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Das war so mit Sicherheit nicht unbedingt zu erwarten… Nur zwei Tage nachdem sich beim Pokalspiel zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC eine wahre und alles andere als ungefährliche Pyro-Schlacht geliefert haben und damit die Schlagzeilen der Gazetten beherrscht haben, wendet sich der DFB am Mittwoch (16.8.) mit einem offenen Brief an die Fans. Zwar betont DFB-Boss Reinhard Grindel, dass der Brief keine schnelle Reaktion auf die Geschehnisse vom Wochenende seien und bereits länger geplant gewesen sei, doch für Aufmerksamkeit sorgen die Äußerungen natürlich trotzdem.

Kehrtwende in der Herangehensweise

Das Bemerkenswerte an dem Brief: Es wird erstmals nicht einfach nur verurteilt und nach Maßnahmen geschrien, die Gewalt und Pyrotechnik in Zukunft verhindern sollen, sondern es wird ein Schritt auf die Fans in den Kurven zugegangen. Grindel macht keinen Hehl daraus, dass ihn die Kriegserklärungen verschiedener Ultra-Gruppierungen in den letzten Wochen getroffen haben. »Mich hat in den vergangenen Wochen und Monaten sehr betroffen gemacht, dass es im Zusammenhang mit Fußballspielen zu martialischen Aufmärschen, „Kriegserklärungen“ und menschenverachtenden Aktionen gegen Mannschaften und deren Fans gekommen ist.«

Der Protest kam an

Kurz gesagt: Der Protest der letzten Wochen kam an. Und er hat etwas bewirkt, denn Grindel schreibt weiter: »Dafür darf der Fußball in Deutschland nicht stehen. Damit muss Schluss sein. Es ist Zeit zum Innehalten. Es ist Zeit zum Umdenken.« Der DFB-Boss hat damit offensichtlich bei sich selbst angefangen, denn in den folgenden Zeilen folgen nicht etwa die üblichen Forderungen nach Maßnahmen, sondern ein aufeinander Zugehen. Grindel dankt den Kurven für ihren Anteil am Erlebnis eines Stadionbesuches.

Das Erlebnis Stadionbesuch

»Auf der ganzen Welt wird Deutschland um seine gute Stimmung in den Stadien beneidet. Fankulturen mit ihren beeindruckenden Choreographien, kreativen Aktionen in den Stadien und gesellschaftlichem Engagement außerhalb schaffen eine einzigartige Atmosphäre. Das erkennt der DFB ausdrücklich an, und hierfür sind wir dankbar. Die Vorstellungen vieler Beteiligter von einem emotionalen und sicheren Stadionerlebnis liegen dabei oft dicht beieinander«, heißt es in der Erklärung. Erstmals wird also zugestanden, dass es oft wenige Unverbesserliche sind, die unbelehrbar sind und in der großen Menge Schutz suchen, um nach Aufmerksamkeit und vermeintlicher Anerkennung zu heischen.

Keine Kollektivstrafen mehr

Entsprechend dieser Erkenntnis kündigt der DFB eigene Schritte an, die in den kommenden Tage für viel Diskussion sorgen werden. In dem offenen Brief heißt es: »Der DFB meint es mit dem Angebot zum Dialog ernst. Der DFB empfiehlt seinem Kontrollausschuss, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist. Wir wollen für diesen Zeitraum keine Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder „Geisterspielen“.«

Ein Angebot, das auch Fragen aufwirft

Ein Angebot, das mit Sicherheit in die richtige Richtung geht, jedoch auch Fragen aufwirft – vor allem, was die erwartete Gegenleistung angeht. Was erwartet der DFB von den Fans »für diesen Zeitraum«? Reicht der Dialog? Ist die Selbsterkenntnis beim Fußballbund so weit gereicht, dass man weiß, dass es auch während eines Dialoges dazu kommen kann, dass einzelne Unbelehrbare diesen Dialog torpedieren?

Die Fangruppen unter Zugzwang

Unter der Lupe betrachtet ist das Friedensangebot, der Aufruf zum Dialog mit den Fangruppen ein raffinierter Schachzug. Der DFB hat die Partie eröffnet und setzt die Gegenseite damit unter Zugzwang. Es ist nun an den Kriegserklärern, sich zu äußern und das wird nicht einfach. Es bleibt den Kurven nämlich im Grunde nicht anderes übrig, als das Dialogangebot anzunehmen. Tut man dies nicht, liefert man dem DFB einen Freifahrtschein à la »Wir haben es ja schon immer gewusst.« Gleichzeitig wissen die Gruppierungen natürlich auch, dass bei Annahme des Dialogangebots irgendwann auch Taten in der Kurve folgen müssen – in diesem Fall eher gleichzusetzen mit: Es werden Taten ausbleiben müssen.

Hoffnung auf Dialog

Damit mich hier niemand falsch versteht: Das Angebot des DFB ist gut und es ist richtig. Erstmals setzt der Fußballverband ein Zeichen in die richtige Richtung. Ein Zeichen auch des Eingeständnisses, dass Kollektivstrafen wenig zielführend sind. Ein Zeichen aber auch, dass man nicht einseitig bereit ist, Dinge hinzunehmen, sondern für Eingeständnisse auch Gegenleistungen verlangt. Ein Zeichen schließlich, dass man an einem Dialog interessiert ist. Und da Dialoge unter dem Strich immer besser sind als Kriegserklärungen, kann die Hoffnung an dieser Stelle nur heißen: Leute, setzt Euch endlich an einen Tisch, nehmt Euch gegenseitig Ernst und findet Lösungen. Danke!