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Die Aufmerksamkeit war groß und der Aufschrei bei den meisten Clubfans ebenfalls. Vor dem Zweitligaspiel am letzten Freitag (18.11.) gegen Würzburg präsentierte der FCN in einem kurzen Video einen Pullover, wie er hässlicher im Grunde nicht sein kann. Ein knallgrüner Weihnachtsbaum auf einem rotem Strick-Pullover.

Der Christmas-Jumper

Angepriesen wurde das gute Stück dann nicht nur als Christmas-Jumper, mit dem man eine in England verbreitete Tradition hässlicher Weihnachtspullover aufgreifen wolle, sondern auch als Sieger in der im Frühjahr gestarteten Aktion »Von Fans für Fans«, mit der man nach Ideen für ausgefallene Fan-Artikel gesucht hatte. Entsprechend stolz war man beim 1.FC Nürnberg und bot das gute Stück seit Freitag im Fanshop für happige 59,95 Euro an.

Marketing für Arme

Und auch, wenn es an sich schon ein Armutszeugnis ist, dass die Marketing-Abteilung nun schon zu Kreativwettbewerben aufrufen muss, um auf die letztlich kopierte Idee des Christmas Jumpers zu kommen, ließ es sich ClubTV natürlich nicht nehmen, die ganze Aktion am Dienstag (22.11.) noch einmal in einen viereinhalb minütigen Werbetrailer zu verpacken. Schließlich soll ja auch der letzte Clubfan noch mitbekommen, dass alle Beteiligten bei der Aktion eine Menge Spaß hatten und dass man ohne den Christmas-Jumper als Clubfan praktisch gar nicht existieren kann.

»Ya Basta!« schaltet sich ein

So weit, so peinlich! Einen Tag später tauchte jedoch auf der Homepage des Nürnberger Fanmagazins »Ya Basta!« ein Artikel auf, der zumindest große Fragezeichen beim interessierten Clubfan hinterließ. Dort hieß es nämlich, dass sich der Gewinner des Wettbewerbs »Von Fans für Fans« bei dem Magazin gemeldet habe und um ein paar Richtigstellungen bitte. Dieser Bitte kommen die »Ya Basta!«-Macher selbstverständlich sofort nach und als Clubfan bleibt einem eigentlich nur noch, sich tief in seine FCN-Bettwäsche zu kuscheln, mit der Welt da draußen abzuschließen und sich zu fragen: Was haben die Verantwortlichen meines Lieblingsvereins denn da nur wieder angestellt???

Der Sieger und damit Designer des Christmas-Jumper stellt nämlich klar:

  • Das jetzt am Markt befindliche Modell hat nichts mit seinem Entwurf zu tun
  • Er hat den fertigen Pullover erst beim Pressetermin gesehen
  • Ihm wurde nicht mitgeteilt, dass der FC Southampton genau denselben Pulli anbietet
  • Er distanziert sich von der Katalogware mit 08/15-Baum

So weit, so noch peinlicher! Und natürlich ein gefundenes Fressen für die »Ya Basta!«-Macher. Mit spürbarer Freude wird da die Keule gegen den 1.FC Nürnberg rausgeholt. Unter anderem heißt es: »Das Beispiel zeigt leider, wie leichtfertig am Valznerweiher mit richtig guten Ideen umgegangen wird, wie schlecht gegenüber Fans kommuniziert wird und wie anscheinend eine schöne Außendarstellung über allem steht.«

Das Kreuz mit den bewegten Bildern

Im Grunde mag der Autor der Zeilen mit seinen Vorwürfen ja durchaus Recht haben. Die Frage sei jedoch erlaubt: Hat er sich das Werbefilmchen mal bis zum Ende angesehen? Dort sieht man den Gewinner der Aktion nämlich in mehreren Interviews und Statements nämlich durchaus begeistert. Ohne Hinweise auf unmittelbare Gewaltausübung oder -androhung in seine Richtung erzählt Uli Planer in die Kamera: »Also ich werde ihn auf alle Fälle anziehen – und ich hoffe, meine Familie auch.« Etwas später heißt es sogar: »Er schaut auf jeden Fall so aus, wie ein Weihnachtspullover ausschauen muss. […] Ich bin zufrieden.«

Nun kann man berechtigterweise dagegen halten und sagen: Nun, wenn doch aber der arme Herr Planer gar nicht gewusst hat, was die beim 1.FC Nürnberg aus seinem schönen Pulloverentwurf machen… Schließlich hat er den fertigen Pullover doch erst beim Pressetermin gesehen.

