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Wenn Jason Williamson den Mund aufmacht, kommen selten wirklich freundliche Worte über seine Lippen – zumindest solange er in seiner Rolle als Frontmann des Duos Sleaford Mods steckt. Wobei ihm das Wort »Rolle« im Grunde nicht gerecht wird, denn sucht man im heutigen, oft aufgesetzten Musik-Business noch nach Authentizität, dürften das Duo aus der Nähe von Nottingham im Norden Englands mit Sicherheit ganz vorne in der Reihe stehen.

Gerotzter Protest

Williamson prangert die Missstände unserer Gesellschaft an, in breitestem nordenglischen Slang, ohne Kompromisse, auf den Punkt gebracht, oft gnadenlos und damit schonungslos auf den Punkt gebracht.Das klingt in einer seltsamen Mischung aus Sprechgesang und Punk-Attitüde dann oft derart dahin gerotzt, dass es eine wahre Freude ist. Nicht selten ist man versucht, dem Mann zuzurufen: »Ja, genau! Gib’s dem alten. reichen, hässlichen Fettsack! Immer druff! Und wenn er am Boden liegt, nochmal nachtreten! Hat er verdient!«

Musik aus der Maschine

Musikalisch untermalt ist das Ganze dann oft sehr spartanisch. Ein Basslauf, ein einfacher Beat, hier und da mit dem ein oder anderen Sample unterlegt. Sleaford Mods machen keinen Hehl daraus, dass das alles aus der Maschine kommt, denn selbst auf der Bühne ist Andrew Fearn mit seinem Laptop der einzige Begleiter von Frontmann Williamson. Und bei viel mehr Handlung als den Start- und Stopp-Knopf zu klicken und dabei Dosenbier zu trinken, ist der Mann im Hintergrund dabei selten zu beobachten.

Wer bei den Zutaten Sprechgesang, Drums, Basslinie und Samples nun musikalisch jedoch reinsten HipHop erwartet, sei an dieser Stelle gewarnt: Sleaford Mods sind Sleaford Mods und da klingt HipHop eben nach Punk. Oder klingt der Punk nach HipHop?

Fast jedes Jahr ein neues Album

»English Tapas« ist inzwischen bereits das neunte Album des Duos, das selbst Experiment genug ist, um auf seinen einzelnen Alben nicht auch noch großartig experimentieren zu müssen. In den zwölf Songs des Albums, von denen die meisten mit einer Laufzeit um die drei Minuten auskommen müssen, kriegt man daher genau das, was man als Fan der Band erwarten darf. Der Focus liegt auf den Texten, die Hauptrolle spielt eindeutig Frontmann Williamson und seine Hasstiraden. Das ein oder andere Mal horcht man auf, wenn der Mann wie in »Moptop«, »Cuddly« oder »I Feel So Wrong« plötzlich seinen  Sprechgesang verlässt und sogar in so etwas wie Gesangsmelodien verfällt. Im Grunde kann man »English Tapas« jedoch nahtlos an seine Vorgänger anhängen.

In den Feuilletons angekommen

Unglück und vor allem Ungerechtigkeiten gibt es auf dieser Welt schließlich genug und so lange sich die oberen Zehntausend nicht ändern und weiter auf Kosten anderer leben, warum in aller Welt sollen sich Sleaford Mods dann ändern? Schließlich hat sie ihr Weg inzwischen bis in die Feuilletons geführt und selbst arte und 3sat widmen den Nordengländern inzwischen ausführliche Beiträge in diversen Kulturmagazinen. Das gute Gewissen unserer Zeit kommt aus dem Norden Englands – zumindest in musikalischer Hinsicht.

Sleaford Mods: English Tapas
Immer mitten in die Fresse rein!Auf den Punkt gebracht - ohne Schnörkel!Bewährtes punktuell verfeinert
89%Gesamt
Leser Bewertung 1 Abstimmen
48%