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Fußball-Bundesliga 2007/2008, 20. Spieltag
[Sonntag, 24.02.2008 – 17.00 Uhr] 1.FC Nürnberg – Energie Cottbus 1:1 (0:0)

1:0 (58.) Marco Engelhardt
1:1 (59.) Dennis Sörensen

So brutal kann Fußball nur beim Club sein. Ach nee, Entschuldigung, das hatten wir ja am Donnerstag schon. Trotzdem wartet der Club auch nach dem vierten Spiel unter Thomas von Heesen und – noch viel schlimmer – auch nach dem sechsten Pflichtspiel des Jahres 2008 auf den ersten Sieg. Es beginnt die Selbstzerfleischung, nicht zu unrecht, dennoch völlig fehl am Platze.
Hoffnung bleibt jedoch wenig, wenn man sieht, wie der Sieg auch gegen Cottbus wieder verschenkt wurde. Gegen wen, wenn nicht zu Hause gegen Cottbus, will man denn noch gewinnen? Ein wenig ungläubig schauten die rot-schwarz gekleideten Fans schon, als der Gast aus der Lausitz in den ersten Minuten die Kontrolle im Max-Morlock-Stadion übernahm. Der Club begann nervös, ließ die Sorben schalten und walten, dass den Fans in der Nordkurve schlecht wurde.
Kein gutes Zeichen, dass es letztlich fast eine halbe Stunde dauerte, bis der Club das Spiel geordnet hatte und selbst zu ersten Chancen kam. Auf der rechten Seite setzte sich Marco Engelhardt in der 32. Minute durch und brachte den Ball in die Mitte. Gerhard Tremmel war jedoch vor Jan Koller zur Stelle. Fünf Minuten später zog Dominik Reinhardt nach Pass von Thomas Galasek einfach mal ab, fand jedoch ebenfalls seinen Meister in Tremmel. Egal, was die Clubberer versuchten: Zur Führung reichte es in den ersten fünfundvierzig Minuten nicht. Trotzdem ging es zuversichtlich in die zweite Hälfte und die rot-schwarzen Nürnberger wiesen die in müllmannorange gekleideten Cottbusser zunächst auch gehörig in ihre Grenzen. Angriff um Angriff wurde in Richtung Gerhard Tremmel vorgetragen.
Das erwünschte Ergebnis blieb jedoch bis zur 58. Minute aus. Dieses Mal tankte sich Jan Koller nach Kopfbalvorlage von Reinhardt auf der rechten Seite durch, gab den Ball flach und scharf nach innen und der sonst unsicher wirkende Marco Engelhardt konnte gar nicht anders, als den Ball aus kurzer Distanz unter die Querlatte ins Tor zu knallen. Der Club führte endlich verdient mit 1:0 und in der Nordkurve keimte die Frage auf, wann das zweite Tor folgen würde. Kaum einer der Jubelnden dachte zu dieser Zeit daran, dass das nächste Tor nicht lange auf sich warten ließ.
Es folgte jedoch keinesfalls das verdiente 2:0, sondern eben genau das, was nicht hätte passsieren dürfen. Die Müllmänner aus der Lausitz schafften nur eine Minute später den Ausgleich. Dominik Reinhardt fand auf der rechten Abwehrseite kein Mittel gegen den heran stürmenden Dennis Sörensen und fälschte schließlich unhaltbar für den geschmähten Jaromir Blazek ab.
Genauso geschockt wie die Fans im Max-Morlock-Stadion, brachten die Männer von Thomas von Heesen in den Folgeminuten wenig Zwingendes auf den grünen Rasen. Zwar wurde der Ball durchaus gefällig in den eigenen Reihen hin und her geschoben und die Energie von Cottbus verpuffte meist schon nach einem erfolgreichen Abwehrversuch, doch wirklich zwingende Aktion vermisste die Nordkurve bis zum Ende des Spiels. Angelos Charisteas sorgte durch einen Fernschuß in der 74. Minute nochmal für Aufregung, scheiterte letztlich jedoch genau so wie Jan Koller mit seinen Kopfball in der 75. Minute und Marek Mintal in der 80. Minute mit seinen erneuten Fernschuß. Echte Torchancen sehen jedoch anders aus. Kurz vor Schluß konnte auch Jan Mitreski noch vor dem einschussbereiten Charisteas retten.
Am Ende des Spiels wiederholte sich die Szenerie des Rostock-Spiels. Das Stadion pfiff, die Nordkurve jubelte und sprach ihren Spielern Mut zu. Einziger und trauriger Unterschied: Jaromir Blazek scheint sich mehr und mehr zum Sündenbock der Fans zu entwickeln. Die Nordkurve pfiff ihn gnadenlos aus, fordert schon zur Hälfte der zweiten Halbzeit einen Daniel Klewer und konnte aus der Entfernung gar nicht gesehen haben, dass Dominik Reinhardt den Ball zum Ausgleich unhaltbar für den Tschechen abgefälscht hatte. Trotzdem und bei allem Wohlwollen bleibt natürlich die Kritik, dass Blazek es bisher vermissen ließ, was Energie-Schlußmann Gerhard Tremmel in den letzten Minuten der Begegnung für sein Team war: Ein echter Rückhalt. Egal, was der Rotschopf aus der Lausitz im Sturm und Drang der letzten fünf Minuten vom Club auf das Gehäuse bekam: Tremmel war da und hatte zumindest eine Faust zwischen Stürmerkopf und Ball. Bleibt die Frage, ob ein Daniel Klewer solch ein Rückhalt sein kann. Wenn Thomas von Heesen die Anzeichen dazu in den letzten Trainingseinheiten gesehen hätte, hätte er wahrscheinlich längst reagiert. Und wer könnte in der Torwartfrage besser und einfacher reagieren als ein neuer Trainer? Auf der anderen Seite hat auch ein Bojan Prasnikar bei Energie drei Bundesliga-Spiele gebraucht, ehe Denkmal Tomislav Piplica auf die Bank gesetzt wurde.
Blazek ist mitnichten ein Denkmal in Nürnberg, wird es wahrscheinlich auch nie werden: Trotzdem sollte sich jeder einzelne Clubfan, der am Sonntag nach Daniel Klewer gerufen hat, mal ernsthaft und in nüchternem Zustand danach fragen, ob der Torwart wirklich das Problem ist. Marco Engelhardt hat zwar inzwischen das ein oder andere Tor für den Club gemacht. Ein Stürmer ist er dennoch bei Leibe nicht. Und die Erfahrung hat doch gezeigt: Der Club muss halt mal mindestens zwei Tore machen, um zu gewinnen. Das war schon in der letzten Saison bis auf wenige Ausnahmen so. Die Unsicherheit hat sich längst in den Köpfen festgefressen. Und sie lässt erst wieder los, wenn man ihr mit der Sicherheit entgegen tritt, dass wir nicht absteigen werden. Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube. Das Zitat ist mindestens so alt wie die letzte Meisterschaft vom Club. Trotzdem bleibt es genau die Botschaft, die die Spieler vom Club im Moment am wenigsten brauchen können.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

