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Thomas Müller hat nach seinem Arroganz-Anfall im Anschluss an das Fußball-Länderspiel Deutschlands in San Marino einen ordentlichen Konter einstecken müssen. Der Bayern-Star hatte sich nach der WM-Qualifikation im Zwergenstaat abfällig über die fußballerischen Fähigkeiten und die Rahmenbedingungen des Spiels am Freitag (11.11.) geäußert. Aus San Marino gibt es dafür völlig zurecht Gegenwind.

Die Arroganz der Bayern

An erster Stelle steht hier natürlich die Frage: Warum greifen wir als Fanclub des 1.FC Nürnberg dieses Thema überhaupt auf? Der Müller spielt bei den Großkopferten, da ist Arroganz doch an der Tagesordnung und schreckt im Grunde doch längst niemanden mehr auf. Das mag im Grunde so richtig sein und den Tatsachen entsprechen und wenn man allein bei jedem Arroganz-Anflug des Herrn Rummenigge jedes Mal aufschreien würde, könnte man daraus durchaus einen Fulltime-Job machen. Trotzdem wäre es falsch, nicht zumindest ab und zu mal die Hand zu heben.

Und wenn dann einmal der Sprecher den Nationalen Olympischen Komitees von San Marino die Stimme erhebt, um Herrn Müller aufzuzeigen, dass er sich gehörig im Ton vergriffen hat, dann nutzen wir doch gerne die Gelegenheit und stimmen dem Herrn Gasperoni aus San Marino zu.

Was war denn überhaupt passiert?

Nach dem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in San Marino am Freitag, das die Gäste ohne große Anstrengungen mit 8:0 gewonnen hatten, äußerte sich Thomas Müller zunächst über die Rahmenbedingungen des Spiel. Zwar gestand er den Amateur-Fußballern aus San Marino durchaus zu, dass ein Fußballspiel gegen den Weltmeister für diese durchaus ein Highlight sei, hielt dem jedoch auch entgegen, »dass man bei solchen Spielen bei solchen Verhältnissen auf solch schmierigem Platz einer Gefahr ausgesetzt ist, die vielleicht nicht nötig tut.«

Mir kamen sofort die Tränen! Und für all die, die so gefühlskalt sind und den Multi-Millionär nicht sofort mitfühlend in die Arme schließen wollten, setzte der 27-Jährige zusammenfassend noch drauf: »Wir müssen die Aufgaben durchziehen, auch wenn das Spiel in der Highlight-Liste meiner Karriere nicht vorkommen wird. […] Mit professionellem Fußball hat das nichts zu tun.«

Keine Gegenfragen bei Interviews

Mit professionellem Journalismus hatte das Interview, in dem die Worte gefallen sind, sicherlich auch nichts zu tun, denn überspitzt formuliert hätten natürlich sofort die Gegenfragen kommen müssen: »Wen interessiert denn Deine persönliche Highlight-Liste?« und vor allem »Wer hat denn überhaupt je behauptet, dass in San Marino professioneller Fußball gespielt wird?«

Es bleibt also die Vermutung, dass Herr Müller bei der Traineransprache vor dem Spiel entweder nicht aufgepasst hat oder sie ganz einfach nicht verstanden hat. Um die Dinge auch für das Fußballergehirn des Thomas Müller verständlich zu machen, hat sich Alan Gasperoni vom Nationalen Olympischen Komitee San Marinos die Mühe gemacht und dem bayerischen Bauernsohn einen Antwortbrief geschrieben. Ob Thomas Müller ihn selbst hat lesen können oder ob er ihm von Uli Hoeneß oder Karl-Heinz Rummenigge vorgelesen werden musste, ist nicht überliefert.

Die Zehn-Punkte-Antwort

Herr Gasparoni bringt es jedenfalls auf den Punkt, warum auch dieses Länderspiel sinnvoll gewesen ist und fängt gleich bei Thomas Müller selbst an: »Das Spiel war sinnvoll, um zu zeigen, dass du nicht einmal gegen eine miese Mannschaft wie uns ein Tor schießt.« Viel wichtiger jedoch ist dieser Grund, den Gasparoni ebenfalls aufführt: »Das Spiel war sinnvoll, weil der Fußball allen gehört, die ihn lieben – dazu gehören wir auch, ob es dir gefällt oder nicht.«

Insgesamt führt der Pressesprecher in seiner Antwort zehn Gründe auf. Darunter auch der Grund, dass ein kleiner Verband wie der von San Marino eben auf die Einnahmen solcher Spiele angewiesen sei, um diese in die Infrastruktur des eigenen Landes stecken zu können und z.B. Fußballplätze zu bauen. Fußballplätze, die letztlich so viel kosten, wie ein Thomas Müller im Vierteljahr auf seinem Konto verbuchen kann.

Das Klischee mit den Sandalen

Gasperonis Antwort auf den Arroganz-Anfall von Thomas Müller endet mit den Worten: »Und es fand statt, damit klar wird, dass ihr auch unter den schönsten Trikots immer die bleiben werdet, die zu Sandalen weiße Socken tragen.«

Wir sagen: Danke, Herr Müller! Dank Ihnen bleibt dieses Klischee über die Deutschen auch in näherer Zukunft unauslöschbar erhalten. Wir sagen: Danke, Herr Müller! Für nichts! Wenn man nichts zu sagen hat: Einfach mal die Fresse halten!