv gedacht hat: Oh nein, geht das mit den Gegentoren schon wieder los???
Eine Mannschaft also, die spielerisch als Gegner Nichts zu bieten hatte – und offensichtlich auch nicht die Mittel, die eigene Unsicherheit selbst zu überwinden.
Also musste der Club helfen. Und das tat er mit allen Mitteln. Immer wieder brachte man in der zweiten Halbzeit die TuS ins Spiel und bettelte um den Ausgleich. Einzig Raphael Schäfer schien in der Pause den Worten von Michael Oenning nicht so recht gelauscht zu haben. Ohne Schäfer wäre der Clubwunsch nach dem Ausgleich der Koblenzer schon viel früher in Erfüllung gegangen.
Das dankbare Grinsen der Clubberer als das Gegentor in der 82. Minute endlich gefallen war, konnte man jedenfalls quer über den Platz selbst in der Gästekurve noch sehen.
Und genau deshalb hat DER DISORDER keinen Bock mehr. Keinen Bock mehr, an einem Sonntagmorgen um 5.40 Uhr aufzustehen. Keinen Bock mehr, insgesamt fast zwölf Stunden des Sonntags in irgendwelchen überfüllten und verpäteten Zügen zu verbringen, nur um sich 90 Minuten Gegurke der eigenen Truppe anzutun. Keinen Bock mehr, letztlich um 1.30 Uhr wieder in Berlin anzukommen und noch Geld fürs Taxi ausgeben zu müssen, weil die letzten S- und U-Bahnen längst in den Depots stehen.
Jungs in Rotschwarz: Aufwachen !!! Ein Punkt in Koblenz ist zu wenig, wenn man aufsteigen will. Ein Punkt in Koblenz kann sogar zu wenig sein, um die zweite Liga zu halten…
Nach dem neunten Spieltag steht der Club letztlich wieder genau dort, wo er vor Jahresfrist schon stand – allerdings eine Liga tiefer. Einzelne Stimmen sprechen noch immer vom Aufstieg und sehen nicht, dass man in der Tabelle noch genau einen Punkt vom Abstiegsplatz entfernt ist.
Die Zeichen sehe ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Nach diesem Motto hat der Club in der letzten Spielzeit die Liga verlassen müssen. Die Zeichen indes haben sich auch in dieser Saison nicht geändert: Einem guten Spiel mit der richtigen Einstellung (wie gegen Freiburg) folgt wie auf Bestellung mindestens ein Grottenkick.
Zur Beruhigung der aufgebrachten Fans ist dann im Heimspiel gegen Oberhausen am morgigen Mittwoch wahrscheinlich auch wieder ein Sieg eingeplant. Dieser – und das lasst Euch versichern, ihr Clubprofis – hat jedoch nur dann einen Sinn, wenn in Wochenfrist auf St.Pauli endlich der erste Auswärtssieg folgt. Auf alles Andere (außer Siege) hat DER DISORDER nämlich inzwischen wirklich keinen Bock mehr.