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Zweite Bundesliga 2017/2018, 29. Spieltag
Samstag, 07.04.2018 – 13.00 Uhr
1.FC Nürnberg – 1.FC Heidenheim 3:2 (3:1)

0:1 (28.) John Verhoek
1:1 (30.) Hanno Behrens
2:1 (31.) Eduard Löwen
3:1 (38.) Marvin Stefaniak
3:2 (52.) Nikola Dovedan

Nach zuletzt fünf Spielen ohne Sieg hat der Glubb im Heimspiel gegen den 1.FC Heidenheim endlich wieder ein Erfolgserlebnis für sich verbuchen können. Am Ende stand es 3:2 für den FCN, der damit den zweiten Platz im Klassement sichern konnte. Da Verfolger Holstein Kiel im eigenen Heimspiel gegen Darmstadt 98 nicht über ein torloses Unentschieden hinaus kam, beträgt der Vorsprung auf Relegationsplatz drei nun wieder vier Punkte. Der Rückstand auf Klassenprimus Düsseldorf hat sich auf drei Punkte verkürzt, weil die Fortuna zu Hause gegen den VfL Bochum mit 1:2 patzte.

Eine lästige Pflichtaufgabe

So weit die trockenen Fakten rund um einen Arbeitssieg, der schon vor der Partie als Pflichtaufgabe angesehen wurde. Wer aufsteigen will, muss ein Heimspiel gegen Heidenheim einfach gewinnen. Punkt. Aus. Ende. Keine Diskussion.

Die Faszination Fußball

Dass ein Fußballspiel jedoch aus sehr viel mehr besteht als nur aus trockenen Fakten und Pflichtsaufhaben, dürften gerade langjährige Clubfans mehr als nur zu gut wissen. Unter dem Strich war der Heimsieg gegen Heidenheim alles andere als die bloße Pflichterfüllung. Wer einer ahnungslosen Person die Faszination Fußball näherbringen möchte: Er nehme sich dieses Spiel als Anschauungsunterricht.

Lange Anlaufphase, aber dann…

Los ging es eigentlich erst nach knapp 30 Minuten. Auf beiden Seiten hatte man so ein wenig den Eindruck, die Teams würden sich gegenseitig einlullen. Torchancen waren auf beiden Seiten Mangelware und das fußballerische Niveau hielt sich mehr als übersichtlich.

Verhoek konnte gar nicht mehr anders

Dann jedoch kam John Verhoek. Der Stürmer aus Heidenheim hatte sich am Oberschenkel verletzt und lief nicht mehr rund. Aus diesem Problem machte der Mann eine Tugend: Er zog einfach mal aus 40 Metern ab… und traf! Aus dem Nichts führten die Gäste und im Nürnberger Anhang verbreitete sich fast augenblicklich die Angst vor dem nächsten sieglosen Spiel. Nicht zum ersten Mal lief der Glubb einem mehr als unglücklichen Rückstand im eigenen Stadion hinterher.

Der Club wacht auf und schlägt zurück

Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte, doch nur drei Minuten später alle wussten: Der Gegentreffer war für die Mannschaft von Michael Köllner eine Art Weckruf. Denn nur zwei Angriffe später stand es nach Treffern von Hanno Behrens und Eduard Löwen 2:1 für den 1. FC Nürnberg. Und da Heidenheim nach den beiden Rückschlägen alles andere als Sattelfest in der eigenen Verteidugiung stand, konnte Marvin Stefaniak in der 38. Minute sogar noch auf 3:1 erhöhen.

Ein bemerkenswertes Comeback

Bemerkenswert war bei den drei Treffern vor allem ein Mann. Sieben Wochen nach seinem Innenbandanriss im Knie, den er sich im Spiel beim FC St. Pauli zugezogen hatte, stand Mikael Ishak wieder in der Startelf – und war prompt an zwei der drei Treffer beteiligt. Doch nicht nur das: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hätte der Schwede fast selbst noch getroffen.

