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Fußball-Bundesliga 2007/2008, 28. Spieltag (Wiederholungsspiel)
[Sonntag, 20.04.2008 – 15.00 Uhr] 1.FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 1:0 (1:0)

1:0 (79.) Jan Koller

Der 1.FC Nürnberg hat sich mit einem Kraftakt an den eigenen Haaren aus dem Schlamassel gezogen und gewinnt das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg verdient mit 1:0 (0:0). Der erste Heimsieg im Jahre 2008 lässt die Hoffnung auf den Klassenerhalt wieder steigen. Im krassen Gegensatz zum sintflutverregneten ersten Versuch, begann die Wiederholungspartie am Sonntag bei schönstem Frühlingswetter. Thomas von Heesen war gezwungen, seine Mannschaft nach dem Stuttgart-Debakel umzubauen. Jaromir Blazek und Zvjezdan Misimovic fehlten wegen Verletzung und wurden von Daniel Klewer und Marek Mintal ersetzt. Für den im Schwabenland schwach auftretenden Jan Kristiansen rückte Lars Jacobsen in die Startelf und im Sturm ersetzte Jan Koller Angelos Charisteas.
Die neu formierte Clubelf übernahm im Max-Morlock-Stadion sofort die Kontrolle. Die gravierende Unsicherheit vom Stuttgart-Spiel schien wie weggeblasen und so hatte Ivan Saenko bereits nach dreizehn Minuten die erste Chance. Sein Torschuss aus halbrechter Position flog jedoch am langen Torpfosten vorbei.
Nur eine Minute später jubelte das Stadion dann zum ersten Mal. Thomas Galasek hatte einen Freistoß in die Mitte geflankt, wo sich sein Landsmann Jan Koller am höchsten schraubte und den Ball per Kopf ins Wolfsburger Tor beförderte. Die Freude währte jedoch nur kurz, denn Schiedsrichter Marc Seemann aus Essen verweigerte dem Treffer wegen Abseits seine Anerkennung.
In der 22. Minute war es dann das Torgebälk, welches einen Treffer verhinderte. Lars Jacobsen hatte den starken Marek Mintal mit einem Einwurf in Szene gesetzt. Der Slowake düpierte im Strafraum zwei Wölfe und zog ab. Makoto Hasebe konnte den Ball gerade noch erreichen und lenkte die Lederkugel in Richtung eigenen Keeper. Die anschließende Ecke köpfte Robert Vittek aus nur drei Metern an die Latte.
Auch mit seinem Schuss nur eine Minute später hatte Vittek Pech. Der Ball flog knapp am linken Pfosten vorbei.
Doch nicht nur die guten Chance verdeutlichen die anfängliche Überlegenheit des Clubs. Auch die Tatsache, dass es bis zur 36. Minute zur ersten Wolfsburg-Chance dauerte, verdeutlicht das Übergewicht der Rot-Schwarzen. Edin Dzeko hatte neun Minuten vor der Halbzeit einen Freistoß von Marcelinho per Flugkopfball nur knapp neben das Clubgehäuse gesetzt.
Nach dem Seitenwechsel ein ähnliches Bild im Nürnberger Stadion wie vor der Pause. Der Club drückte und suchte das Führungstor. In der 51. Minute narrte Marco Engelhardt bei einem Freistoß die gesamte Wolfsburger Hintermannschaft. Doch statt seinen Freistoß von halbrechts als Flanke in die Mitte zu bringen, legte der Ex-Kaiserslauterer auf Marek Mintal auf. Dessen Schuss verfehlte das Tor von Diego Benaglio nur knapp.
Nach 61 Minuten kam schließlich Angelos Charisteas für den ausgepumpten und leicht angeschlagenen Robert Vittek. Mit der Doppelspitze Koller/Charisteas entwickelte sich noch einmal mehr Druck auf das VfL-Tor. Jan Koller spielte in der 66. Minute mit Javier Pinola einen schönen Doppelpass. Leider zögerte der Argentinier mit dem Abschluss zu sehr und so wurde sein Schuss unter Bedrängnis eine leichte Beute für Benaglio.
Nur 60 Sekunden später hielten die Clubfans erneut den Atem an. Angelos Charisteas legte den Ball mit der Brust zu Mintal ab und der Slowake traf den Ball voll. Den tollen Schuss aus 22 Metern konnte der Schweizer Nationaltorhüter in Diensten des VfL jedoch mit einer spektakulären Parade abwehren. Es schien, als wolle der Ball heute nicht mehr ins Tor.
Doch die Erlösung sollte schließlich in Form einen Kraftaktes von Jan Koller in der 79. Minute kommen. Der Tscheche hatte den Ball von seinem Landsmann Galasek in den Lauf gespielt bekommen, schüttelte seinen Bewacher Madlung ab und zog aus 18 Metern unhaltbar ab.
Zum Glück für den Club schaffte es Wolfsburg in den verbleibenden Minuten nicht mehr, das Tor von Daniel Klewer noch ernsthaft in Gefahr zu bringen. Der erste von sechs Endspielsiegen ist also geschafft. Am Samstag kommt mit Arminia Bielefeld ein direkter Abstiegskonkurrent nach Nürnberg.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Höhen und Tiefen

