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Zweite Bundesliga 2016/2017, 9. Spieltag
Sonntag, 16.10.2016 – 13.30 Uhr
Karlsruher SC – 1.FC Nürnberg 0:3 (0:0)

0:1 (61.) Guido Burgstaller
0:2 (67.) Guido Burgstaller
0:3 (86.) Tim Matavz

Es war ein herrlicher Sonntagnachmittag in Karlsruhe. Die Sonne schien, die Temperaturen stimmten für Mitte Oktober auch und der 1.FC Nürnberg fuhr einen am Ende ungefährdeten 3:0-Auswärtssieg ein. Dem Wetter entsprechend könnte man also fast sagen: Eitel Sonnenschein am Valznerweiher… wären da nicht ein paar unbelehrbare Idioten, die die eigene Geltungssucht über die Liebe zum Verein stellen.

Bruderduell und neue Nummer eins

Doch der Reihe nach: FCN-Coach Alois Schwartz war nach dem erfolgreichen Heimspiel gegen Union Berlin gezwungen, seine Startelf auf einer Position zu verändern. Für den nach seiner Gelb-roten Karte gesperrten Edgar Salli durfte Tobias Kempe von Beginn an spielen. Für den Ex-Darmstädter mit Sicherheit ein besonderes Spiel, denn er traf in Karlsruhe auf seinen Bruder Dennis.

Noch bemerkenswerter als der Wechsel von Salli zu Kempe war ein Wechsel, den Trainer Schwartz nicht vorgenommen hatte. Obwohl Raphael Schäfer sich im Laufe der Länderspielpause wieder fit gemeldet hatte, nahm die etatmäßige Nummer eins zunächst auf der Bank Platz. Ein Vertrauensbeweis für den zuletzt stark spielenden Thorsten Kirschbaum, der sich auch in Karlsruhe wieder Bestnoten verdiente und auf dem Posten war, wenn er gebraucht wurde.

Taktisch-geprägtes Spiel

Doch apropos Länderspielpause: Dem ruhenden Ball am letzten Wochenende offensichtlich Tribut zollend, brauchten beide Teams am Sonntag etwas länger, ums ins Spiel zu kommen. Der positiv geneigte Zuschauer mag hier von einem taktisch geprägten Spiel sprechen – ich nenne es eher langweilig. Der Club präsentierte sich zwar als das bessere Team in Sachen Spielanlage, konnte daraus jedoch zunächst keine Vorteile ziehen. Zwei gefährliche Abschlüsse von Guido Burgstaller und Tobias Kempe nach rund einer Viertelstunde und ein Abschluss von Kevin Möhwald, der in der 27. Minute nur Zentimeter am Karlsruher Tor vorbeisauste, waren die Ausbeute in der ersten Halbzeit. Auf der anderen Seite hatten Moritz Stoppelkamp und Dennis Kempe ihren Chancen kurz vor der Pause, scheiterten jedoch an Kirschbaum.

Kirschbaum hält Elfmeter

Spätestens neun Minuten nach dem Seitenwechsel nahm das Spiel im Wildpark dann endgültig Fahrt auf. Even Hovland allein weiß, wie er mit seiner Slapsticknummer den Angriff von Florian Kamberi stoppen wollte und Schiedsrichter Felix Zwayer blieb gar keine Wahl, als auf den Punkt zu zeigen. Enrico Valentini trat zum Elfmeter an und zeigte so etwas wie einen Guido-Burgstaller-in-Bielefeld-Gedächtnis-Elfmeter. Unplatziert und schwach geschossen war es für den gut aufgelegten Torsten Kirschbaum kein großes Problem, den Strafstoß zu parieren.

Für den Club schien der gehaltene Elfmeter jedoch so etwas wie das Fanal, es nach vorne nun mit mehr Mut zu versuchen. In der 61. Minute tankte sich Hanno Behrens nach Doppelpass mit Kevin Möhwald in den KSC-Strafraum, scheiterte mit seinem Abschluss aus kurzer Distanz jedoch an Keeper Dirk Orlishausen. Zum Glück stand Burgstaller genau dort, wo ein Torjäger stehen muss und staubt zum 0:1 ab.

