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Seit mittlerweile über 15 Jahren wohnt der US-Amerikaner David Clemmons nun schon in Berlin, weit weg von der Heimat in Richmond/Virginia und der Stadt, in der alle Künstler mit großen Hoffnungen und vor allem Träumen irgendwann mal landen. Seine Zelte in Los Angeles hat er abgebaut und ist der Liebe wegen damals in der deutschen Hauptstadt gelandet. Seinem musikalischen Output hat der Umzug irgedwann rund ums Jahr 2000 indes wenig geschadet – zumindest die ersten zehn Jahre.

»Sufferboy« und »Cold White Earth«

Doch man mag es kaum glauben, das letzte Lebenszeichen in Form eines Tonträgers ist mittlerweile bereits sechs Jahre alt. »Cold White Earth« hieß der introvertierte und größtenteils akustische Seelentrip, den Clemmons 2010 unter eigenem Namen als Solo-Album veröffentlichte. Zwei Jahre zuvor war er mit seiner Stammband JUD noch einmal in die Vollen gegangen. »Sufferboy« war der CD gewordene Druck verzerrter Gitarren, die als Fundament großartiger Gesangsmelodien dienten und die vom langjährigen Toten-Hosen-Produzent Jon Cafery direkt ins Ohr gepflanzt wurden.

Eins der besten Alben des Jahres

Acht Jahre nach »Sufferboy« steht das Trio JUD nun mit neuem Material in den Startlöchern. Drei Jahre hat Clemmons nach eigenen Angaben mit seinen Mitstreitern an »Generation Vulture« gearbeitet. Eine lange Zeit, die sich am Ende definitiv gelohnt hat, denn in einem Jahr, das dem geneigten Rockfan am Ende mehr durch prominente Todesfälle als durch gute Musik in Erinnerung bleiben wird, setzen die sieben Songs des Album kurz vor Jahreswechsel noch einmal ein dickes Ausrufezeichen. Wer wirklich Ahnung von guter Gitarrenmusik hat, wird nicht umhin kommen, dieses Album in der Jahresbilanz mindestens irgendwo unter den ersten Zehn zu platzieren.

Besserer Überblick

JUD schaffen es erneut fast spielend, gewohnt tiefgründig und durchaus in dunkleren Farben zu rocken und den Hörer gleichzeitig auf eine Reise ins akustische Schlaraffenland der analogen Zeitlosigkeit mitzunehmen. Clemmons bezeichnet die Platte selbst als »fein ausgearbeitetes Handwerk«, bleibt dabei aber sozialkritisch direkt und von Gitarren getrieben. Ein Album, das die amerikanische Seele in Zeiten Trump’scher Wahlsiege nicht besser beschreiben könnte – auch wenn – oder gerade weil – diese amerikanische Seele im weit entfernten Berlin wohnt und somit aus der Ferne einen viel klareren Überblick über die Lage der Dinge hat.

Keine Computer

Über das neue Album sagt Clemmons, dass er in den letzten Jahren mehr und mehr den Drang verspürt habe, die Grenzen des Machbaren zu sprengen und musikalisch, lyrisch und stilistisch alles aus sich rauszuholen. Er sei ein Arbeiter, versichert der mittlerweile 49-jährige Musiker, sei es immer gewesen und werde es auch bleiben. »Ich denke, dass das neue Album auf eine gewisse Weise sehr futuristisch wirkt. Aber wir haben eben keine Computer, Samples oder diesen ganzen Elektronik-Scheiß verwendet. Wir haben mit unseren Fingern und Händen gearbeitet, mit Tricks, die Maschinen nicht beherrschen und mit denen junge, unerfahrene Musiker wahrscheinlich auch so ihre Schwierigkeiten haben.«

Ein starkes Statement

Hört man das Album dann zum ersten oder auch zehnten Mal, möchte man dem Mann von vorne bis hinten Recht geben. »Generation Vulture« ist ein sehr reifer Longplayer, dem man in jeder Sekunde der rund 45 Minuten Laufzeit anhört, dass die Leute an den Instrumenten und am Mikrofon genau wussten, was sie taten, als sie die Musik aufgenommen haben. Es wirkt wie ein starkes Statement unserer Zeit. Laut und wütend über den Zustand unserer Welt, aber mit jeder Menge Substanz, zielgerichtet auf die Dinge hinzuweisen, die schief laufen.

Konzert im Privatclub

Noch besser als auf Platte JUD übrigens nur live. Die nächste Gelegenheit, das Trio in voller Lautstärke auf der Bühne erleben zu können, ergibt sich in Berlin am Mittwoch, den 30. November 2016 beim Record Release Concert im Privatclub.

JUD, Record Release Konzert, Privatclub, Skalitzer Straße 85-86, Berlin-Kreuzberg. Special Guests: Ham On Rye. Mittwoch, 30. November 2016. Einlass: 20 Uhr, Beginn: 21 Uhr. VVK: 12,- Euro zzgl. Gebühren. AK: 15 Euro.

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JUD - Generation Vulture

JUD: Generation Vulture
Rock, wie Rock sein mussDie Melodien von Clemmons bleiben im OhrAuch soundtechnisch die volle Breitseite
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