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Zweite Bundesliga 2016/2017, 25. Spieltag
Montag, 20.03.2017 – 20.15 Uhr
Union Berlin – 1.FC Nürnberg 1:0 (0:0)

1:0 (83.) Philipp Hosiner

So weit ist es dann also schon gekommen: Während Berliner Fans von Union nach dem knappen 1:0-Sieg ihrer Mannschaft ausgelassen »Spitzenreiter, Spitzenreiter« skandieren, hat man als Clubfan kurz nach der Niederlage im Grunde nur noch ein müdes Achselzucken im Gemüt. Der 1. FC Nürnberg kassiert die elfte Saisonpleite und kann den Laden neun Spieltage vor Schluss eigentlich zu machen. Was soll bis Mitte Mai denn noch passieren?

Hätte, wäre, wenn…

Im zweiten Spiel unter der Leitung von Michael Köllner zeigte der Club eine engagierte und kämpferische Leistung. Zuweilen wurde mit kurzen Pässen sogar Fußball gespielt und zumindest ansatzweise konnte man am Montag in Berlin erahnen, was mit dieser Mannschaft möglich gewesen wäre, wenn sie von Beginn der Saison ordentlich geführt worden wäre.

So aber blieben die Ansätze Stückwerk, weil die Automatismen verständlicherweise nach zwei Wochen noch nicht perfekt ineinander greifen können. Die Art und Weise, wie sich die Club beim neuen Zweitliga-Spitzenreiter Union Berlin präsentiert hat, war unter dem Strich jedoch aller Ehren wert und die Gastgeber hätten sich nicht beschweren dürfen, wäre es am Ende bei einem torlosen Unentschieden geblieben.

Nach vorne geht zu wenig

Doch gerade beim kleinen Wort »torlos« liegt dieser Tage das Problem beim 1. FC Nürnberg. Seit Anfang Februar ist der Mannschaft in insgesamt 450 Spielminuten genau ein einziger Treffer gelungen. Dieser hat in der letzten Woche zwar zum Dreier gegen Bielefeld gereicht, doch in der Alten Försterei drängte sich schnell das Gefühl auf, dass die Partie noch Stunden hätte dauern können und der Club trotzdem weiter torlos bleiben würde. Kurz gesagt: Die Ansätze waren da, in der Konsequenz war man nach vorne jedoch völlig harmlos.

Umso wichtiger war es, dass man hinten gut stand und das tat man. Union-Trainer Jens Keller sagte nach dem Spiel, dass die Aussicht auf die Tabellenführung seine Spieler zunächst gelähmt habe, doch ein anderer Teil der Wahrheit ist auch, dass die Clubspieler ihre Sache gut gemacht haben und jeden Zweikampf mit Leidenschaft angenommen haben. Echte Torchancen waren in Köpenick daher auch für die Gastgeber lange Zeit Mangelware und brauchten letztlich ein Kuriosum als Startschuss.

Der Schiedsrichter verschwindet

In der 74. Minute verschwand Schiedsrichter Dr. Jochen Drees plötzlich in der Kabine. Offiziell hieß es, der Mann habe sich eine Verletzung am Oberschenkel behandeln lassen, aber es wäre ja auch nur allzu menschlich, wenn er einfach nur mal aufs Klo gemusst hätte. Schwamm drüber, wäre die fünfminütige Pause nicht für Union plötzlich das Fanal zur Schlussoffensive gewesen.

Kaum hatte Dr. Drees die Pfeife wieder im Mund, herrschte in der Nürnberger Hintermannschaft plötzlich Durcheinander und Sebastian Polter stürmte in der 81. Minute völlig allein auf Keeper Raphael Schäfer zu. Der Schuss des Ex-Clubberers von der Strafraumgrenze klatschte jedoch an den Pfosten und von da zurück ins Spiel. Nochmal Glück gehabt, könnte man meinen, doch nur zwei Minuten später war es dann passiert: Union leitete den Angriff über die rechte Seite ein, der Ball kam in die Mitte und dort wartete der keine zehn Minuten zuvor eingewechselte Philipp Hosiner. Aus zwölf Metern hatte der Eiserne keine Schwierigkeiten, den Ball im Nürnberger Tornetz unterzubringen.

Zum elften Mal leere Hände

Am Ende blieb dann eben nur das oben schon beschriebene Achselzucken. Man hatte sich teuer verkauft, aber kaufen kann man sich dafür nichts. Die Saison beim 1. FC Nürnberg endet mit neun Vorbereitungsspielen auf die kommende Saison. Bleibt nur zu hoffen, dass die Verantwortlichen des FCN sich in Berlin mal ein wenig genauer umgeschaut haben. Beim neuen Tabellenführer von Liga zwei kann man nämlich durchaus lernen, wie man über Jahre auch ohne viel Geld eine Mannschaft aufbaut, die zumindest bei optimalem Verlauf ganz oben mitspielt.