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UEFA-Pokal 2007/2008, Gruppenphase – 3.Spieltag
[Donnerstag, 29.11.2007 – 17.00 Uhr] Zenit St. Petersburg – 1.FC Nürnberg 2:2 (0:1)

0:1 (26.) Angelos Charisteas
1:1 (76.) Pavel Pogebniak
2:1 (79.) Aleksey Ionov
2:2 (84.) Leon Benko

Der Club auf Rundreise durch Europa. Zweites Kapitel: Der Punkt, der aus der Kälte kam. Nach dem Gastspiel im eher sommerlichen Bukarest nun das komplette Kontrastprogramm. Aber man gönnt sich ja sonst nichts und so fährt man halt mit – in die Winterhauptstadt St. Petersburg.
Etwa 500 auf verschiedensten Wegen angereiste Clubfans bibberten am Donnerstag im Petrowski-Stadion gleich aus doppelter Hinsicht mit. Zum Einen war da natürlich die Kälte. Aus zuverlässigen Quellen wurden zu Ende der zweiten Halbzeit -14°C im Stadion vermeldet. Zum Anderen war da jedoch auch dieses Spiel. Zweites Spiel der Gruppenphase beim frisch- gebackenen russischen Meister. Alle waren sich einig: Was zählt, ist die Bundesliga, der UEFA-Cup ist die Kür. Doch dann führt der Club bei der Kür plötzlich mit 1:0 und jeder Versuch der Selbstberuhigung schlägt fortan kläglich fehl. Jetzt wollen wir das Ding auch nach Hause schaukeln. Doch der Reihe nach: Mit der selben Startelf wie gegen Lüdenscheid ging es auch in St. Petersburg los. Nicky Adler durfte stürmen und Ivan Saenko musste in seiner russischen Heimat zunächst auf der Bank schmoren.
Die erste Chance hatte Zenit. Pavel Pogrebnyak wurde frei gespielt und startete in der 15. Minute allein auf Club-Torhüter Jaromir Blazek zu. Doch der Zenit-Stürmer stand im Abseits und jede Aufregung um den knapp verzogenen Ball war somit umsonst. Der Club kam danach recht schnell besser ins Spiel und Marek Mintal vergab in den Minuten neunzehn und zweiundzwanzig zwei gute Chancen. Zunächst fand er bei einem satten Linksschuss in Torhüter Kamil Contofalsky seinen Meister, dann verzog er einen Volleyschuss nach präziser Flanke von Zvjezdan Misimovic. Besser machte es dann in der 25. Minute Angelos Charisteas – wenn auch mit viel Glück und gleichzeitiger Unterstützung des Gegners.
Der Grieche wurde von Misimovic frei gespielt und hielt aus halblinker Position einfach mal drauf. Nicolas Lambaerts – ein Belgier in der russischen Abwehr-formation – fälschte den Ball unglücklich ab und ließ seinen Torwart Contofalsky extrem unglücklich aussehen. Der zur Bogenlampe mutierte Schuss konnte vom slowakischen Keeper jedenfalls – trotz heftiger Ruderbewegungen mit den Armen – nicht mehr abgewehrt werden. Nach kurzer Schockverdauung zeigte Zenit dann, was sie vor allem technisch drauf haben. Der Ball lief sicher durch die Reihen der von Dick Advocaat trainierten Russen und so manches Mal liefen die Clubberer wie chancenlose Marionetten hinter- her oder standen gar als Slalom- stangen zur Verfügung. Bei gefühlten -30°C hatten die Zenit-Spieler allein vor der Pause gefühlte 20 Großchancen, die jedoch allesamt kläglich vergeben wurden. Vor allem Top-Torjäger Pavel Pogrebnyak vergab Chancen für eine ganze Fussball-Saison und konnte auch von Unsicherheiten durch Tomas Galasek und Jaromir Blazek nicht profitieren. In der 37. Minute schob Pogrbnyak dem Tschechen im Club-Gehäuse den Ball völlig frei stehend aus drei Metern in die Arme.
In der zweiten Hälfte hatte man dann zunächst den Eindruck, die Petersburger hätten ihr Pulver verschossen oder im Geiste bereits aufgegeben. Der eingewechselte Ivan Saenko und Marek Mintal hatten in dieser Phase des Spiels sogar die Chance, den Club mit 2:0 in Führung zu bringen. In der 57. Minute hatte Saenko nach klugem Pass von Misimovic fast die gesamte Zenit-Abwehr ausgespielt und war auch am Torhüter bereits vorbei. Aus spitzem Winkel scheiterte der Russe mit seinem Schuss jedoch an einem Landsmann auf der Linie.
Eine knappe Viertelstunde vor Schluss dann doch noch das, wovor alle Clubfans gezittert hatten. Marco Engelhardt hatte in der 76. Minute auf der linken Seite hinten gepatzt und Pogrebnyak nutzt schließlich doch noch eine seiner vielen Chancen und verwandelt die scharfe Hereingabe frei stehend vor Blazek. Doch damit nicht genug. Nur zwei Minuten später musste Blazek erneut hinter sich greifen. Wieder war der Angriff über links gekommen. Dieses Mal stand Ionov genau richtig und kippte das Spiel. Der Club lag nach ansprechender Leistung wieder hintern und es schien, als sollte er auf europäischer Fussballbühne weiter Lehrgeld bezahlen. In der 82. Minute gab dann jedoch Misimovic noch einmal eine Ecke von der rechten Seite herein. Der nur wenige Minuten zuvor eingewechselte Leon Benko stieg in der Mitte am höchsten und köpfte den Ausgleich. Die Clubfans hüpfen vor Freude und schlugen somit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn nur kurze Zeit später war auch das Zittern vor einem weiteren Gegentor zu Ende. Durch den Punktgewinn hat der Club es nun nach zwei Spielen selbst in der Hand durch zwei Siege in den letzten beiden Begegnungen gegen Alkmaar und in Larissa bzw. Volos die nächste Runde zu erreichen und sogar auf europäischer Bühne zu überwintern.
Wichtiger bleibt natürlich trotzdem die Bundesliga, denn dort geht es nicht allein ums Überwintern. Mit dem Punkt-gewinn aus Russland im Gepäck dürfte es den Männern von Hans Meyer jedoch kaum am Selbstbewusstsein mangeln, das man für einen Sieg beim MSV Duisburg braucht.

