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Fußball-Bundesliga 2007/2008, 24. Spieltag
[Sonntag, 16.03.2008 – 17.00 Uhr] Bayer Leverkusen – 1.FC Nürnberg 4:1 (1:1)

1:0 (6.) Karim Haggui
1:1 (12.) Zvjezdan Misimovic
2:1 (56.) Glauber (Eigentor)
3:1 (59.) Theofanis Gekas
4:1 (82.) Stefan Kießling

Unverhofft kommt oft und so staunte der geneigte Clubfan schon am Samstag vor dem Clubspiel nicht schlecht als die bisher eher harmlosen Cottbusser plötzlich echte Energie im Abstiegskampf aufbrachten und ausgerechnet gegen die Bauern den Endspurt um den Klassenerhalt eröffneten. Ein typischer Bigpoint, der die Lausitzer unverhofft vom Tabellenende ans rettende Ufer katapultierte, während der Club sich weiter damit trösten wird, dass es auch nach der unnötigen Packung in Leverkusen nur zwei Punkte zu Platz fünfzehn sind.
Der FCN wartet also auch nach dem siebten Spiel unter Thomas von Heesen auf den ersten Dreier und bleibt seinerseits den Beweis schuldig, den die Cottbusser am Wochenende lieferten: Nämlich, dass es in der Bundesliga durchaus möglich ist, auch als Kellerkind einen großen Namen niederzukämpfen. Die tragische Betonung liegt hier jedoch vor allem auf der letzten Silbe des letzten Wortes im vorangegangenen Satz. Denn dass der Club spielerisch in der Eliteliga Deutschlands durchaus mithalten kann, hat er trotz der inzwischen 14. Niederlage im 24. Spiel durchaus beweisen können. Das Problem war jedoch auch in Leverkusen wieder deutlich sichtbar: Ohne Kampf nutzt das schönste Spiel nichts.
So gab es auch im Westen der Republik für den Club im Abstiegskampf nicht wirklich neue Erkenntnisse. Eine Halbzeit lang schafften es Männer von Ex-Trainer Hans Meyer Paroli zu bieten, mehr als das sogar: Es war die ein oder andere Chance dabei, mit einer Führung in die Halbzeit zu gehen. Am Ende nutzte dies indes wieder einmal wenig, denn man steht mit leere Händen da.
Und es begann alles andere als vielversprechend für die Franken. Keine 120 Sekunden waren gespielt, ehe die durch das Erreichen des UEFA-Cup-Viertelfinales vor Selbstbewusstsein strotzenden Leverkusener zu ihrer ersten Chance kamen. Bernd Schneider hatte geflankt, Theofanis Gekas geköpft und Daniel Klewer musste den Ball mit artistischer Flugeinlage über die Latte lenken. Kaum fünf Minuten später klingelte es dann aber doch im Tor vom FCN. Dieses Mal kam der Ball nach einem Eckball hoch in den Clubstrafraum, Simon Rolfes sprang am höchsten und zwang Daniel Klewer zu einer zu knappen Abwehr. Karim Haggui stand genau richtig und staubte in der sechsten Minute zur Bayer-Führung ab.
Erfreulich und durchaus überraschend in Bezug auf den bisherigen Saisonverlauf: Der Club ließ sich von dem frühen Rückstand wenig beeindrucken und wurde für sein mutiges Spiel nach vorne prompt belohnt.
Jan Koller hatte sich in der zwölften Minute im Sturmzentrum gut behaupten können, legte den Ball auf Zvjezdan Misimovic ab und der Bosnier traf zum siebten Mal in dieser Saison.
In der Folgezeit zeigte sich dann vor allem der Gastgeber beeindruckt. Der Club hatte Spiel und Ball sicher im Griff und erarbeitete sich bis zur Pause durch Koller (13.), Dominik Reinhardt (21.) und Ivan Saenko (31.) durchaus Chancen mit einer Führung in die Halbzeit zu gehen. Bis zum Pausenpfiff von Schiedsrichrer Weiner gab es an der Leistung der Nürnberger nichts auszusetzen. Offenbar war es dann jedoch Bayer-Trainer Michael Skibbe, der bei der Kabinenansprache die richtigen Worte fand. Während die Clubberer nämlich fortan wie ein Absteiger auftraten, sowohl Gegner als auch Ball zuschauend laufen ließen, zeigte die Werkself, warum sie in dieser Saison so weit oben in der Tabelle steht. Zweikämpfe wurden angenommen, der Ball sicher in Richtung gegnerisches Tor kombiniert und schließlich in der 56. Minute dort untergebracht. Vratislav Gresko war auf der linken Seite bis zur Grundlinie durchgetankt, hatte nach innen geflankt, wo Glauber den Ball unglücklich ins eigene Tor lenkte.
Während der Führungstreffer für die Rheinländer jedoch noch ein wenig glücklich wirkte, begann mit dem Rückstand beim Club das große Betteln nach einem weiteren Gegentreffer. Das Fussballspielen wurde komplett eingestellt, die vorher so sicher wirkende Abwehrreihe um Andreas Wolf und Glauber stand nun im Sicherheitsabstand von drei bis vier Metern zu ihren Gegenspielern. Bayer Leverkusen indes ließ sich nicht lange bitten und legte nur drei Minuten nach dem Führungstreffer den Genickschlag für den Club nach.
Nach dem 3:1 durch Theofanis Gekas in der 59. Minute lief beim Club endgültig nichts mehr zusammen. Kein Ball kam mehr an, kein Zweikampf wurde mehr gewonnen, die Schönheit im Spiel starb an mangelndem Kampeswillen: Abstiegskampf sieht definitiv anders aus und wäre nicht vor allem Stefan Kießling derart sträflich mit seinen Chancen umgegangen, es hätte eine echte Klatsche für den Club geben können. Doch der Ex-Clubberer zeigte sich großzügig und verzichtete in der 62.Minute noch auf seinen sicheren siebten Saisontreffer. Vollkommen frei stehend zog er seinen Schuß aus fünfzehn Metern auf das leere Tor jedoch an die Latte. Letztlich war der Club mit dem vierten Gegentreffer noch gut bedient. Kießling hatte es sich in der 82. Minute dann doch noch anders überlegt und traf gegen seinen Ex-Verein aus kurzer Distanz.
Hätte es in den verbleibenen Minuten den durchaus möglichen fünften Gegentreffer für den Club noch gegeben, wäre das Team von Thomas von Heesen aufgrund der schlechteren Tordifferenz noch auf den letzten Rang der Tabelle abgerutscht. So blieb es letztlich bei Platz siebzehn und nun wieder zwei Punkten Rückstand zum rettenden Ufer. Für die, die am Sonntag in Leverkusen dabei waren und sich die zweite Halbzeit angetan haben, bleibt der knappe Rückstand auf den Nichtabtiegsplatz die einzige Hoffnung.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Arbeitsverweigerung

