Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Fußball-Bundesliga 2007/2008, 30. Spieltag
[Samstag, 26.04.2008 – 15.30 Uhr] 1.FC Nürnberg – Arminia Bielefeld 2:2 (2:0)

1:0 (29.) Marek Mintal
2:0 (39.) Ivan Saenko
2:1 (47.) Artur Wichniarek
2:2 (60.) Markus Bollmann

Es ist zum Heulen und zum Haare ausraufen. Der Club schafft es diese Saison nicht, zwei Spiele nacheinander zu gewinnen und muss sich auch gegen Arminia Bielefeld mit einem Unentschieden vor heimischen Publikum zufrieden geben. Es ist bereits das dritte Remis gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten in der Rückrunde und bedeutet im Kampf um den Klassenerhalt mal wieder weder Fisch noch Fleisch. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt weiterhin zwei Punkte.
Dabei begann der Club eigentlich genau dort, wo er im Wiederholungsspiel gegen Wolfsburg aufgehört hatte – nämlich mit Initiative und durchaus erkennbarem Siegeswillen. Zwar brauchte die Mannschaft von Ex-Bielefeld-Trainer Thomas von Heesen eine knappe Viertelstunde, um das Heft sicher in der Hand zu halten, doch wer sich die sicheren Kombinationen Mitte der ersten Halbzeit ansah, konnte eigentlich nur wenige Zweifel haben, wer an diesem sonnigen Nachmittag als Sieger vom Platz gehen würde.
Die erste Chance für den Club gab es bereits nach zwölf Minuten. Marek Mintal feuerte einen ersten Schuss in Richtung Arminen-Tor ab. Rowen Fernandez konnte jedoch halten und stand nur zwei Minuten später schon wieder im Mittelpunkt. Wieder kam Mintal an den Ball – dieses Mal nach herrlichem Doppelpass mit Robert Vittek. Mintal erwischte den Ball jedoch nicht voll und so konnte Fernandez im Bielefelder Tor erneut abwehren.
Konsequenz der Nürnberger Überlegenheit war letztlich der Führungstreffer durch Marek Mintal in der 29. Minute. Robert Vittek hatte es zunächst mit einem Distanzschuss versucht. Der Abpraller landete bei seinem Landsmann und nach schönem Doppelpass mit Jan Koller versenkte Mintal den Ball im linken unteren Eck.
Bielefeld wirkte durch den Rückstand verunsichert und die Versuche, zu eigenem Torerfolg zu kommen wirkten halbherzig und selten gefährlich. Der Club machte in dieser Phase des Spiels das einzig Richtige: Er wartete auf Konter. Und so war es schließlich der schnelle Russe Ivan Saenko auf der linken Seite, der in der 39. Minute nach Musterpass von Marco Engelhardt für die scheinbar beruhigende Halbzeitführung sorgte. Kaum einer der noch immer erstaunlichen 46.300 Zuschauer hätte zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass es nach der Pause keine 90 Sekunden dauern würde, ehe Bielefeld plötzlich wieder im Spiel war.
Sibusiso Zuma hatte quer auf Artur Wichniarek gepasst und der Pole verkürzte in der 47. Minute mit einem trockenen Flachschuß ins lange Eck zum 1:2. Aus dem sicheren Vorsprung war wieder eine Zitterpartie geworden. Zwar war der Club auch in dieser Phase durchaus bemüht, möglichst schnell wieder Ordnung ins System zu bringen, doch eine Standardsituation führte schließlich in der 59. Minute zum Super-GAU. Der verärgerte Clubfan rieb sich nach einem Freistoß von Thorben Marx von der rechten Seite verwundert die Augen und fragte sich, ob er den Namen Markus Bollmann jemals vorher gehört hatte. Bollmann war nur sechs Minuten vorher eingewechselt worden und stieg nun am höchsten, um den Ausgleich zu köpfen.
Nach dem Tor zogen sich die Ostwestfalen letztlich komplett zurück und der Club versuchte Alles, um noch einmal die Führung zu erzielen. Bis es wieder zu echten Torchancen kam, dauerte es indes bis zur 74. Minute. Marek Mintal hatte einen Freistoß auf’s Arminen-Tor gezogen, den Fernandez gerade noch zur Ecke lenken konnte. Jan Koller köpfte die Eckball-Hereingabe schließlich aus kürzester Distanz direkt in die Arme des südafrikanischen Keepers.
Die größte aller Chancen vergaben schließlich Marek Mintal und Robert Vittek in der Nachspielzeit. Zunächst war Marek Mintal mit einem Aufsetzer von der Strafraumgrenze an Fernandez gescheitert. Der Ball klatschte schließlich an die Latte und fiel Robert Vittek vor die Füße. Der Stürmer verzog jedoch und setzte seinen Schuß über das Arminen-Gehäuse.
Am Ende blieb es also bei einem Unentschieden, welches den Bielefeldern sicherlich mehr hilft als dem Club. Die Rot-Schwarzen stehen nun am kommenden Freitag in Dortmund unter dem Druck, sich mit einer Niederlage wohl endgültig in Richtung Liga zwei zu verabschieden.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Der rote Faden

