Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Fußball-Bundesliga 2007/2008, 3.Spieltag
[Samstag, 25.08.2007 – 15.30 Uhr] 1.FC Nürnberg – Werder Bremen 0:1 (0:1)

0:1 (69.) Martin Harnik

Endlich ist der Club wieder der Depp, den man die letzten zwei Jahre so schmerzlich vermisst hat. Zweites Heimspiel – zweite Niederlage – das erinnert an alte, längst abgehakte Abstiegsjahre. Zwar steht man noch auf einem sicheren 15. Tabellenlatz, aber Trainergott Hans Meyer hat schon recht, wenn er sagt: „Wenn nicht schnell alle aufwachen, steht uns eine ganz komplizierte Saison bevor.“
In einem äußerst schwachen Spiel erspielten sich die Spieler mit den weinroten Trikot in der ersten Halbzeit zwar durchaus Spielvorteile. In Zählbares konnte die unauffällige Feldüberlegenheit jedoch nicht umgemünzt werden. Einzig eine Chance von Robert Vittek sorgte in der 31. Minute für ein Raunen im Publikum. Ansonsten blieben die Sturmspitzen schwach – auch, weil aus dem Mittelfeld keine verwertbaren Bälle kamen. Thomas Galasek und Peer Kluge standen in der Defensive zwar gewohnt sicher, konnten im Spiel nach vorne jedoch keine Impulse liefern.
Fussballgott Mintal bemühte sich ebenfalls redlich, blieb in der Konsequenz jedoch glücklos. Auch der in 60. Minute eingewechselte Zvjezdan Misimovic konnte keinerlei Zeichen setzen.
Und so kam es schließlich wie es kommen musste und wie es vele Zuschauer in der Pause schon geahnt hatten. Ein einziges Mal passt Dominik Reinhardt auf der linken Abwehrseite nicht auf und lässt den frisch eingewechselten Martin Harnik in der 69. Minute in den Strafraum ziehen. Der Österreicher, der unter der Woche sein Debüt im Nationalteam der Alpenrepublik gegeben hatte, lässt sich nicht zweimal bitten und schiebt den Ball aus kurzer Distanz an Jaromir Blazek vorbei ins kurze Eck des Nürnberger Gehäuses.
Fortan stellte der Deutsche Meister von 2004 geschickt die Räume zu und begnügte sich damit, den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten. Angesichts der stumpfen Nürnberger Spitzen kein allzu schwieriges Unterfangen. Aufregung gab es jedenfalls noch einmal als Diego in der 89. Minute den Ball im eigenen Strafraum mit der Hand spielte. Der Einzige im Stadion, der dies nicht sah, war der überaus schwache Schiedsrichter Meier, der bei vielen Entscheidungen daneben lag. Der Pfiff nach Diegos Handspiel blieb jedenfalls aus und so wäre Werder nach einem erneuten Schnitzer von Club-Keeper Jaromir Blazek sogar fast noch zum zweiten Treffer gekommen.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Was der Erfolg so mit sich bringt

Samstag, 25. August 2007. Ich stehe in der Nordkurve und quäle meine Augen mit dem Grottenkick gegen Werder Bremen. Es ist eng geworden in der Kurve. Früher in der Regionalliga gegen Burghausen war hier mehr Platz. Aber vor allem war die Stimmung irgendwie besser.
Was ist denn nur los? Mehr Menschen – weniger Stimmung? Wie passt denn das? Ich schaue mich um, denn das Geschehen auf dem Rasen benötigt wenig Aufmerksamkeit. Hier ein Familienvater mit seinen Töchtern, dort zwei Bänker im Nadelstreifenanzug, die anscheinend direkt aus dem Büro gekommen sind. Keine Frage: Der Club ist in. Denn der Club ist wieder erfolgreich – zumindest gewesen, wenn ich mir das Ballgeschiebe auf der grünen Wiese da unten so anschaue.
27000 Dauerkarten sprechen eine deutliche Sprache und sind für den Verein sicherlich alles andere als ärgerlich. Ärgerlich ist nur, was der Erfolg aus meiner Nordkurve gemacht hat. Da wird in urfränkischer Art schon über Gegentore gemeckert, die noch gar nicht gefallen sind und jeder Fehlpass mit einem dummen Spruch kommentiert – gefolgt von der Frage: Wie heißt denn der Spieler überhaupt?
Von Anfeuerung jedenfalls keine Spur. Fangesänge werden geflissentlich überhört, weil man den Text sowieso nicht kennt, Schals sind Mangelware, weil sie nicht zum Anzug passen und das hochstrecken der Hände ist sowieso viel zu anstrengend. Also gut, applaudieren kann man ja mal – obwohl der Ball meilenweit am Tor vorbei ist und meine Oma das Ding besser geschossen hätte.
Liebe Leute – ja, ich finde es auch fantastisch, dass der Club den Pokal geholt hat und sich nach vielen Jahren auch endlich wieder auf europäischer Bühne präsentieren darf. Und ich finde es auch fantastisch, wenn das Stadion voll ist und ihr Eure Familienausflüge am Samstag zum Club verlegt.
Aber bitte, liebe Leute, könnt Ihr Euch nicht ein Ticket für die Haupttribüne oder die Gegengerade kaufen? Muss es ausgerechnet die Nordkurve sein? Hier müsst Ihr stehen – woanders könnt Ihr sitzen.
Und gerade das Spiel gegen Bremen hat es doch gezeigt: Die Mannschaft braucht im Moment jede Menge Unterstützung – jede Stimme, jede Kehle, jedes Händeklatschen. Nörgeln ist zwar einfacher, hilft aber Niemandem weiter. Die, die sich am meisten über die momentanen Unzulänglichkeiten ärgern, stehen da unten auf dem Rasen. Und gerade, weil es im Moment nicht so läuft, brauchen die da unten die Nordkurve mehr denn je. Oben zu bleiben ist verdammt nochmal tausendmal schwerer als nach oben zu kommen.
Also, liebe Leute, liebe Erfolgsfans: Herzlich Willkommen im Stadion, aber dann bitte nach links abgebogen: Auf die Gegengerade und viel Spaß!

Galerie

Lahmer Club, lahmes Werder, lahmes Spiel

Der Disorder auf dem Weg zum Club nach Nürnberg. Eine dumme und unnötige Niederlage gegen Werder – und schon die zweite Heimpleite im zweiten Heimspiel der Saison. Am Abend treffen sich der Südstädter und der Disorder, machen erst einen auf Kultur und stürzen dann zusammen mit dem Coblenz im Bela Lugosi ab. Mit dickem Schädel geht’s dann am nächsten Morgen noch in die Pokalausstellung.