Die Saison neigt sich dem Ende zu und was war das wieder eine Woche? Zwischen zu Tode betrübt und himmelhochjauzend – zum Glück genau in dieser Reihenfolge. Denn was der Club in der Mitte der Woche als Fußball zu verkaufen versuchte, war das Hingucken nicht wert. Ein Rückfall in vergangene Zeiten, in die Zeiten vor dem Auswärtssieg in Frankfurt. Ein Rückfall, der Schlimmes befürchten ließ, auch angesichts der Punktgewinne der Gegner am Wochenende zuvor.
Und so waren es dann also am späten Mittwoch-Abend plötzlich fünf Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Nicht das erste Mal in dieser Saison. In der Hinrunde stand man nach der Pleite in Bielefeld schon einmal ähnlich weit weg vom Klassenerhalt.
Und natürlich war der Fünf-Punkte-Rückstand auch durch das eine Spiel weniger zustande gekommen. Er war aber eben auch zustande gekommen, weil der Club sich in Stuttgart in unterirdischer Form präsentierte und nie auch nur den Hauch einer Chance hatte, Zählbares aus dem Schwabenlande zu entführen.
Und so grenzt es fast ein Wunder, dass der gemeine Clubfan zu Anfang dieser Woche keineswegs zu Tode betrübt in der Ecke sitzend bereits den Abstieg betrauert. Im Gegenteil: Seit dem sonnigen Sonntag in Nürnberg herrscht wieder Sonnenschein in den Gemütern. Der Club hat gegen Wolfsburg von Anfang an das Heft in die Hand genommen, mutig aufgespielt, wie man es sich schon viel öfter in dieser Saison gewünscht hätte. Keine Spur mehr von Angsthasenfußball.
Die Mannschaft von Thomas von Heesen hat es bei noch fünf ausstehenden Partien nun selbst in der Hand. Fünf Endspiele, von denen mindestens drei gewonnen werden müssen, wenn man die anderen beiden nicht verliert.
Den Anfang macht da natürlich die Begegnung am kommenden Samstag gegen Bielefeld. Denn bei aller Erleichterung nach dem Sieg gegen Wolfsburg: Gegen den direkten Abstiegskonkurrenten aus Westfalen muss gewonnen werden, sonst sind es nämlich ruckzuck wieder die fünf Punkte ans Ufer.
Es bleibt also spannend bis zum Schluss und auch, wenn die Mannschaft diese Saison ihre stärksten Leistungen stets abgerufen hat, wenn sie quasi mit dem Rücken zur Wand stand, wird es spannend sein zu sehen, in welche Richtung das Pendel am kommenden Wochenende ausschlägt. Himmelhochjauchzend, weil man einen direkten Gegenkandidaten in der Manier des Wolfsburg-Spiels beherrscht und besiegt hat… oder zu Tode betrübt, weil auch das Wolfsburg-Spiel wieder nur ein Strohfeuer war, das durch den Wind der übertriebenen Euphorie ausgeblasen wurde.
Denn um es auf den Punkt zu bringen: Gewonnen ist mit dem Sieg gegen Wolfsburg noch nichts – er hat einzig und allein dazu geführt, dass noch nicht alles verloren ist. Auf geht’s Club!

Galerie

Über Leipzig nach Nürnberg gegen Wolfsburg gebraust

Manchmal haben Spielabbrüche in ihrer Konsequenz auch Vorteile. War nämlich das ursprünglich angesetzte Spiel gegen den VfL Wolfsburg an einem Freitagabend aus beruflichen Gründen nicht machbar, konnte man den Sonntag nun für einen spontanen Trip nach Nürnberg nutzen. Mit der Regionalbahn ging es von Berlin zunächst nach Leipzig, wo am Bahnhof eine charmante Fahrererin wartete. Dass man den Rückweg dann sogar noch mit drei Punkten im Gepäck bestreiten durfte – welch schöner Sonntag! Zumal unsere charmante Fahrerin uns noch bis nach Berlin brachte, ehe sie wieder nach Leipzig brauste…