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Nachpokalsiegersaison: Auf jedes Positiverlebnis folgt mehr oder weniger postwendend die Ernüchterung. Und wer nach den Punktgewinnen gegen Hamburg und die Bauern mit dem Sieg in Frankfurt und gegen Wolfsburg nun eine Kehrtwende erhofft und herbei gefleht hatte, sah sich mit dem Unentschieden gegen Arminia Bielefeld brutal auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.
Es war, wie so oft in dieser Saison: Der Club spielt gut, spielt gefällig, hat den Gegner im Griff und gibt das Spiel letztlich durch individuelle Fehler und Unzulänglichkeiten doch noch aus der Hand. Auffallend dabei, wie sehr sich vor allem die beiden Spiele gegen Arminia Bielefeld dabei glichen. In der Hinrunde führte der Club mit 1:0, wurde in der zweiten Halbzeit vorgeführt und stand nach neunzig Minuten als verdienter Verlierer im Regen. Im vorgestrigen Heimspiel gegen die Ostwestfalen reichte eine schwache Viertelstunde, um den Platz als gefühlter Verlierer zu verlassen.
Und auch, wenn man nicht nur als Berliner Clubfan, der mal wieder neun Stunden im Zug verbracht hat, um seinen Club in der Nordkurve zu unterstützen, zugeben muss, dass die Männer in Weinrot-Schwarz das Menschenmögliche versucht haben, den Sieg doch noch zu erzwingen, bleiben am Ende genau zwei Fragen: Warum in aller Welt fangen die Ultras etwa zehn Minuten vor Abpfiff der Begegnung an, ein Lied über die zweite Liga zu singen? Und warum hat unserem Hans-Meyer-Nachfolger noch Niemand erzählt, dass man in einem Bundesligaspiel drei Mal auswechseln darf?
Liebe Ultras… aber etwa zehn Minuten vor Schluss ein Lied anzustimmen, dessen Text eine Scheißegal-Haltung an den Tag legt, ob der Club nun erste oder zweite Bundesliga spielt, ist nicht nur von der Melodieführung her öde, sondern sogar kontraproduktiv. Und kommt mir nicht mit der ewigen Floskel des „wahren“ Fußballs. Die zweite Liga würde ohne Fernsehübertragungen auf Premiere und DSF gar nicht mehr existieren. Und „die härteste zweite Liga aller Zeiten“ hat Nichts mit Männer-TV zu tun. Im Gegenteil: Wer auf DSF übertragen wird, muss mit Gewinnspielen in Einwurfpausen rechnen.
Und liebe Ultras: Mir ist es nicht egal, ob der Club in der ersten oder in der zweiten Liga spielt. Denn als Berliner muss ich immer mit mindestens vier Stunden Anfahrt rechnen und das ist für mich weder an einem Freitag- noch an einem Montag-Abend irgendwie machbar. Meine Dauerkarte würde somit zwar den Club unterstützen, mir selbst aber wenig weiter helfen. Seid mir also nicht böse, wenn ich euch böse bin, wenn ihr zehn Minuten vor Spielende die von mir sowieso gegebene Treue bis in den Tod auch in der zweiten Liga beschwört und gleichzeitig noch 600 Sekunden Zeit bleiben, genau diesen Super-GAU zu verhindern. Sorry, Jungs, aber in solch einer Situation will ich andere Gesänge singen.
Und ach ja, Herr von Heesen… warum habe ich bei Ihnen eigentlich immer das Gefühl, dass Ihnen nur zehn Minuten nach Abpfiff das gerade vergangene Spiel schon wieder am Arsch vorbei geht? Egal, wie die Klatsche dieses Mal ausgegangen ist – von wutentbrannten Meyerschen Ironiespitzen gegenüber den Journalisten sind sie genauso weit entfernt wie von der Erkenntnis, dass man einen konditionell abbauenden Robert Vittek auch gerne mal in der 80. Minute gegen einen Torschützen Angelos Charisteas auswechseln darf.
Doch egal. Was wir brauchen, sind Punkte: Und um den roten Faden vom Anfang des Textes wieder aufzunehmen… In der Hinrunde waren wir nach dem Grottenkick gegen Bielefeld genau fünf Punkte vom rettenden Ufer entfernt… und lagen am Ende der Hinrunde zwei Punkte hinter Platz fünfzehn. In der Rückrunde sind es nach dem Bielefeld-Spiel nur eben diese zwei Punkte. Setzen wir also die Aufholjagd der Hinrunde zu Grunde, müssten wir – zwei Punkte hinten, drei Punkte aufgeholt – am Ende genau einen Punkt über dem Strich stehen. Zugegeben – eine rechte kühne Rechnung. Doch was wir Fans neben den Punkten für den Club vor allem brauchen, sind Strohhalme. Strohhalme, um den Kopf nicht endgültig in den Sand zu stecken. Und ganz ehrlich: Solange wir am Ende der Saison nicht auf Rang 16, 17 oder 18 stehen, ist mir auch egal, wer Europameister wird.