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Fussball-Bundesliga 2007/2008, 19.Spieltag
[Samstag, 09.02.2008 – 15.30 Uhr] 1.FC Nürnberg – Hansa Rostock 1:1 (1:1)

1:0 (19.) Jan Koller
1:1 (28.) Christian Rahn

Im Abstiegsduell des 19. Spieltages in der Fußball-Bundesliga gab es am Samstag beim Spiel zwischen dem Club und Hansa Rostock keinen Sieger. Der Club verpasst damit den Sprung von den Abstiegsrängen und muss nun sehen, wie er in der nächsten Woche in Bremen zu Punkten kommt. Es bleibt die Frage, wie die Männer von Hans Meyer dies in der Verfassung, in der sie sich gegen die Hansa-Kogge zeigten, schaffen wollen.
Dabei begann das Team von Hans Meyer durchaus beherzt und spielerisch gefällig. Schnell übernahmen die Rot-Schwarzen die Herrschaft im eigenen Stadion. Bereits in der siebten Minuten nahm sich Dominik Reinhardt, der in der Offensive wesentlich besser spielte als in der Defensive, ein Herz und zog einen indirekten Freistoß auf das Hansa-Tor. Den abgewehrten Ball konnte Javier Pinola leider nicht verwerten. Nur zwei Minuten später jubelte der Großteil der 37.000 Zuschauer das erste Mal. Angelos Charisteas hatte an seinem Geburtstag ins Schwarze getroffen, stand beim Pass von Javier Pinola jedoch leider im Abseits. In der 19. Minute dann endlich die verdiente Belohnung für die Bemühungen der ersten Minuten. Jan Kristiansen hatte von halbrechts nach innen genau dorthin geflankt, wo Jan Koller nur noch seinen Kopf hinzuhalten brauchte. Der Tscheche traf zum ersten Mal in einem Pflichtspiel für den Club.
Nur wenige Minuten später folgte auf Nürnberger Seite die erste Auswechselung des Spiels. Wie schon gegen Karlsriuhe, als Peer Kluge nach einer knappen halben Stunde aus dem Spiel genommen werden musste – sollte auch dieser Wechsel nicht ohne Folgen für den Club bleiben. Zvjezdan Misimovic hatte sich jedoch ohne Einwirkung des Gegners verletzt und musste mit Verdacht einer Bänderbehnung im Fuß aus dem Spiel genommen werden. Ohne Misimovic fehlte dem Club der Motor. Der Bosnier war in der ersten halben Stunde der erhoffte Antreiber im Mittelfeld und seine Ideen wurden fortan für den Rest des Spiels schmerzlich vermisst. Der eingewechselte Ivan Saenko gab sich zwar Mühe, konnte jedoch keineswegs für Akzente sorgen.
In der 26. Minuten – also nur eine Minute nach Misimovics Auswechselung – kam die prompte Quittung. Die Club-Verteidung ohne ihren Leit-„Wolf“ agierte selten blöd und rückte zu weit auf. Christian Rahn nahm die Einladung gerne an und glich mit einem Heber über den indisponierten Jaromir Blazek gekonnt aus. Nach dem Ausgleich fiel den Männern in den weinroten Trikots nicht mehr viel ein. Wie schon in Karlsruhe agierte der Tabellensechszehnte in dieser Phase wie ein echter Absteiger. Einziger Trost für den wohlgesonnenen Clubberer: Hansa tat es keinen Deut besser.
Auch nach der Pause entwickelte sich kaum so etwas, das den Namen „Fußballspiel“ verdient hätte. Die Franken erspielten sich zwar – wie schon so oft in dieser Saison – einen knappen Feldvorteil, doch zu zwingenden Chancen kamen sie erst in der Schlußphase des Spiels. So flankte Peer Kluge in der 75. Minute von der linken Seite. Ivan Saenko gab per Kopfball zurück in die Mitte, wo Jan Koller mit dem Rücken zum Tor stehend nur knapp den Ausgleich verfehlte. Eine Minute später versuchte es Saenko mit einem Flachschuß selbst, verzog jedoch knapp. In der 85. Minute war es noch einmal Koller, der den Rostocker Keeper Wächter mit einem Kopfball prüfte. Ein Tor für den Club gab es jedoch ebenso wenig wie bei Nicky Adlers Großchance in der Nachspielzeit. Der Ex-60er stand plötzlich völlig allein im Strafraum, bekam den Ball jedoch nicht unter Kontrolle.
Es blieb schließlich beim 1:1, welches Rostock sicher mehr hilft als dem Club. Drei Punkte vor dem schweren Auswärtsspiel bei Werder Bremen wären Pflicht gewesen. So verließen ratlose Clubberer und auch ein ratloser Trainer das Stadion. Jan Koller stammelte zum Abschluß noch in die Mikrofone: „Das ist wenig. Wollten drei Punkte mitnehmen, aber kriegen wieder so ein leichtes Gegentor. Das ist nicht normal. Wir haben, naja…, ok?“ Ok ist es nicht, aber viel mehr lässt sich zur Leistung des Club auch nicht sagen.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Nicht nur der Baum brennt