So, und nun?

89. Minute am Sonntag-Abend. Der Disorder steht in der Nordkurve, kratzt nervös an seinem Bart und hofft letztlich vergeblich auf ein Last-Minute-Wunder wie es Benfica Lissabon nur wenige Tage zuvor erlebt hat.
Das Wunder bleibt aus. Der Club krampft sich zum 1:1 und würde der letzte Zug nach Berlin nicht um 19:37 Uhr fahren, stände der Disorder auch Stunden nach dem Abpfiff noch in der Kurve und würde sich ratlos den Bart kraulen. Über jeden Moment der Saison würde er nachdenken, über jeden kleinen Moment, sich an jeden noch so kleinen Anker der Hoffnung klammern, ihn nicht mehr loslassen.
Wieder nur Unentschieden, wieder den Sprung ans rettende Ufer verpasst. Wieder alles vergeigt, was man sich vorgenommen hatte und worauf die Fans seit nunmehr Monaten warten. Der Befreiungsschlag lässt weiter auf sich warten.
Die Situation ist sicherlich nicht neu in dieser Saison. Als Pokalsieger in die Saison gegangen, gegen Europas Größen mehr als mitgehalten und trotzdem gegen potentielle Zweitligisten nicht den entscheidenden Treffer erzielt.
Mittlerweile ist der Club selbst zum potentiellen Zweiligisten gereift. Gegen wen, wenn nicht zu Hause gegen Rostock oder Cottbus, will man in der Bundesliga überhaupt noch gewinnen?
Immerhin blieb den Altvorderen nach dem Rostock-Spiel noch die Option der Notbremse. Wohl vor allem, weil ein Thomas von Heesen scharrend in den Startlöchern stand, wurde der rote Hebel gezogen und das Denkmal Hans Meyer in einer Art und Weise vom Sockel gestoßen, wie es jedem Drittligisten gut zu Gesichte stehen würde.
Mag Thomas von Heesen auch durchaus ein fähiger Mann sein und auf lange Sicht vielleicht eine der besten Lösungen, die dem Club passieren konnte. Doch, sorry Herr von Heesen, was wirklich zählt, sind kurzfristige Erfolge – und die sind bisher leider ausgebleiben.
Wahrscheinlich sind Sie klug genug, dass Sie dies auch vor ihrer Unterschrift als Cheftrainer des FCN schon gewusst haben. Trotzdem würde der sich am Bart kratzende Disorder gerne wissen, was ihnen nun noch als Lösung einfällt.
Denn wenn er sich daran erinnert, wie er sich in der Dunkelheit des Novembers im dachlosen Gästeblock der Bielefelder Schüco-Arena hat vollregnen lassen, gleichzeitig aber mit ansehen muss, wie der MSV Duisburg dort auf der Alm locker flockig mit zwei Toren Unterschied gewinnt, dann kommen dem Disorder eben die Tränen.
Drauf geschissen, dass wir im UEFA-Cup rausgeflogen sind. Für die Fahrt nach Madrid hätte ich wahrscheinlich sowieso keinen Urlaub bekommen.
Doch ein Unentschieden zu Hause gegen direkte Konkurrenten reicht eben nicht. Ok, ok, die lange Verletztenliste, ein Torwart, der oft unglücklich aussieht und keinerlei Sicherheit ausstrahlt, die Doppelbelastung UEFA-Cup/Bundesliga… Alles schön und gut.
Doch bei allem Hin- und Her bleibt am Ende eben die Frage, die ich schon am Anfang gestellt habe: Was nun? Der Trainerwechsel hat bisher nicht wirklich was gebracht. Die Schonfristspiel e sind vorbei, das erste Endspiel wurde in den Sand gesetzt.
Ähnlich wie es vorher bei Hans Meyer war, ähnlich wie die Diskussion nun bei Jaromir Blazek aufkommt, werden nun nicht nur in den einschlägigen Foren die Fragen aufkommen, ob wer wann und warum Schuld an dem Dilemma ist.
Doch diese Frage ist falsch, liebe Stammtischclubtrainer. Es kommt im Moment nicht darauf an, einen Schuldigen zu suchen. Im Gegenteil: Es kommt darauf an, möglichst schnell möglichst eng zusammen zu rücken und sich gemeinsam an den eigenen Haaren aus dem Schlamassel zu ziehen. Nur so kann der Klassenerhalt noch geschafft werden.