Zu Aufnahmen gezwungen?

Bei allen Argumenten, allem Wissen darüber, dass Beiträge längst nicht immer in der Reihenfolge zusammen geschnitten werden, in der sie gedreht wurden, muss dennoch die Frage erlaubt sein: Warum bricht Herr Planer nicht spätestens in dem Moment ab, in dem er den Pullover bei etwas mehr als zwei Minuten Laufzeit in dem Bericht auf dem Bildschirm sieht? Spätestens hier hätte sich Uli Planer doch zumindest überrascht zeigen müssen, dass das Endprodukt seinem Entwurf so gar nicht ähnlich sieht. Oder hat er den Entwurf doch schon vorher mal gesehen? Und wenn ja: Warum stellt er sich dann doch noch vor die Kamera, wenn er so unzufrieden damit ist?

Liebe »Ya Basta!«-Leute – habt Ihr mal daran gedacht, dem Uli diese Fragen zu stellen? Oder sind die genauen Hintergründe – die zweifelsohne auch von Seiten des FCN mehr als fragwürdig sind – egal, sobald man in Zeiten des eisigen Klimas zur Vereinsspitze einen Vorwand geliefert bekommt, auf diese einzuhauen? Habt Ihr solche Plattitüden wirklich nötig?

Hauptsache austeilen?

Ist es wirklich nötig, wenn sich im selben Beitrag ein Felix Richter vom Fanshop zwar sichtlich gequält und um Worte ringend, am Ende aber doch immerhin dazu durchringt, zuzugeben, dass es sich bei dem Pullover, der nun verkauft wird, nicht um den Entwurf handelt, der von Uli Planer eingereicht wurde? Wortwörtlich sagt Felix Richter nämlich: »Da gilt es dann zunächst natürlich, das Lieferantennetzwerk anzuzapfen. Wer kann Christmas-Jumper? Das ist ja ein Artikel, der in Deutschland noch nicht so […] richtig erfolgreich ist. […] Da galt es dann natürlich erste Entwürfe einzuholen, weil wir es eben nicht 1:1 so umsetzen konnten, designertechnisch, wie sich der Uli das vorgestellt hatte, produktionsbedingt natürlich.«

Die Aussage als solche ist – da gebe ich allen Kritikern Recht – peinlich genug. Und sie allein bietet mit Sicherheit bereits genug Angriffsfläche, um mal laut fragen zu dürfen, was da eigentlich für Leute für den 1.FC Nürnberg arbeiten. Dann aber unter einer plakativen Überschrift wie »In einer kalten Nacht 2« einfach mal was rauszuhauen und am Ende sogar zu vermuten, dass die Beteiligten der Jury sicher nur die Original-Vorschläge gesehen hätten, senkt Euch leider – zumindest in diesem Fall – auf ein ähnliches Niveau.

Viele Fragen bleiben offen

Am Ende der Posse um den Strickpullover bleiben mit Sicherheit viele Fragen offen. Da wären zunächst natürlich die Fragen: Wer hat wann von dem Entwurf gewusst? Wer hat ihn wann gesehen und es trotzdem verpasst, die Notbremse zu ziehen? Wer stellt Leute ein, die dermaßen fantasielos sind, dass sie denken, es falle niemandem auf, dass der FC Southampton dieselbe Stangenware verkauft, die man beim Club als innovativ hinstellt? Und warum ist der Online Fanshop des 1.FC Nürnberg genau an dem Tag nicht erreichbar, an dem die Diskussion um den Pullover ihre größten Wellen schlägt?

Wirklich wichtig ist doch nur…

Viele Fragen, die wohl offen bleiben und ein düsteres Bild zeichnen, was momentan beim und rund um den FCN so los ist. Da bleiben am Ende der Posse dann leider nur zwei Sachen, die feststehen: Mit Ruhm bekleckert hat sich bei der Posse niemand! Und: Egal, wie er aussieht – ein solcher Pullover kommt mir nicht ins Haus!!!

Die Galerie einer Posse

Alle Fotos: Screenshots