Köllner nimmt Ishak raus

Wie wichtig der Sturmtank für das Spiel des FCN ist, zeigte sich direkt mach dem Seitenwechsel. Hatte sich der Glubb vor der Halbzeit hoch überlegen gezeigt, den Gegner und das Spie fest unter Kontrolle gehabt, kamen die Gäste besser aus der Kabine. Michael Köllner hatte Ishak in Durchgang zwei sicherheitshalber aus dem Spiel genommen. Ob er es getan hätte, wenn er geahnt hätte, wie knapp es noch einmal wird?

Bredlow patzt

So aber saß Ishak auf der Bank und seine Mannschaftskollegen mussten nur sieben Minuten nach dem Seitenwechsel den Anschlusstreffer hinnehmen. Nach einer Flanke von Arne Teick irrte Fabian Bredlow orientierungslos durch seinen Fünfmeterraum, so dass Nikola Dovedan am langen Pfosten keine Mühe hatte, den Ball einzuköpfen.

Die Zugkraft fehlt

Der FCN antwortete auf den Rückschlag erneut mit eigenen Angriffen, doch die Zugkraft wie in Halbzeit eins hatte dies nicht mehr. Es fehlte ein Mikael Ishak, der die entscheidenden Räume frei machte. Behrens und der eingewechselte Tobias Werner scheiterten mit guten Möglichkeiten, doch insgesamt verflachte die Partie – blieb jedoch spannend. Denn auch nach hinten wirkte der Club längst nicht mehr so souverän wie in der ersten Hälfte.

Ein Schiedsrichter mit Tomaten auf den Augen

Entschieden hätte das Spiel dann in der 77. Minute sein können, wenn der schwache Schiedsrichter Johann Pfeifer seiner Pflicht nachgekommen wäre und nach einem klaren Handspiel des Heidenheimers Maximilian Thiel im eigenen Strafraum gepfiffen und auf Elfmeter entschieden hätte. So aber blieb es bis zum Schluss spannend. Auch, weil die Heidenheimer in der letzten Spielminute noch einmal einen Freistoß zugesprochen bekamen.

Bredlow rettet

Feick zirkelte den ruhenden Ball um die Mauer, doch Bredlow machte seinen Fehler, der ihm beim zweiten Gegentor unterlaufen war, wieder gut. Der Keeper des FCN war ins Eck gesprungen und leitete den Schuss in letzter Sekunde ums Gebälk.

Alle Höhen und Tiefen

So blieb es beim knappen Heimsieg, der unter dem Strich jedoch verdient war. Der FCN war durch alle Tiefen und Höhen gegangen und hatte es am Ende noch einmal richtig spannend gemacht. Ein wahres Wechselbad der Gefühle – ähnlich dem bisherigen Saisonverlauf. Und wahrscheinlich auch ähnlich dem, was nun in den letzten fünf Spielen der Saison noch kommen wird.

Fünf spannende Spiele noch

Es werden die Momente kommen, in denen man als Clubfan sagt: »Läuft!« Es werden aber auch die Momente kommen, in denen man sich als Clubfan die Haare ausreißen möchte und sämtliche Aufstiegsfälle davon schwimmen sieht. Und es wird der Moment kommen, in dem die Saison plötzlich fertig ist – alle 34 Spiele sind gespielt und man wird sehen, ob es letztlich gereicht hat.

Weniger Fehler erlauben als die Anderen

Die Hoffnung, dass der FCN am Ende der Saison über dem Strich steht, ist mit dem Heimsieg gegen Heidenheim mit Sicherheit wieder gewachsen. Dies hängt zum einen mit Sicherheit mit der Person Mikael Ishak zusammen, liegt aber eben zum anderen auch daran, dass am Ende dieser Zweitligasaison keinesfalls zwei Mannschaften aufsteigen, die die Liga mit großer Überlegenheit angeführt haben. Als Aufsteiger werden sich am Ende der Saison die beiden Mannschaften feiern lassen können, die sich die wenigsten Ausrutscher und Durststrecken erlaubt haben.

Warum nicht einfach noch fünf Siege?

Im Moment gehört der FCN zu diesen beiden Mannschaften. Und die Zuversicht nach dem Heidenheim-Spiel ist gegeben, dass die letzte Schwächephase der Saison nun überwunden und der Bock umgestoßen ist. Unschlagbar ist in dieser zweiten Liga niemand. Es dürfen also auch gerne noch fünf Siege bis Saisonende folgen.