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Zweite Bundesliga 2016/2017, 17. Spieltag
Montag, 19.12.2016 – 20.15 Uhr
1.FC Nürnberg – 1.FC Kaiserslautern 2:1 (0:0)

1:0 (51.) Hanno Behrens
1:1 (78.) Jacques Zoua
2:1 (90.) Guido Burgstaller

Es gibt Tage, an denen selbst Spiele des 1.FC Nürnberg in den Hintergrund rücken und man sich über Tore seines geliebten Clubs nicht einmal dann so recht freuen kann, wenn sie in der letzten Spielminute erzielt werden. Guido Burgstaller hat den Clubfans mit seinem Last-Second-Treffer gegen Kaiserslautern noch einmal ein dickes Geschenk unter den Weihnachtsbaum gelegt. Für viele Berliner Familien hingegen wird dieses Weihnachten ein Fest der Trauer.

Anschlag in Charlottenburg

Das Spiel in Nürnberg hatte noch nicht begonnen, als auf dem Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg ein Lkw auf den Weihnachtsmarkt rast und in der Menge 12 Menschen tötet und 48 zum Teil schwer verletzt. Ein feiger Anschlag, wie sich herausstellen sollte, und als sich die Nachricht über den Terrorakt während der ersten Halbzeit des Spiels in Nürnberg verbreitet, klingeln in Steglitz bei den ersten Berliner Clubfans bereits die Telefone. Besorgte Angehörige wollen wissen, ob man gesund und munter ist.

Da das Geschehen auf dem grünen Rasen im Max-Morlock-Stadion zumindest in Halbzeit eins nur wenig Packendes bietet, driften die Gedanken immer wieder ab. Man überlegt, wen unterrichten soll, dass man wohlauf ist. Wohlauf, weil man sich entschieden hat, den Club zu gucken und nicht auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. Ein Weihnachtsmarkt übrigens, der von der eigenen Wohnung gerade etwas mehr als zwei Kilometer entfernt ist und auf dem man sich nur zwei Wochen vorher nach der Arbeit mit seiner Frau getroffen hat, um bei zwei bis drei Glühwein die Weihnachtszeit einzuläuten.

In Gedanken bei den Opfern

So war es kein Wunder, dass auch nach der Halbzeitpause in Nürnberg, die Konzentration auf das Spiel in Berlin schwer fiel. Zwar wurde man mit jeder Nachricht eines guten Freundes oder eines Bekannten etwas ruhiger, doch die Gedanken waren natürlich auch bei den Menschen, die an diesem Abend keine guten Nachrichten mehr von ihren Angehörigen bekommen würden. Die Gedanken waren bei den Menschen, deren Lebenspartner, Freund, Mutter, Vater, Bruder und Schwester an diesem Abend ihr Leben oder ihre Gesundheit direkt an der Kaiser-Wilheim-Gedächtniskirche verloren haben.

Tore nach der Halbzeit

Der ganz große Jubel wollte sich also auch in der 51. Minute nicht einstellen, als Hanno Behrens nach einer von Tobias Kempe getretenen Ecke am kurzen Pfosten am höchsten stieg und das Spielgerät per Kopf zum 1:0 im Kaiserslauterer Tor unterbrachte. Der Club hatte folgerichtig eine Standardsituation genutzt, um gegen tief und gut stehende und vor allem abwartende Pfälzer zum Erfolg zu kommen. Der Treffer bedeutete gleichzeitig die Einstellung eines Uralt-Rekordes in Liga zwei: Der FCN hatte nun im 38. Spiel nacheinander jedes Mal mindestens ein Tor erzielt. Dies war zuletzt der SG Wattenscheid 09 in der Zeit von September 1987 bis Dezember 1988 gelungen.

Ausgleich ebenfalls nach Eckball

Nach dem Rückstand waren die Gäste nun gezwungen, etwas mehr Initiative zu ergreifen, doch so richtig Fahrt nahm die Mannschaft von Tayfun Korkut erst eine gute Viertelstunde vor dem Spielende mit der Einwechselung des Ex-Clubberers Maximilian Dittgen auf. In der 76. Minute hatte Dittgen die erste gute Möglichkeit für sein Team. Aus halblinker Position hatte er abgezogen und Thorsten Kirschbaum hatte so seine liebe Mühe, den Schuss noch um den Pfosten zu lenken.

Zwei Minuten später war es dann aber doch passiert. Auch Kaiserslautern nutzt eine Ecke, um zum Torerfolg zu kommen. Ex-Clubberer Zsoltan Stieber hatte den Ball hoch herein gegeben, in der Mitte steigt Jacques Zoua am höchsten und köpft zum 1:1 ein. Für Kaiserslautern war es der erste Treffer dieser Saison nach einer Standardsituation.

Der späte Siegtreffer

In den restlichen 12 Minuten des Spiels suchten beide Teams die Entscheidung, um mit gutem Gefühl in die Winterpause gehen zu können. Dabei hatten die Gäste zwar leichte Feldvorteile, den entscheidenden Punch setzte allerdings der Glubb in Person von Guido Burgstaller. Der Österreiche wurde im Strafraum freigespielt und zögerte aus 13 Metern nicht mit dem Abschluss. FCK-Keeper Julian Pollersbeck konnte die Kugel nicht festhalten und der FCN jubelte.

Hinrundenbilanz

Der Club schließt die Hinrunde nach nun zwei Siegen in Folge doch noch mit positiver Bilanz ab. Auf den direkten Aufstiegsrang zwei sind genau wie auf den Relegationsplatz nach oben nun sieben Punkte Rückstand. Zum Vergleich: Letztes Jahr stand man nach Abschluss der Hinrunde auf Platz vier und hatte nach bereits begonnener Aufholjagd nur noch zwei Punkte Rückstand auf Platz drei – allerdings noch acht Punkte Rückstand auf Platz zwei. Insgesamt hatte man zum selben Zeitpunkt vor Jahresfrist zwei Punkte mehr auf der Habenseite.

Unter dem Strich muss man konstatieren: Ein Angriff nach ganz oben ist nur noch bei optimalem Verlauf der Rückrunde möglich. Schwächeperioden wie in der Hinrunde darf sich das Team dann nicht mehr erlauben. Neun Punkte zwischen Platz eins und Platz neun machen Vieles möglich, lassen jedoch auch viele Möglichkeiten des Scheiterns.

In diesem Sinne und gerade in Gedenken an die Ereignisse hier in Berlin am Montag: Euch allen ein geruhsames und friedliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

In letzter Sekunde
Guido Burgstaller darf man NIE abschreibenAus wenigen Chancen immerhin zwei Tore gemacht
Beim Gegentreffer schläft die gesamte Abwehr
72%Der Club gegen Kaiserslautern
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