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Zu Gast beim FC Wohlen

Es soll ja Leute geben, die sagen, dass Hopfen und Malz in Sachen Fußball längst verloren  sind. Der Kommerz hat Einzug gehalten und ohne die ein oder andere Million der entsprechenden Geldgeber gibt es auch keinen Erfolg mehr. Leute, die dies sagen, waren definitiv noch nicht in Wohlen im Schweizer Kanton Aargau. In dem Städtchen mit gerade 15.000 Einwohnern spielt im Stadion Niedermatten der heimische FC in der Brack.ch Challenge League, der zweithöchsten Spielklasse der Schweiz. In dieser Liga kämpfen insgesamt zehn Teams um den Aufstieg in die Erstklassigkeit oder gegen den Absturz in die Drittklassigkeit.

Der FC Zürich wird aufsteigen

Vor allem die Frage nach dem Aufstieg in die Schweizer Super League war hierbei für die meisten Experten bereits vor der Saison geklärt, musste doch im Sommer der traditionsreiche FC Zürich vollkommen überraschend den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Entsprechend zeigen sich Zürcher auch als Hausherr der Zweiten Liga und führen diese bereits nach 12 Spieltagen mit sieben Punkten Vorsprung an. Gespielt wird in den Schweizer Ligen übrigens immer in Doppelrunden. Jedes Team spielt im Laufe der Saison also vier Mal gegen alle anderen Gegner – es gibt folglich insgesamt 36 Spieltage.

Seit 15 Jahren in Liga zwei

Für den FC Wohlen geht es in der Saison 2016/2017 nur um ein Ziel: Platz neun der Liga und damit Klassenerhalt. Eine Aufgabe, die nicht einfach wird, jedoch in den letzten 15 Jahren stets gelungen ist. Seit 2002 gehört der Club aus dem Freiamt, wie die Region um Wohlen heißt, der zweiten Liga an. Meist ging es gegen den Abstieg.

Beinahe aufgestiegen

Vor etwas mehr als einem Jahr wäre den  Wohlenern beinahe ein Husarenstück gelungen. Noch nach dem 26. Spieltag führte man im April 2015 die Liga an und klopfte nach einem 2:1-Sieg beim FC Winterthur ans Tor der Ersten Schweizer Liga. Erst als zum Ende der Saison schließlich klar wurde, dass man sich das Abenteuer Super League nicht würde leisten können, kam es zum Leistungseinbruch. Dass man die Saison schließlich auf einem vorher kaum für möglich gehaltenen dritten Platz abschloss, konnte am Ende nicht mehr so recht trösten.

Letzte Saison reichte es dann immerhin für einen ungefährdeten achten Platz im Endklassement, doch nach dem Aufstieg von Servette Genf, das die direkte Rückkehr nach dem Zwangsabstieg 2015 problemlos schaffte, hat sich ein Konkurrent in die Liga integriert, der für den FC Wohlen nur schwer zu überholen sein wird. Es muss also ein anderer Gegner gefunden werden, der am Ende unter dem Strich steht.

Der Gegner an diesem Samstag: FC Le Mont

Die letzte Saison hinter dem FC Wohlen auf Platz neun abgeschlossen hat der Gegner an diesem Samstag: Der FC Le Mont. Die Mannschaft aus dem Waadt ist so etwas wie die Fahrstuhlmannschaft zwischen Zweiter und Dritter Liga, stand vor dem Spiel jedoch in der Tabelle knapp vor den Gastgebern. Am 11. Spieltag hatte man nach 1:0-Halbzeitführung immerhin noch ein 1:1 beim großen FC Zürich im Letzigrund erkämpft. Die Gäste kamen an diesem Samstag also mit mächtig Selbstbewusstsein nach Wohlen.

Doch auch die Gastgeber sollten vor Selbstbewusstsein im Grunde nur so strotzen. Sie gingen schließlich mit der Empfehlung eines 4:1-Auswärtssieges beim Tabellenzweiten Xamax Neuchatel in die Partie.

Abstiegskampf pur

Wer im Stadion Niedermatten nun eine rassige Partie zweier selbstbewusster Teams erwartete, wurde jedoch schnell enttäuscht. Die Angst vor der Niederlage war sowohl beim Tabellensiebten Le Mont als auch beim Neunten aus Wohlen sichtbar größer als die Aussicht auf einen Sieg und der damit verbundenen Chance, sich in der Tabelle am Gegner vorbeizuschieben bzw. diesen auf Abstand zu halten.

Wohlen auswärts stärker

Am Ende gewannen die Gäste durch ein Tor von Sergio Cortelezzi in der 52. Minute mit 1:0. Ein Ergebnis, dass nüchtern betrachtet, wenig überraschen dürfte, gilt das Stadion Niedermatten mit seinen 3.734 Plätzen doch keineswegs als uneinnehmbare Festung. Am ersten Spieltag gab es hier für den FC Wohlen noch ein 0:0 gegen Neuchatel. Danach folgten für die Wohlener vier Niederlagen bei insgesamt 3:14 Toren. Neun seiner zehn Zähler holte der FCW in dieser Saison auswärts.

Die Enttäuschung, dass der erste Heimdreier der Saison auch an diesem Samstag nicht gefeiert werden konnte, hielt sich also in Grenzen. Viel mehr hofft man im Freiamt auf Auswärtsspiel der kommenden Woche beim Tabellenachten FC Chiasso.

Pure Fußballromantik

Doch selbst, wenn das Spiel im Tessin verloren gehen sollte: Der Fußballromantik des FC Wohlen wird dies wenig anhaben können. Hier wird der Fußball noch als das gelebt, was er einmal war: Die Ablenkung vom Alltag. Hier zählt das Treffen von Bekannten und Freunden mehr als das Ergebnis. Hier ist die Bratwurst und das Bier wichtiger als das Schimpfen auf den Schiedsrichter oder die auswärtigen Fans.