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Zweite Bundesliga 2016/2017, 5. Spieltag
Freitag, 16.09.2016 – 18.30 Uhr
VfL Bochum – 1.FC Nürnberg 5:4 (3:3)

1:0 (4.) Kevin Stöger
2:0 (7.) Felix Bastians (Foulelfmeter)
2:1 (18.) Edgar Salli
3:1 (27.) Peniel Mlapa
3:2 (34.) Dave Bulthuis
3:3 (45.) Edgar Salli (Foulelfmeter)
4:3 (55.) Peniel Mlapa
5:3 (89.) Nils Quaschner
5:4 (90.) Shawn Parker

Zugegeben, ein solches Fußballspiel erlebt man nicht oft. Der Tag des offenen Tores in Bochum war für neutrale Zuschauer mit Sicherheit ein schön anzusehendes Spektakel. Doch hat sich beim 1.FC Nürnberg gegenüber dem Spiel gegen 1860 München irgendetwas geändert?

Moral allein reicht nicht

Fast schon reflexartig tauchen in den sozialen Medien die Begriffe »Moral« und »Kampfkraft« wieder auf und auch zugegeben: Beides hat die Mannschaft von Alois Schwartz am Freitag in Bochum gezeigt. Doch reicht das? Hat man allein mit Moral schon Spiele gewonnen? Hat nicht auch der arme Kreisligist aus der Nähe von Oberhausen neulich Moral gezeigt, als man trotz hoffnungsloser Unterlegenheit auf dem Platz blieb und eine historische 0:54-Klatsche bezog?

Schon nach dem Spiel gegen die Münchener Löwen musste man in den Kommentaren der FCN-Verantwortlichen die üblichen Krisen-Floskeln lesen. »Wir müssen mehr investieren.« »Wir müssen den Bock umschmeissen.« »Blinder Aktionismus hilft uns jetzt auch nicht weiter.« Man hört es so oder so ähnlich immer wieder und am Ende zeigen diese Worte doch nur eins: Man ist hilflos, einfallslos und greift nach dem Strohhalm des Zusammenhalts.

Kartenhaus oder Bock?

Die Frage, die man sich beim 1.FC Nürnberg auch nach dem Spiel beim VfL Bochum wieder stellen muss, lautet: Wie dick ist dieser Strohhalm des Zusammenhalts noch? Ist dieser Strohhalm stark genug, um den Bock noch umschmeißen zu können? Oder haben schon allein die ersten zehn Minuten im Ruhrpott gezeigt, dass bereits die kleinste Erschütterung genügt, um das Kartenhaus zum Einsturz zu bringen, noch ehe der Bock auch nur wackelt?

Bei allem Kampf, bei aller Moral: Als die ersten zehn Minuten in Bochum vorbei waren, haben die Fußballer in rot-schwarz endlich mal angefangen, ihren Job zu machen. Nicht mehr, nicht weniger. Sie haben ihren Job gemacht als es im Grunde schon wieder längst zu spät war. Da mag der Elfmeter noch so umstritten gewesen sein. Wenn die Spieler ihren Job anständig gemacht hätten, wäre der Bochumer Stürmer gar nicht erst in den Nürnberger Strafraum hinein gekommen.

Wirklich tragisch?

Am Ende machen dann alle einen auf Tragik. Da schießt man auswärts vier Tore und holt doch nichts Zählbares mit nach Hause. Mir kommen die Tränen. Wenn man seinen Job über 90 Minuten anständig erledigt, ist es durchaus auch mal möglich, dass man den Gegner mit vier Toren derart in die Schranken weißt, dass dieser eben keine fünf Tore mehr schießt, sondern sich tor- und hoffnungslos geschlagen gibt.

Der 1.FC Nürnberg befindet sich in einer gefährlichen Situation. Als hätten die Spieler, die in der vorigen Saison fast den Aufstieg in die Bundesliga geschafft haben, das Fußballspielen in wenigen Monaten verlernt, taumelt man in der noch jungen Saison inzwischen von Niederlage zu Niederlage. Woran das genau liegt, ist von außen schwer zu ergründen. Erst recht, wenn selbst den Verantwortlichen scheinbar die richtigen Lösungen fehlen. Es ist jedoch bekannt, dass Fußball zu großen Teilen auch Kopfsache ist. Dass man in Bochum ein schnelles Gegentor fängt – kann mal passieren. Dass es direkt im nächsten Angriff den unberechtigten Elfmeterpfiff gibt – geschenkt.

Glück und Unglück nah beieinander

Und dennoch: Genauso wie sich die Mannschaft in der letzten Saison das Glück erarbeitet hat, so beschwört sie im Moment durch die eigenen Leistungen eben das Unglück herauf. Und es ist kein Geheimnis und man muss mit Sicherheit auch kein Trainer-Guru sein, um zu wissen, dass der Mannschaft ein Erfolgserlebnis fehlt. Doch eben auch dieses Erfolgserlebnis muss man sich erarbeiten. Kein Mensch spricht den Fußballern, die in dieser Saison für den 1.FC Nürnberg auflaufen das fußballerische Können ab. Die alles entscheidende Frage lautet jedoch: Warum die Spieler dieses nicht in Gänze abrufen?

Der Mann an der Seitenlinie

Mit dem 3:3 in Bochum hatte man kurz vor der Pause dieses erste Erfolgserlebnis. Umso mehr muss die Frage erlaubt sein, warum der FCN am frühen Freitagabend in Halbzeit zwei dieses Erfolgserlebnis nicht in weitere Tore ummünzen konnte. Die Mannschaft der letzten Saison hätte nach diesem 3:3 nicht lange gefackelt, in Halbzeit zwei noch mindestens zwei Tore geschossen und wäre am Ende mit einem fulminanten Auswärtsdreier nach Hause gefahren. Die Mannschaft dieser Saison schafft dies nicht und da muss und darf die Frage dann auch heißen: Warum schafft sie es nicht? Was ist der Unterschied zwischen Team 2015/2016 und Team 2016/2017? Eine Antwort auf die Frage nach diesen Unterschieden lautet: Der Mann an der Seitenlinie…

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Tag des offenen Tores
Nach dem frühen 0:2 hat man nicht aufgegebenAus einem 1:3 wurde ein 3:3
Die Abwehr offen wie ein ScheunentorIn Halbzeit zwei zu wenig investiertMit Moral allein gewinnt man keine Punkte
12%DER CLUB IN BOCHUM
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