Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Am Donnerstag, den 06.10.2016, rief der 1.FC Nürnberg zur Jahreshauptversammlung und wie in jedem Jahr galt der bange Blick in erster Linie den Geschäftszahlen. Ein Blick, der nicht unbedingt zu Freudensprüngen Anlass gibt.

Die Lage bleibt ernst

Finanzvorstand Michael Meeske betonte zwar »positiv unterwegs zu sein«, doch bei genauer Betrachtung laufen dem geneigten Clubfan dann doch Gänsehautschauer über den Rücken. Nach wie vor steckt der 1.FC Nürnberg in einem tiefen, finanziellen Dilemma. Auch das vergangene Geschäftsjahr wurde wieder mit einem satten Minus abgeschlossen. Das negative Eigenkapital hat sich durch das Minus von 1,9 Millionen Euro von 3,2 auf 5,1 Millionen Euro erhöht. Entsprechend gab Meeske vor der versammelten Mitgliedschaft auch zu: »Die Lage bleibt schwierig und auch auf die nächsten Jahre gesehen herausfordernd.«

Im Klartext heißt dies: Große Sprünge wird der 1.FC Nürnberg auch in den kommenden Jahren nicht machen können, denn ganz offensichtlich hat Sportchef Martin Bader vor Jahresfrist einen hoch verschuldeten Trümmerhaufen hinterlassen. Es treibt einem die Sorgenfalten auf die Stirn, wenn selbst der sonst so zurückhaltende kicker davon schreibt, dass der nun in Hannover sein Unwesen treibende Bader, den Verein beinahe an die Wand gefahren hat.

Es begann mit dem Abstieg

Die Schieflage begann wie nicht anders zu erwarten mit dem Abstieg der Saison 2013/2014. Zunächst ging man volles finanzielles Risiko, um den drohenden Abstieg doch noch zu vermeiden. Eine durchaus nachvollziehbare Haltung, die letztlich jedoch leider nicht den gewünschten Erfolg brachte. Schwer nachzuvollziehen ist dann jedoch das Vorgehen nach dem Abstieg. Natürlich musste das Ziel sofortiger Wiederaufstieg heißen. Dennoch ist heute deutlich: Der Preis, den man dafür zu zahlen bereit war, war deutlich zu hoch.

Entsprechend verweigerte die Mitgliederversammlung am Donnerstag Martin Bader im zweiten Jahr in Folge die Entlastung. Juristische Folgen wird das für den Ex-Chef des Clubs zwar nicht haben, es gibt den neuen Leuten am Ruder jedoch die Möglichkeit, tiefer in Bilanzen einzusteigen, diese zu prüfen und Fehler in der Zukunft zu vermeiden.

Fragen an den Aufsichtsrat

An dieser Stelle muss dann auch die Frage an den Aufsichtsrat erlaubt sein: Wie konnte all dies passieren? Ein kurzes »hinterher ist man immer schlauer«, wie es der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Thomas Grethlein am Abend der Hauptversammlung auf die Frage lapidar von sich ließ, kann die Antwort nicht sein. Der Aufsichtsrat wird sich in den nächsten Jahren also gefallen lassen müssen, unter besonderer Beobachtung zu stehen. Dies wissen auch die am Donnerstag neu gewählten Aufsichtsratsmitglieder Max Müller, Johannes Bisping und Norbert Gunkler.

Trotz aller Fehler der Vergangenheit und den damit verbundenen Einschränkungen, ist Michael Meeske zuversichtlich, die Lage über kurz oder eher lang in den Griff zu kriegen. So sei ein zwischenzeitlich drohender Punktabzug inzwischen wohl vom Tisch und als realistisches Ziel gab der Finanzvorstand für das laufende Geschäftsjahr eine schwarze Null aus.

Keine rosige Zukunft

Man arbeite in kleinen Schritten an der Konsolidierung der Vereinsfinanzen und auch, wenn der große finanzielle Befreiungsschlag bisher noch nicht gelungen sei, sei man auf einem guten Weg, so Meeske. Gleichzeitig betonte der 44-Jährige: »Der Druck, Transfererlöse zu erzielen, wird uns auch mittelfristig noch verfolgen. Wir müssen alles daran setzen, ihn geringer werden zu lassen.« Eine rosige Zukunft sieht mit Sicherheit anders aus. Bleibt einem als leidgeprüfter Clubfan an dieser Stelle im Grunde nur der Dank an die neue Vereinsführung, dass es überhaupt eine gibt.