Eigentlich ist es eine Frechheit: Montag, früher Nachmittag in Berlin und die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel. Und das nach einem Spiel wie dem gestrigen. Als hätte es DER DISORDER geahnt, schreibt er schließlich schon in seinem Kommentar von letztem Montag, dass man sich in dieser Saison beim Club sicher sein kann, dass auf ein gutes Spiel wie das gegen den HSV vor Wochenfrist auch wieder ein schlechtes Spiel folgt.
Nun gut, seien wir nicht ganz so ungnädig, freuen wir uns an dem Wetter und geben zu, dass die erste Halbzeit in Leverkusen durchaus annehmbar war. Trotzdem sei erneut der Finger gehoben mit den Worten: Eine gute Halbzeit reicht nicht, wenn man am Ende des Spiels ohne Punkte dasteht. Allein mit guten Halbzeiten hält man die Klasse nicht.
Fürwahr ist diese sicherlich keine neue Erkenntnis und irgendwie hat der Autor dieser Zeilen mehr und mehr das Gefühl, er wiederholt sich. Durchhalteparolen auf der einen Seite, Beruhigungsversuche auf der anderen. Gebracht hat es bisher Alles nichts.
Im Gegenteil: Gerade nach dem zweiten und dritten Gegentor innerhalb weniger Minuten in Leverkusen, brachen plötzlich beim Club alte Untugenden auf, von denen man glaubte, Thomas von Heesen hätte wenigstens diese abgestellt.
Der Club hörte nach dem dritten Gegentor gestern einfach auf, Fussball zu spielen. Und das, obwohl noch ein gutes Drittel des Spiels vor ihnen lag. Hier bei diesem Kommentar fehlt nun auch das letzte Drittel. DER DISORDER hört hier einfach mal für heute auf.

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Bruderwochenende in Düsseldorf

Es ist und war, wie es so häufig ist und war: Ein wunderschönes Wochenende wird einem am Ende durch ein unterirdisches Clubspiel versaut. Es wird jedoch der Tag kommen, an dem dies nicht mehr kratzt. Der Tag wird kommen, an dem man das Geschehene genießen kann, ohne dabei an den Club zu denken. Und apropos Club: Der Bruder vom Disorder denkt sowieso nicht an den Club. Der ist nämlich Fan von Bayer Leverkusen. Fragen nach dem Warum können an dieser Stelle leider nicht beantwortet werden – allerdings hatte zumindest der Bruder so sein rundum schönes Wochenende.