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Die schöne Stadt

Ja, St. Petersburg ist definitiv einen Besuch wert – auch wenn der Club nicht gerade dort spielt. Allerdings sollte man die nördlichste Millionenstadt der Welt dann vielleicht eher im Sommer besuchen. Im November jedenfalls kann es mitunter schon mal sehr, sehr kalt werden. Nach dem Städtetrip wurde man am Stadion von grimmig dreinblickenden Uniformträgern in Empfang genommen. Kurz, knapp und mit einer Stimme, die überhaupt keinen Zweifel aufkommen ließ, wer hier nun gerade das Sagen hat, wurde man am Stadion mit den Worten begrüßt: »Nürnberg? Mitkommen!«
Die kurzzeitig aufkommende Besorgnis, man würde nun einfach abgeführt und wortlos in irgendeinen Kerker gesperrt, entpuppte sich zum Glück als unbegründet. Der Mann mit der Uniform führte uns lediglich auf einem sicheren Weg in Richtung Gästeblock. Das mag verwunderlich klingen, doch die Tatsache, dass das Stadion von Zenit auf einer Insel liegt, lässt durchaus die Vermutung zu, dass es ohne Führung auch zu unerfreulichen Begegnungen hätte kommen können.
So aber ist der Gesamteindruck mehr als positiv. Der Disorder durfte sich nach dem Spiel sogar noch eines auf eine Serviette gekritzelten Liebesbriefes erfreuen und auch Torsten wurde irgendwann wieder gesund. Der arme Mann hatte sich mit einer fetten Grippe nach Russland geschleppt, sich am Tag der Ankunft und des Spieles im Hotel noch einmal hingelegt, um für zwei Stündchen etwas Kraft zu sammlen, war dann jedoch dermaßen tief entschlummert, dass er am Ende die Nacht durchschlief, das Clubspiel natürlich verpasst hatte und vor lauter Frust einfach im Bett blieb, bis es hieß: Jetzt aber raus aus dem Hotelzimmer und zum Flughafen – der Rückflug warten. Kann man durchaus auch mal machen: Nach St. Petersburg fliegen, um dann mit Grippe zwei Tage im Bett zu liegen…