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Corey Taylor gehört mit Sicherheit zu den wenigen Musikern bzw. Sängern auf der Welt, die niemandem mehr etwas beweisen müssen. Als Frontmann von Slipknot beweist er seit mehr als zwanzig Jahren, dass er zu den besten Stimm-Akrobaten dieses Planeten gehört.

Zunächst mäßige Erfolge

Erste Gehversuche als Frontmann machte der Mann aus Iowa bereits Anfang der 1990er Jahre in einer Band namens Stone Sour. Die Erfolge blieben zunächst jedoch aus und nach seinem Einstieg bei Slipknot legte Taylor den Stein im Jahr 1997 erst einmal auf Eis. Erst als Rhythmusgitarrist Josh Rand im Jahr 2002 wieder auf seinen alten Spezi zukam, wurde aus Stone Sour schließlich eine Band, die auch Platten veröffentlichte. Das Debüt, das den gleichen Titel wie die Band trägt, erschien zehn Jahre nach der ursprünglichen Bandgründung. Böse Zungen behaupten daher bis heute, dass der Erfolg von Stone Sour allein auf der Berühmtheit ihres Frontmannes fußt. Das mag bis zu einem gewissen Grad sogar stimmen, doch Qualität bleibt eben Qualität – egal, welchen Bandnamen der Song nun gerade trägt.

Der Unterschied zwischen Rock und Metal

Musikalisch wird die Notwendigkeit zweier unterschiedlicher Bands dabei sehr schnell klar. Während sich Corey Taylor bei Slipknot stets hinter einer Gruselmaske versteckt und den bösen Mann mimt, ist er sich bei seinem Zweitprojekt keineswegs zu schade, auch mal Gefühl zu zeigen oder Ironie walten zu lassen. Auch hitverdächtige Melodien sind hier nicht von vornherein verpönt und so geht die Sache mit Stone Sour dann doch meistens eher in Richtung Rock, während sich Slipknot eben eher auf dem Gebiet des Metal unterwegs sind.

Neues Material

Gute vier Jahre nach dem letzten Stone Sour-Album gibt es seit Ende Juni nun neues Material. Das Quintett hatte sich mit den beiden »House of Gold and Bones«-Alben endgültig aus dem Fahrwasser von Slipknot befreit und die Latte des eigenes Werkes mit den beiden Konzeptlongplayern sehr hoch gehängt. Man durfte also gespannt sein auf den Nachfolger.

»Hydrograd« braucht seine Zeit

»Hydrograd« ist nun mit Sicherheit kein Album, das beim ersten Hören vollends begeistert. Zu unterschiedlich sind die einzelnen Songs, zu wenig sichtbar ist ein roter Faden. Während an der einen Stelle noch laut geschrien wird und die Gitarren ganze Breitwände auffahren, kommt im nächsten Song die country-belastete Steel-Guitar um die Ecke. Eine wirkliche, durchgängige Idee ist da beim ersten Durchgang des Albums noch nicht zu hören.

Nicht gleich aufgeben

Dies ändert sich jedoch sehr schnell mit jedem weiteren Hören. Erste Refrains bleiben spätestens beim zweiten Durchlauf hängen und auch der ein oder andere Bruch (sei es in Sachen Härte oder Tempo) erschließt sich mit jeder weiteren Runde mehr und mehr.

Der Kontext ist wichtig

»Hydrograd« ist ein Album, das erarbeitet werden will. Ein Album, dass sich eben nicht beim ersten Hören sofort erschließt – dafür aber eben auch nach dem 20. Durchlauf noch nicht langweilig wird. Bestes Beispiel dafür ist die Vorabveröffentlichung »Taipei Person/Allah Tea«. Mitten im Song bremsen Stone Sour plötzlich das Tempo heraus, um es nur wenige Takte später wieder aufzunehmen. Hört man das Lied einzeln, wie es nun mal das Schicksal von Vorab-Singles ist, bleiben da Fragezeichen im Gehörgang. Hört man den Song nun schließlich im Kontext des Albums, ergibt es plötzlich einen Sinn.

Stone Sour setzen den Kontrapunkt

Bei all der heutigen Plastikmusik, die sich nach dreimaligem Hören bereits ablutscht wie ein durchgekauter Kaugummi, setzen Stone Sour den willkommenen Kontrapunkt. Das funktioniert dann vielleicht nicht auf Anhieb und ist zunächst sperrig, doch hat man den Punkt des Kennenlernens erst einmal überwunden, kann »Hydrograd« schnell zu einem Freund fürs Leben werden.