Die Entscheidung im Wildpark

Auch in der 67. Minute stand der Österreicher wieder goldrichtig. Möhwald hatte die weit geschlagene Ecke von Kempe mit vollem Risiko direkt genommen und im Angriffszentrum brauchte Burgstaller nur noch die Hacke hin zu halten, um für die Vorentscheidung zu sorgen. Nachdem Karlsruhe für den Rest des Spiels vergeblich versuchte, den Anschluss zu finden, setzte Miso Brecko in der 87. Minute schließlich zum Schlusspunkt an. Nach seinem Sololauf flankte der Kapitän zu Behrens, der von der Grundlinie auf Tim Matavz zurück legte. Aus sieben Metern sorgte die Leihgabe aus Augsburg für das 3:0.

So weit, so gut: Der Club gewinnt das dritte Spiel in Folge, klettert in der Tabelle auf Rang zehn und hat nun im Heimspiel gegen Hannover am kommenden Sonntag die Chance, die eigene Saisonbilanz zumindest schon mal auszugleichen. Ein Sieg gegen die Niedersachsen würde auch bedeuten, dass man plötzlich wieder bis auf drei Punkte an 96 ran wäre und die Spitzengruppe der Liga zwei wieder in Reichweite wäre. Wenn das kein lohnendes Ziel für den vierten Sieg in Folge ist…

Das große Aber

Neben so weit, so gut, gibt es nach dem Spiel gegen Karlsruhe nun jedoch leider auch ein großes Aber. Ein Aber, das in den Tagen nach der Partie bereits viel diskutiert wurde und das mir als leidenschaftlicher FCN zeitgleich die Schames- und die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Gerade mal zehn Tage sind seit der Jahreshauptversammlung vergangen. Eine Jahreshauptversammlung, auf die Vereinsspitze mal wieder erklären musste, dass in den Taschen des 1.FC Nürnberg Ebbe herrscht. Eine Jahreshauptversammlung auf der die Verantwortlichen jedoch auch endlich einmal erklärten, warum das so ist. Und schließlich eine Jahreshauptversammlung, auf der deutlich gesagt wurde, dass der Gürtel noch auf Jahre eng gehalten werden muss, um irgendwann einmal wieder rosige Zeiten am Valznerweiher erleben zu dürfen.

Vereinsliebe? Lächerlich!

Offensichtlich muss man sich nun jedoch nicht einmal mehr fragen, ob diese assozialen Elemente, die sich die Liebe zu ihrem Verein gerne so groß auf die Fahne schreiben, noch irgendwelches Resthirn in ihrem Kopf haben. Vielleicht reicht es ja noch, um dumme Sprüche zu kloppen – Intelligenz kann man das mit Sicherheit nicht mehr nennen. Ein Mob aus Vollidioten sorgt dafür, dass aus der leeren Clubkasse mal wieder ein ordentlicher Batzen Geld ungenutzt und ungesehen nach Frankfurt zum DFB wandert. Und das soll dann Liebe sein? Sorry, Leute, so nicht! Euren Einsatz, Eure Leidenschaft in alle Ehren, aber es gibt Grenzen und diese wurden in Karlsruhe eindeutig überschritten.

Da kann man sich noch so sehr Vereinsliebe auf die Banner schreiben. Wenn man seinen Verein liebt, schadet man ihm nicht – egal, wie sehr die eigene Geltungssucht danach schreit. Wenn die eigene Hartz-IV-Kasse leer ist und Du nicht weißt, wie Du Deine sieben Kinder noch ernähren sollst, benutzt Du bei aller Liebe zu Deiner Frau doch auch irgendwann mal ein Kondom, damit kein achtes Kind mehr dazu kommt, oder nicht? Geht das in Dein Erbsenhirn irgendwie rein?

Geltungssucht und Schwanzvergleich

Mit Liebe hat dieses machohafte Affengehabe im eigenen Fanblock jedenfalls nichts mehr zu tun. Es ist die reine Geltungssucht, der reine Schwanzvergleich. Und letztlich ist es doch immer so: Wer den Kürzesten hat, schreit am lautesten!

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Klare Sache in Karlsruhe
Guido Burgstaller steht da, wo ein Torjäger stehen mussDas Selbstbewusstsein ist endgültig zurückNach dem 1:0 macht die Mannschaft weiter und ruht sich nicht aus
Idioten im Fanblock
75%DER CLUB IN KARLSRUHE
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