Nun brennt er also: Der Baum. Und liest man die diversen Presseberichte, schaut sich in den einschlägigen Internet-Foren um oder hört einfach nur den Verantwortlichen zu, könnte man meinen: Nicht nur der Baum brennt, sondern längst das ganze Haus.
Ein 1:1 zu Hause gegen einen direkten Mitabstiegskonkurrenten ist zweifellos wenig. Doch muss man gleich so tun, als sei der Club schon abgestiegen? Denn ob das 1:1 gegen Rostock zu wenig war, wird sich letztlich doch erst nach dem 34. Spieltag zeigen. Bis dahin sind es noch 15 Spiele in der Bundesliga und damit rein theoretisch noch 15 Möglichkeiten dreifach zu punkten. Wer wird denn den Kopf in den Sand stecken, so lange es rein theoretisch noch die Möglichkeit gibt, sich an den eigenen Haaren aus dem Dreck zu ziehen? Ich für meinen Teil werde es nicht tun. Im Gegenteil: Die Lage ist ernst genug und ich bin der Letzte, der weiterhin mit rosaroter Vereinsbrille durch die Gegend läuft und auf den lieben Fussballgott vertraut. Doch noch einmal nachzutreten bei Jemandem, der schon am Boden liegt, ist eben auch nicht mein Ding.
Das soll nun nicht heißen, dass wir Fans keine Kritik mehr äußern sollten. Im Gegenteil: Kritik ist wichtig und hilft so manches Mal schon allein dadurch, dass sie eventuell Denkanstöße liefert. Doch die Hilflosigkeit, mit der allerorten im Moment nach Schuldigen für die Misere gesucht wird, zeigt doch auch, dass es diesen einen Alleinschuldigen nicht gibt. Und genauso wenig, wie es diesen Alleinschuldigen gibt, gibt es einen alleinigen Retter. Der Karren steckt im Dreck und nur, wenn alle zusammen in die selbe Richtung ziehen, besteht überhaupt noch die Chance, irgendwann wieder freie Fahrt zu haben.
Wie gesagt: Kritik von Fans ist wichtig und unersetzbar. Doch die Betonung liegt in diesem Falle auf dem Wort „Fan“. Denn bei aller Kritik steht der echte Fan am Samstag wieder in der Nordkurve, brüllt sich die Seele aus dem Leib und verdrückt ein Freudentränchen, wenn der Club ein Tor geschossen hat.
Alle Anderen sind doch bestenfalls Anhänger, Erfolgsfußballgucker und Meinungsmitschwimmer. Leute, die nach drei Siegen in Folge schon immer wussten, dass der Club der geilste Verein der Welt ist und die sich bei zwei Unentschieden nacheinander am Samstag selbst bei bestem Wetter nicht im Stadion blicken lassen.
Zum Glück ist der Club weder bei Erfolg noch bei Mißerfolg auf diese Leute angewiesen. Was der Club – gerade in einer Situation wie der momentanen Erlfolgslosigkeit – am meisten braucht, sind die echten Fans. Fans, die nach vorne peitschen, die aufhelfen, wenn es scheinbar nicht mehr weiter geht. Fans, die zeigen, dass die elf Männer da unten in ihren rot-schwarzen Trikots nicht allein sind. Auf geht’s, Nürnberg, schieß ein Tor! Ich freue mich auf Lissabon.