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Der Tod des eigenen Kindes ist wahrscheinlich so ziemlich das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Eine Erfahrung, die der australische Musiker und Poet Nick Cave letztes Jahr machen musste, als einer seiner 15-jährigen Zwillingssöhne im LSD-Rausch in der britischen Wahlheimat die Steilklippen von Brighton hinunter stürzte und den Sturz nicht überlebte.

Schmerz in jedem Ton

Den Schmerz über den Verlust des eigenen Kindes hört man auf der neuen Platte von Nick Cave in jedem einzelnen Ton. Zwar war der Australier auch zuvor nicht unbedingt für fröhliche Mitklatschsongs bekannt, doch auf »Skeleton Tree« gelingt es ihm, die eigene Dunkelheit noch ein gutes Stück weiter in Richtung Schwarz zu drehen. Doch wer will es ihm verdenken?

Da wird die zum Teil spartanisch gehaltene Musik auch gerne mal zur reinen Fläche im Hintergrund, während Cave seine poetischen Zeilen mit tiefer Sprechstimme vorträgt und allein im Refrain so etwas wie eine Gesangslinie zu erkennen ist. Hier und da dann mal ein Klavierakkord und aus der Tiefe des Raums ist mitunter auch ein klagendes »Oho« zu vernehmen. Nur selten erlebt man dies in solch düsternder Intensität. Nur selten braucht ein Musiker so wenig, um eine fast klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen.

Ein Strudel der Traurigkeit

Empfindsame Gemüter seien an dieser Stelle jedoch gerade deshalb gewarnt. »Skeleton Tree« ist kein Album, das gute Stimmung verbreitet. Im Gegenteil! Fast ist man versucht, die Warnung auszusprechen, nur unerschütterliche Frohgemüter sollten sich der Tortur der acht Songs mit dem schwarzen Cover unterziehen. Wer mental instabil ist läuft Gefahr, sich hier einem Strudel auszusetzen, aus dem es nur schwer ein Entkommen gibt.

»Skeleton Tree« ist eine Aufarbeitung. Die Aufarbeitung tiefster Trauer und daher denkbar ungeeignet, sich dem musikalischen Werk von Nick Cave zu nähern. Wer die Musik des Australiers kennen lernen will, sollte zunächst zum großartigen Vorgänger »Push The Sky Away« greifen. Verfolgt man den kreativen Output Caves bereits länger, wird man dankbar sein für die Innenansichten, die der Mann auf seinem neuen Longplayer gewährt. Und man wird hoffen, nie selbst in die Situation zu kommen, die eigenen Kinder begraben zu müssen.

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Nick Cave & The Bad Seeds: Skeleton Tree
Nick Cave öffnet seine SeeleSelten war Trauer derart greifbar
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