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Zweite Fußball-Bundesliga, 6. Spieltag
[Montag, 29.09.08] 1.FC Nürnberg – MSV Duisburg 0:1 (0:1)

Der Club ist nach der ersten Heimniederlage der Saison gegen den MSV Duisburg endgülitg am Boden der Tatsachen angekommen. In einem mehr als schwachen Zweitligaspiel reichte den Gästen von der Wedau eine Durchschnittsleistung, um völlig verunsicherte Ex-Pokalsieger im Zaum zu halten. Cedric Makiadi sorgte in der 23. Minute für den einzigen Treffer des Spiels und würde es weitere nennenswerte Ereignisse auf dem Rasen gegeben haben, würden wir gern davon berichten. Allein: Es gab sie nicht.
Der Club schaffte es in 90 Minuten nicht, auch nur ein einziges Mal wirklich gefährlich vor das Tor von MSV-Keeper Marcel Herzog zu kommen. Die Elf von Trainer Michael Oenning wirkte in allen Belangen verunsichtert und hilflos.
Selbst das zuletzt immer wieder gelobte Aufbäumen gegen die Niederlage blieb dieses Mal aus und so verlor der FCN das Spiel hoch verdient mit 0:1.
Keiner weiteren Worte würde es bedürfen, wären die wirklich interessanten Momente an diesem Montag Abend nicht jenseits des Spielfeldes passiert – so traurig es aus Clubsicht auch sein mag.
Da wären zunächst die ersten zwanzig Minuten des Spiels. Nicht nur im Stadion, sondern selbst im Fernsehen wirkte das Spiel zwischen den Bundesliga-Absteigern zunächst trotz gefüllter Ränge wie ein Geisterspiel. Die Nürnberger Initiative für fanfreundliche Anstoßzeiten (NIFA – www.anstosszeiten.de.vu) hatte zum Support-Boykott gerufen und die Gästefans schloßen sich einmütig an. Mit dem Schweigen von den Rängen wollte man auf beiden Seiten der Fankurven verdeutlichen, welche Stimmung bei Durchsetzung der DFL-Pläne bezüglich der Anstoßzeiten in erster und zweiter Fußball-Bundesliga in der nächsten Saison herrschen wird. Wenn die Fans keine Möglichkeit mehr haben, ihr Team live im Stadion anzufeuern, wird jedes Spiel zum Geisterspiel.
Der Protest funktionierte. Selbst der DSF-Mensch am Reporter-Mikrofon kam in den ersten zwanzig Minuten nicht umhin, die seltsame Stimmung im Max-Morlock-Stadion mehrmals zu erklären.
Umso unverständlicher die ersten Aussagen von Club-Kapitän Raphael Schäfer nach Spielende am DSF-Mikrofon. Der Torhüter des Clubs schämte sich nicht etwa der unterirdischen Leistung des eigenen Teams, sondern kritisierte die eigenen Fans für die fehlende Unterstützung in den ersten zwanzig Minuten.
Haben Sie eigentlich irgendetwas verstanden, Herr Schäfer? Sollte die DFL auch nur ansatzweise ihre Pläne für die nächste Saison durchsetzen, werden Sie in der kommenden Spielzeit des öfteren vor leeren Rängen spielen… die Fans werden dann jedoch nicht mehr nicht ins Stadion kommen, weil der Club inzwischen in der dritten Liga kickt, sondern weil es ihnen einfach nicht möglich sein wird, am Sonntag um 12.30 Uhr bereits im Stadion zu sein.
Von daher, Herr Schäfer, aus Berlin die klare rote Karte von Fanseite. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wann ein Berliner Clubfan aufstehen müsste, um ein Heimspiel in Nürnberg um 12.30 Uhr im Stadion miterleben zu können?
Eine selbst verschuldete Niederlage am Verhalten der Fans festzumachen, ist nicht nur lächerlich, sondern sogar unter der Gürtellinie. Bitte, liebe Clubspieler, bringt einfach endlich erst einmal wieder Leistung, ehe ihr Euch über das Verhalten Eurer Fans auf den Tribünen irgendwelche Gedanken macht.